Druckversion
Mittwoch, 11.02.2026, 16:26 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/1KLs1420-missbrauchskomplex-muenster-landgericht-urteil-sexueller-missbrauch-kinder-sexualstrafrecht
Fenster schließen
Artikel drucken
45392

LG Münster zu Münsteraner Missbrauchskomplex: Lange Frei­heits­strafen für die Ange­klagten

06.07.2021

Der Hauptangeklagte wird von einem Beamten der Justiz zu seinem Platz im Gerichtssaal beim Verkündungstermin geführt

picture alliance/dpa/dpa pool | Guido Kirchner

Im Münsteraner Missbrauchskomplex hat das LG Münster ein Urteil gesprochen: Der Hauptangeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Auch auf die weiteren Angeklagten kommen lange Haftstrafen zu.

Anzeige

Im Münsteraner Missbrauchskomplex ist der 28-jährige Hauptangeklagte Adrian V. wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern nach §§ 176, 176c Strafgesetzbuch (StGB) in 29 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt worden. Gleichzeitig ordnete das Landgericht (LG) Münster für den IT-Techniker die anschließende Sicherungsverwahrung (§ 66 StGB) an. Er gilt als Schlüsselfigur in dem am Dienstag beendeten Prozess mit vier weiteren Angeklagten (Urt. v. 06.07.2021, Az. 1 KLs 14/20).

Die Urteile für die anderen Männer lauten: zehn Jahre Freiheitsstrafe für einen Mann aus Hannover (36) für vier Fälle, elf Jahre und sechs Monate für einen 43-Jährigen aus Schorfheide in Brandenburg für fünf Fälle und zwölf Jahre für einen 31-Jährigen aus dem hessischen Staufenberg für sechs Fälle. Auch für diese Männer ordnete das Gericht die Sicherungsverwahrung an. Damit folgte es weitestgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft.

Wegen Beihilfe wurde die 46-jährige Mutter des Hauptangeklagten zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte auf sechs Jahre plädiert. Nach Überzeugung des Gerichts wusste sie, dass es in der Gartenlaube zum schweren sexuellen Missbrauch gekommen war. Sie hatte ihrem Sohn die Laube zur Verfügung gestellt. Wesentliche Beweismittel waren hierbei Chatverläufe und eine Aufnahme in der Laube bei einem Frühstück. "Sie wusste von der Pädophilie ihres Sohnes, sie war über den Missbrauch informiert", so das Gericht. Die Frau habe aber wohl nicht gewusst, dass die Männer die Opfer zum Teil für die Taten betäubt hatten.

Gewohnheitsmäßige und mitleidslose Taten

Bei der Urteilsbegründung beschrieb der Vorsitzende Richter Matthias Pheiler die zum Teil schweren Missbrauchstaten. "Das übersteigt alles, was dieser Kammer bislang vorgelegt wurde", sagte Pheiler in der Urteilsbegründung. Die Taten seien gewohnheitsmäßig und mitleidslos erfolgt. Die auf einem Video aus der Gartenlaube zu hörenden Dialoge hätten einen verstörenden Gesamteindruck hinterlassen, so das Gericht.

Münster ist neben Lügde und Bergisch Gladbach einer von drei großen Missbrauchsfällen der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen. Der Fall kam im Juni 2020 nach Ermittlungen in einer Gartenlaube ans Licht. Im Zuge dessen hatte es in mehreren Bundesländern und im Ausland Festnahmen gegeben. In dem Komplex wurden bereits fünf Männer zu Freiheitsstrafen verurteilt. Insgesamt wurden durch die Ermittler mehr als 50 Tatverdächtige identifiziert, von denen derzeit etwa 30 in Untersuchungshaft sitzen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann noch Revision eingelegt werden.

jb/LTO-Redaktion

Mit Materialien der dpa

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

LG Münster zu Münsteraner Missbrauchskomplex: . In: Legal Tribune Online, 06.07.2021 , https://www.lto.de/persistent/a_id/45392 (abgerufen am: 11.02.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Strafrecht
    • Kinder
    • Sexualstrafrecht
    • Sexueller Missbrauch
  • Gerichte
    • Landgericht Münster
Alexander Dobrindt Bundesminister des Innern bei der Bundespressekanferenz mit dem Thema Vorstellung der Dunkelfeldstudie zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland 10.02.2026
Gewaltschutz

Dunkelfeldstudie zu Gewalterfahrungen:

Sexu­elle Über­griffe werden kaum ange­zeigt

Eine neue Studie zeigt: Jeder zweite Mensch in Deutschland erfährt in der Kindheit Gewalt – egal ob Mann oder Frau. Später bleiben zahlreiche sexuelle Übergriffe auf Frauen unsichtbar, weil Betroffene sie nur selten zur Anzeige bringen.

Artikel lesen
Stefanie Hubig in der 29. Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt. 25.01.2026
Sexualstrafrecht

Strafrechtlicher Schutz vor voyeuristischen Aufnahmen:

Ste­fanie Hubig will Span­nern an den Kragen

Heimliches Filmen in der Sauna oder ähnliche Übergriffe: Bundesjustizministerin Hubig (SPD) hat angekündigt, Schutzlücken beim digitalen Voyeurismus zu schließen. Sie kommt damit einer möglichen Aufforderung durch die Bundesländer zuvor. 

Artikel lesen
Ein Gerichtssaal mit Anwälten und Richtern, der die ernsthafte Stimmung des Verfahrens widerspiegelt. Träume stehen auf der Kippe. 20.01.2026
Beweise

Tag 30 im Block Prozess:

"Es war mein Traum, in einem Wohn­mobil durch Europa zu reisen"

Überraschendes Wiedersehen, der israelische Ex-Agent David Barkay sagt erneut detailliert vor Gericht aus. Wo er Erinnerungslücken hat, lässt das Gericht seine Notizbuchseiten an die Wand projizieren. Ein Eintrag stammt von Christina Block.

Artikel lesen
Saal 237 am 29. Tag des Block-Prozesses 13.01.2026
Christina Block

Ex-Hotelmitarbeiter sagen im Block-Prozess aus:

Offene Rech­nungen, gesch­los­sene Augen

Zimmer ohne Rechnung und Bargeld im Kuvert: Am Dienstag führte der Block-Prozess tief hinein in die Welt eines Luxushotels jenseits regulärer Abläufe. Außerdem wollten zwei Anwälte wissen, gegen welchen Vorwurf sie verteidigen sollen.

Artikel lesen
Stephan Hensel vor dem Hamburger Strafjustizgebäude. 08.01.2026
Christina Block

Jugendamtsmitarbeiterin im Block-Prozess:

"Dass Hensel die Kinder iso­liert hat, war eine Macht­de­mon­s­t­ra­tion"

Am 28. Verhandlungstag haben im Block-Prozess Ex-Mitarbeiterinnen des Hamburger Jugendamts ausgesagt. Sie werfen Blocks Ex-Mann vor, höchst unkooperativ gewesen zu sein. Diese Vorgeschichte sei eine "Zäsur", sind sich die Verteidiger einig.

Artikel lesen
Die niedersächsische Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) 07.01.2026
Jugendkriminalität

SPD-Justizministerin kritisiert CSU-Vorstoß:

"Kinder gehören nicht vor Gericht"

Die CSU schlägt vor, dass strafunmündige Kinder unter 14 Jahren ggf. per sogenanntem Verantwortungsverfahren vor Gericht müssen. Niedersachsens Justizministerin Wahlmann (SPD) sieht andere in der Pflicht und hält den Vorschlag für Populismus.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Ihre Kanzlei: Top oder Flop?

Zur Umfrage
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von CMS Deutschland
Rechts­re­fe­ren­dar (m/w/d) für die Wahl­sta­ti­on im CMS EU Law Of­fice in...

CMS Deutschland , Brüs­sel

Logo von Hogan Lovells International LLP
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ten­de (w/m/d) In­ter­na­tio­na­les...

Hogan Lovells International LLP , Düs­sel­dorf

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Hil­des­heim

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Logo von WWP Rechtsanwälte
Rechts­an­wäl­te (m/w/d)

WWP Rechtsanwälte , Kiel

Logo von Hogan Lovells International LLP
Re­fe­ren­da­rin/Re­fe­ren­dar (w/m/d) In­ter­na­tio­na­les...

Hogan Lovells International LLP , Düs­sel­dorf

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Sta­de

Logo von Bundeskartellamt
Voll­ju­ris­tin bzw. Voll­ju­rist (w/m/d) für ver­schie­de­ne...

Bundeskartellamt , Bonn

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
IT- & SaaS-Verträge mit KI meistern – schneller, sicherer, smarter

11.02.2026

12. Göttinger Forum IT-Recht 2026

12.02.2026, Göttingen

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Arbeitnehmer­erfindungen

11.02.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Embargos und Sanktionen

11.02.2026

Logo von Hengeler Mueller
Willem C. Vis – Exklusiv 2026

25.02.2026, Frankfurt am Main

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH