Anklage wegen Freiheitsberaubung: Mann fährt mit ent­führtem Lini­enbus zur Disco

22.01.2018

Ein 34-Jähriger entführte kurzerhand einen ganzen Bus, weil er kein Geld für die Fahrt zur Disco hatte. Nun muss er sich wegen Freiheitsberaubung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten.

Die Entführung eines Linienbusses zwecks Fahrt zur Disco hat ein Mann vor Gericht in Halle gestanden. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht (LG) Halle räumte der 34-Jährige am Montag ein, den Bus samt Fahrer und vier Fahrgästen im Juli vergangenen Jahres entführt zu haben.

Ihm wird unter anderem gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm mehrere Jahre Haft.

Der 34-Jährige hatte den den Busfahrer laut Anklage mit einem Messer bedroht. Alle Beteiligten blieben unverletzt. An der Disco stieg der Mann aus und wurde dort später überwältigt. Vor der Entführung hatte er bereits die Insassen eines Autos bedroht. Zur Tatzeit soll der Mann unter Drogeneinfluss gestanden haben. Ein Gutachter muss nun prüfen, ob der Angeklagte schuldfähig ist.

Wie ein Gerichtssprecher gegenüber LTO bestätigte, sind bis Mitte Februar Verhandlungstage angesetzt. In der Verhandlung am Montag sollte zunächst noch ein Zeuge gehört werden.

dpa/mam/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Anklage wegen Freiheitsberaubung: Mann fährt mit entführtem Linienbus zur Disco . In: Legal Tribune Online, 22.01.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/26617/ (abgerufen am: 26.05.2018 )

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Kommentare
  • 22.01.2018 17:49, FinalJustice

    "Ein Gutachter muss nun prüfen, ob der Angeklagte schuldfähig ist."

    Ja, genau! Der Gutachter prüft, ob jemand schuldfähig ist. Das ist nicht etwa eine Rechtsfrage, deren Beantwortung allein dem Gericht obliegt.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 22.01.2018 18:19, Bürger

      Wenn der Täter schon kein Geld für die Busfahrt hatte, von was wollte er dann den Eintritt in die Disco und etwaigen Verzehr bestreiten???

      Bzgl. der Formulierung "... schuldfähig ist" - ist es nicht irrelevant ob er gegenwärtig schuldfähig ist? Ich meine, entscheidend ist nur ob der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt schuldfähig war.

    • 22.01.2018 19:18, Sie liegen beide daneben

      FinalJustice: Die Frage, ob ein Mann physisch oder psychisch schuldunfähig ist, kann ein Richter nicht beantworten. Er ist Jurist und kein Mediziner.

      Bürger: Der Mann könnte drogenabhängig und daher in seiner Willensbildung erheblich gestört sein. Eine Strafe wäre daher verkehrt. Zweckdienlich wäre dann eine Therapie. Ich denke aber doch, dass der Mann eher ein Gelegenheitskonsument ist. Das deutet der Sachverhalt zumindest an.
      Dann haben Sie recht: Seine Schuldfähigkeit zur Tathandlung wäre maßgeblich. Indes, ist es nicht ausgeschlossen, dass er unter ganz anderen Problem leidet. Die Verteidigung wird hierauf berufen haben oder der Richter schockiert sein, das Drogen sowas auslösen können. Der Artikel ist aber auch eher click bait, und nicht geeignet Diskussionen zu führen.

    • 22.01.2018 21:03, Leo

      Das Gericht ist dafür allerdings aufgrund mangelnden Fachwissens völlig unqualifiziert.

    • 23.01.2018 00:24, FinalJustice

      "Die Frage, ob ein Mann physisch oder psychisch schuldunfähig ist, kann ein Richter nicht beantworten. Er ist Jurist und kein Mediziner."
      Doch, genau das kann er. Das MUSS er sogar. Wir können uns sicher lange darüber streiten, ob Psychiatrie Medizin ist (meiner Meinung nach nicht). Wir können uns aber nicht darüber streiten, ob Schuldfähigkeit eine Rechtsfrage ist - und zwar eine ausschließliche. Dass das nicht in die Köpfe der Juristen reingeht, dass das immer und immer wieder falsch gemacht wird. Dass man immer und immer wieder Urteile hat, die in der Revision hochgehen, weil Strafrichter schreiben "Der Sachverständige Prof. Dr. X hat die Schuldunfähigkeit des Angeklagten in seinem Gutachten vom xx.xx. festgestellt."
      NEIN DAS HAT ER NICHT. Die psychiatrische und neurologische Begutachtung des Angeklagten dient der Ermittlung der TATSACHENGRUNDLAGE für die Entscheidung der RECHTSFRAGE der Schuldfähigkeit durch das Gericht. Das kann doch echt nicht so schwer sein, diese beiden Ebenen auseinander zu halten. Das Gericht muss die Befunde des Sachverständigen einer eigenen Würdigung unterziehen und darf genau nicht einfach darauf verweisen, dieser habe die Schuldfähigkeit festgestellt.

  • 22.01.2018 20:56, Jura Student

    Für mich stellt sich ja die Frage, warum hier die StA wegen gefährlichen Eingriffs und nicht etwa wegen Gefährdung anklagt

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 23.01.2018 11:02, Bernd

      Der Angeklagte ist anscheinend nicht selbst gefahren, von daher bliebe nur eine der sieben Todsünden in mittelbarer Täterschaft. Dazu gibt der Artikel aber nichts her. Gefährlicher Eingriff dürfte aber schon vorliegen, da das Führen einen Linienbusses mit einem Messer am Hals dann doch mit einer ziemlich konkreten Unfallgefahr einhergeht. Klingt also erstmal plausibel.

    • 24.01.2018 15:25, Ran

      Der Angeklagte scheint den Bus wohl nicht gefahren zu haben, sodass er nicht wg. 315c strafbar ist (mittelbare Täterschaft ist hier nicht drin).

      Aus dem Grund kommt nur der gefährliche Eingriff in den Straßenverkehr in Betracht.

  • 24.01.2018 14:13, Markus

    Sehr "kurios" das Ganze. Die Wahrscheinlichkeit, dass den Mitgliedern der lto-Redaktion zukünftig ähnlich Kurioses widerfährt, steigt ja in Merkeldeutschland täglich. Na dann, bewahren Sie sich Ihren Humor auch in der Praxis.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 14.02.2018 14:03, xD xD xD

      Diese verfluchte Frau Merkel, erst macht sie, dass das Wetter so unbeständig ist wie die neue Bundesregierung und dann lässt sie auch noch random people Busse entführen ... was kommt als nächstes frag ich da? Völlig verantwortungslos!!!

  • 24.01.2018 16:00, Fragen!

    Überall (in seriösen Medien) ist übrigens auch erwähnt, dass der 34jährige ein Syrer ist.

    Wieso geht das hier eigentlich völlig unter? Ich meine: vielleicht spielen Mentalitätsunterschiede (Verwendung eines Messers etc.) auch eine spezifische Rolle?!

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 25.01.2018 15:21, Rechtsanwalt Dirk+Schmitz+M.A.

    Warum immer nur die unvollständige Wahrheit? Der Mann ist Syrer. Wie viele deutsche Messertäter gibt es denn? Political correct ist eben incorrect.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 05.02.2018 12:01, petzold

      Weil das fuer die angesprochenen Rechtsfragen irrelevant ist? Schade, dass die meisten Diskussionen bei lto mittlerweile von den AfDis gekapert werden. In Bezug auf Inhalt und Umgangston ist die Kommentarfunktion voellig verkommen. Die lto, die ich sonst schaetze, sollte das Experiment beenden.

    • 13.02.2018 06:20, !???

      Wieviele deutsche Messertäter es gibt können Sie täglich in den öffentlich zugänglichen Hauptverhandlungen in jeglichen AGs und LGs beobachten. Ist das Ihr Ernst dass Sie glauben Messer nutzen nur Syrer? Wenn man seine Tage auf dem Parkplatz vor dem Aldi verbringt, merkt man das natürlich nicht.

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