Druckversion
Donnerstag, 20.08.2026, 01:24 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/-eugh-europaeischer-gerichtshof-vorabentscheidungsverfahren-oesterreich-google-tiktok-meta-irland-unionsrecht-kommunikationsplattformengesetz
Fenster schließen
Artikel drucken
53118

EuGH zur Bekämpfung rechtswidriger Inhalte im Internet: Staaten dürfen nur Online-Dienste im eigenen Land regu­lieren

09.11.2023

Das Bild zeigt das Google-Logo, was Implikationen für die Regulierung von Online-Diensten in Europa verdeutlicht.

Google, TikTok und Meta errungen vor dem EuGH einen Erfolg. Foto: picture alliance / NurPhoto | Artur Widak

Google, Meta und Tiktok haben vor dem EuGH einen Erfolg verbuchen können. Das österreichische Kommunikationsplattformengesetz verstoße gegen Unionsrecht, entschied der Gerichtshof.

Anzeige

Ein Mitgliedstaat darf einer Online-Plattform, die ihre Niederlassung in einem anderen Mitgliedstaat hat, keine "generell-abstrakten Verpflichtungen" auferlegen. Dies hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) nach einer Vorlage des österreichischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) entschieden (Urt. v. 9.11.2023, Az. C-376/22). Das nationale Vorgehen verstößt gegen das Unionsrecht.

Dem Vorabentscheidungsersuchen liegt ein Rechtsstreit zwischen Google Ireland, Meta Platforms Ireland und Tiktok und einer österreichischen Verwaltungsbehörde zugrunde. Streitpunkt: das österreichische Kommunikationsplattformengesetz. 2021 in Kraft getreten, verpflichtet es inländische und ausländische Kommunikationsplattformen, Melde- und Überprüfungsverfahren für potenziell rechtswidrige Inhalte einzurichten und dazu regelmäßig Transparenzberichte zu veröffentlichen. Die Kommunikationsbehörde KommAustria wacht über die Einhaltung dieser Bestimmungen durch die vom Gesetz erfassten Tech-Riesen. Bei Verstößen kann sie Geldstrafen in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro verhängen.

Online-Plattformen beklagen Unvereinbarbeit mit Unionsrecht

Die drei in Irland ansässige Online-Plattformen Google Ireland, Meta Platforms Ireland und TikTok hatten die Vorgaben nicht oder nur teilweise umgesetzt und waren vor Gericht gezogen. Sie meinen, dass das österreichische Gesetz gegen das Unionsrecht, konkret gegen die Richtlinie über Dienste der Informationsgesellschaft (Richtlinie 2000/31/EG), verstoße.

Dem stimmt der EuGH mit Verweis auf das Ziel der Richtlinie zu. Sie diene dazu, einen rechtlichen Rahmen zu schaffen, um den freien Verkehr von Diensten der Informationsgesellschaft zwischen den Mitgliedstaaten sicherzustellen. Der der Richtlinie zugrunde liegende Grundsatz der Aufsicht im Herkunftsmitgliedstaat beseitige die Hürden, die die verschiedenen anwendbaren nationalen Regelungen darstellen.

Mitgliedstaat darf nicht "generell-abstrakt" regeln

Zwar könnten ausnahmsweise auch andere Mitgliedstaaten als der Herkunftsmitgliedstaat des Online-Dienstes tatsächlich Maßnahmen ergreifen, um die öffentliche Ordnung, den Schutz der öffentlichen Gesundheit, die öffentliche Sicherheit oder den Schutz der Verbraucher zu gewährleisten, so der EuGH. 

"Jedoch dürfen sie keine generell-abstrakten Maßnahmen ergreifen, die unterschiedslos für alle Anbieter einer Kategorie von Diensten der Informationsgesellschaft gelten," heißt es in der Pressemitteilung des EuGH. Unterschiedslos bedeute "ohne Unterschied zwischen in diesem Mitgliedstaat ansässigen Diensteanbietern und solchen, die in anderen Mitgliedstaaten niedergelassen sind".

Könnten andere Mitgliedstaaten als der Herkunftsstaat solche generell-abstrakten Verpflichtungen erlassen, würde dies den Grundsatz der Aufsicht im Herkunftsmitgliedstaat anzweifeln, urteilte der EuGH. Zudem läge ein Eingriff in die Regelungskompetenz des Herkunftsmitgliedstaats (hier Irlands) vor. Ließe man dies zu, drohe, so der EuGH, ein Vertrauensverlust zwischen den Mitgliedstaaten. 

Anzeige

Ein Paukenschlag - auch für Deutschland?

Das Urteil aus Luxemburg betrifft nicht nur die österreichische Regelung. Das Verbot "generell-abstrakter" Regelungen für Plattformanbieter wird auch in Deutschland Wellen schlagen. "Es könnte auf andere Länder ausstrahlen und insgesamt die Gesetzgebung der Mitgliedstaaten in dem Gebiet der Plattformregulierung unter einem neuen Licht erscheinen lassen", meint Dr. Benjamin Lück, Rechtsanwalt und Projektkoordinator bei der Gesellschaft für Freiheitsrechte.

Es dürfte zudem das Aus für einen Großteil des deutschen Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) bedeuten, so Lück. Zwar wurde das NetzDG für die sehr großen Online-Plattformen weitgehend durch den DSA abgelöst. "Das Urteil engt den Spielraum nationaler Gesetzgebung für die Zukunft erheblich ein," meint der Rechsanwalt. Zudem dürfte es aber vor allem auch Auswirkungen auf die Verfahren haben, die das Bundesamt für Justiz (BfJ) unter dem NetzDG gegen die Plattformen eingeleitet hat, insbesondere das jüngste Bußgeldverfahren gegen X/Twitter, befürchtet Lück.

Nun ist der österreichische Verwaltungsgerichtshof am Zug. Er hat den Rechtsstreit unter Zugrundelegung des EuGH-Urteils zu entscheiden. 

mw/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

EuGH zur Bekämpfung rechtswidriger Inhalte im Internet: . In: Legal Tribune Online, 09.11.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/53118 (abgerufen am: 20.08.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Europa- und Völkerrecht
    • EuGH
    • Google
    • Internet
    • Online-Services
  • Gerichte
    • Europäischer Gerichtshof (EuGH)
So fügen Sie LTO als "bevorzugte Quelle" hinzu 17.08.2026
In eigener Sache

Für mehr juristische Qualität bei Ihrer Internetrecherche:

Jetzt LTO als "bevor­zugte Quelle" bei Google hin­zu­fügen

Spiegel, Zeit, FAZ. Tolle Medien. Doch LTO darf als fundierte Quelle für Recht und Justiz in Ihren Suchergebnissen nicht fehlen. Für juristischen Mehrwert in Ihrer Internetrecherche fügen Sie LTO als "bevorzugte Quelle" bei Google hinzu.

Artikel lesen
Google-Suche 23.07.2026
Google

Verstöße gegen den Digital Markets Act:

EU-Kom­mis­sion ver­hängt Geld­bußen gegen Google

Was steht oben, wenn Nutzer bei Google nach Sportereignissen, Hotels oder Routen suchen? Meist eigene Angebote des Unternehmens, so die EU-Kommission. Nach den nun verhängten Geldbußen droht wieder Ärger mit Donald Trump.

Artikel lesen
Blick durch den Zaun auf die FIFA-Zentrale auf dem Zürichberg mit einem riesigen Fußball im Garten. 16.07.2026
Fußball

EuGH zu Spielerberatern:

FIFA-Regeln könnten gegen Kar­tell­recht ver­stoßen

Das Landgericht Mainz wollte vom EuGH wissen, ob die FIFA-Regeln für Spielervermittler mit dem Kartellverbot vereinbar sind. Zumindest bei einigen Vorgaben ist das wohl nicht der Fall.

Artikel lesen
Doping-Kontrolleur (Symbolbild) 14.07.2026
Doping

EuGH zur Veröffentlichung von Sportler-Namen:

Doping-Pranger im Netz recht­lich unbe­denk­lich

An einem sauberen und fairen Sport wirken auch Staaten mit. Nationale Behörden dürfen deshalb Namen von Doping-Sündern veröffentlichen, so der EuGH.

Artikel lesen
Zwei Schüler stehen in einem Klassenraum und schauen auf ihre Smartphones. Auf den Displays sind Social-Media-Apps zu sehen (Symbolbild). 13.07.2026
Social Media

EU-Expertenbericht:

Unbe­auf­sich­tigte Social-Media-Nut­zung erst ab 13 Jahren

EU-Experten empfehlen, Kindern unter 13 Jahren den Zugang zu Social Media zu verwehren. Die EU-Kommission will nach dem Sommer einen Regelungsvorschlag machen. Die Bundesregierung begrüßt das.

Artikel lesen
Apps verschiedener Streaminganbieter auf einem Smartphone 09.07.2026
Widerrufsrecht

Klage gegen "Sky" in Österreich:

EuGH stärkt Wider­rufs­recht von Strea­ming-Kunden

Der EuGH setzt Streaming-Anbietern Grenzen: Bei personalisierten Abos bleibt das Widerrufsrecht grundsätzlich bestehen. Wer den Vertrag widerruft, muss für die bereits genutzte Leistung allerdings zahlen.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Bie­le­feld

Logo von NMW Rechtsanwälte
Rechts­an­walt (m/w/d) / Voll­ju­rist – Ver­kehrs- und Ver­si­che­rungs­recht

NMW Rechtsanwälte, Lud­wigs­ha­fen am Rhein

Logo von Stiftung Umweltenergierecht
Ju­ris­tin/Ju­rist (m/w/d) als Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter in Teil­zeit (60...

Stiftung Umweltenergierecht, Würz­burg

Logo von Oppenhoff
Rechts­an­walt (m/w/d) Pri­va­te Equi­ty / M&A

Oppenhoff, Frank­furt am Main

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Ham­burg

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Ber­lin

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Düs­sel­dorf

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Es­sen

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Betriebsbedingte Kündigung und soziale Auswahl

20.08.2026

Gestaltung und Anwendung der Patientenverfügung

20.08.2026

Wie Sie Ihr Legal & Regulatory Monitoring in ein proaktives Frühwarnsystem verwandeln

20.08.2026

Logo von Flick Gocke Schaumburg
Open House

10.09.2026, Bonn

Logo von White & Case
Private Equity-Workshop

03.09.2026, Frankfurt am Main

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH