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Russischer Zoo verklagt PR-Agentur: Waschbär Thomas in ero­ti­schem Wer­bespot

20.03.2017

Ein Waschbär (Symbolbild)

© iLUXimage - Fotolia.com

Ein Moskauer Tierpark verklagte eine PR-Agentur, die ein Video mit einem Waschbären des Parks und einem Unterwäsche-Model gedreht hat. Beobachter vermuten, dass sich dahinter eine schräge PR-Aktion des Zoos verbirgt.

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Das Pelztier zerrt am BH der russischen Schauspielerin. Mit Müh' und Not verteidigt die blonde Frau ihre Unterwäsche, lässt sich auf den Rücken fallen - und gibt schließlich lachend auf.

Was sich zunächst ein wenig anrüchig anhört, ist tatsächlich bloß der Dreh zu einem Werbespot für Bettwäsche, aufgenommen von einer russischen PR-Agentur. Die Szene kursiert im Internet, doch das Video hat den Besitzern des Waschbärens namens Thomas, einem Moskauer Streichelzoo, gar nicht gefallen. Deswegen hat der Tierpark die Agentur verklagt.

"Wir wollen, dass Aufnahmen von Waschbären und anderen Tieren, die erotische Szenen enthalten, als Verstoß gegen Tierrechte anerkannt werden", sagt Zoo-Sprecher Viktor Kirjuchin. Zudem verlangt der Park, dass sämtliche Bilder und Videos vom Dreh aus dem Internet gelöscht werden.

PR-Agentur will 80 Euro Entschädigung für zernagten BH

Ursprünglich hatte der Zoo das Tier für den Werbeclip ausgeliehen. Unentgeltlich, wie Kirjuchin sagt. "Wir wollen keine finanzielle Entschädigung, sondern, dass alles aus dem Netz genommen wird." Versuche, den Streit friedlich beizulegen, habe die PR-Agentur ignoriert, sagt er. Ob der Tierpark das Drehbuch beziehungsweise das Skript des Werbespots vorab kannte, ist nicht bekannt.

Waleri Bogatow, Sprecher der beklagten Agentur, findet das absurd: "Wir sind völlig überrascht." Als sich der Zoo mit dessen Anliegen nach dem Dreh an sein Unternehmen gewandt habe, hätten die Werbungsmacher es für einen Witz gehalten. Bogatow erwägt nun eine Gegenklage.

"Wir werden eine Entschädigung für den BH der Schauspielerin verlangen, den der Waschbär beim Dreh zernagt hat." Der Betrag, um den es ginge, klingt jedoch wie eine Lappalie: umgerechnet etwa 80 Euro. Bislang habe die PR-Agentur ihrem Kunden den Werbe-Clip aber nicht übergeben, heißt es.

Nur ein PR-Gag für Aufmerksamkeit?

Russische Medien wittern in dem Streit um den obszönen Tier-Dreh eine gezielte Marketingaktion, von der durchaus beide Seiten profitieren könnten. Vor allem das Argument des Zoos, der Ruf der Waschbären werde geschädigt und fortan mit erotischen Inhalten verknüpft, löst Kopfschütteln aus.

"Mir erscheint das ziemlich aus den Fingern gesogen", sagen Marketingexperten über die Geschichte, die es mittlerweile bis in den staatlichen TV-Sender Vesti geschafft hat. "Der Waschbär hatte Spaß, die Frau wurde fotografiert und so wurde der Virus in die Welt gesetzt."

Vorwürfe und Vermutungen, es handele sich lediglich um eine PR-Aktion, lehnte Kirjuchin ab: "Das sehe ich anders. Unsere Ansprüche sind völlig berechtigt." Bogatow will sich an Spekulationen nicht beteiligen. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte er aber: "Wir glauben, dass uns die Situation nutzt. Viele reden über uns."

Waschbär Thomas hätten die Ereignisse aber nicht negativ beeinflusst, so Kirjuchin: "Er lässt sich weiterhin gerne von den Besuchern in den Arm nehmen und ist gefräßig wie immer."

dpa/nas/LTO-Redaktion

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Russischer Zoo verklagt PR-Agentur: . In: Legal Tribune Online, 20.03.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/22420 (abgerufen am: 07.02.2026 )

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