LG Gießen zu gefräßigem Esel: 5.100 Euro Scha­dens­er­satz für ange­kn­ab­berten Sport­wagen

28.09.2017

Weil ein Esel das Heck eines orangefarbenen Sportwagens angeknabbert hat, muss der Eselhalter nun Schadensersatz zahlen. Der Esel hatte das Auto womöglich für eine übergroße Möhre gehalten, mutmaßte die Polizei mit einem Augenzwinkern.

Das Landgericht (LG) Gießen hat einen Eselhalter zur Zahlung von Schadensersatz in Höhe von 5.100 Euro verurteilt. Sein Tier hatte das Heck eines teuren Sportwagens der Marke McLaren angeknabbert und dabei unter anderem den Lack beschädigt.

Im September 2016 wollte der 50-jährige Sportwagenfahrer kurz etwas beim Arzt abgeben, wie er vor Gericht darstellte. In der Nähe einer Weide habe er wenden wollen und seinen Wagen rückwärts gefahren. Den Esel habe er erst bemerkt, als dieser plötzlich aufgetaucht und zweimal ins Heck gebissen habe. Das Tier habe dafür den Zaun weit nach vorne gedrückt, um an das Heck des Wagens zu gelangen. Ein Zeuge bestätigt die Angaben.

Der Vorfall hatte bereits kurz nach der Beißattacke für Aufsehen und diverse Medienberichte gesorgt. Wohl auch, weil die Polizei in einer Mitteilung schmunzelnd mutmaßte, der Esel könnte den rund 300.000 Euro teuren Sportwagen wegen der orangefarbenen Lackierung für eine überdimensionale Möhre gehalten haben. In einem Fernsehbericht zeigte der klagende Mann damals Verständnis für Esel "Vitus". Der sei schließlich ein Tier und könne nichts dafür. Er war auch zuversichtlich, dass die Versicherung der Halter den Schaden begleichen werde.

Doch die zweifelte den Unfallhergang an und wollte nur die Hälfte des Schadens zahlen. Es sei gar nicht sicher, dass Vitus wirklich zugebissen habe. Außerdem habe der Fahrer seinen Wagen zu nah an der Weide geparkt.

Auch heute noch nehme er die Beißattacke schmunzelnd hin, sagte der Sportwagenbesitzer nach der Verhandlung. "Aber es wäre mir lieber gewesen, der Esel hätte nicht zugebissen." Was den Vierbeiner trieb, das konnten schon die humorvollen Polizeibeamten im September 2016 nicht sagen. In ihrer Pressemitteilung schrieben sie: "Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar, mehr als ein 'Iah' war aus ihm nicht herauszubekommen."

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

LG Gießen zu gefräßigem Esel: 5.100 Euro Schadensersatz für angeknabberten Sportwagen . In: Legal Tribune Online, 28.09.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/24765/ (abgerufen am: 20.07.2018 )

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Kommentare
  • 28.09.2017 16:53, Nutztier?

    Wenn davon auszugehen ist, dass das Tier eingezäunt war, wieso besteht dann eine Haftung nach 833 BGB?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 28.09.2017 17:23, Markus Wittig

      Wieso nicht?

    • 28.09.2017 19:00, @Markus

      Weil das in Paragraf 833 S.2 BGB ausgeschlossen wird.

    • 28.09.2017 19:26, Markus Wittig

      @ Wittig

      Mist! Den wird das Gericht doch glatt übersehen haben...

      Spaß beiseite! Bloßen Erwähnen einer Norm bzw eines Unterfalles davon bringt leider nix. Die Frage ist, inwieweit sich der vom Gericht festgestellte Sachverhalt mit der jeweiligen Begründung darunter subsumieren lässt...oder eben auch nicht. Der Artikel gibt da leider nicht viel her. Und die bisherigen Kommentare leider auch nicht... ;-)

  • 28.09.2017 19:32, Zorro

    "Das Tier habe dafür den Zaun weit nach vorne gedrückt, um an das Heck des Wagens zu gelangen."

    Entweder war er kein Tier iSd § 833 S.2 BGB oder der Halter konnte sich wegen des o.g. schwachen bzw nachgebenden Zaunes nicht entlasten.

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  • 28.09.2017 20:07, Schinge

    Ist doch verschuldensunabhängig. Und Esel sind m.E. keine Haustiere.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 28.09.2017 22:07, @Schlingel

      Doch, Haustiere sind Nutz- und Luxustiere. Das BGB meint mit Haustiere nicht ,,Hund und Katz‘‘.

  • 28.09.2017 20:48, tüdelütütü

    Vielleicht glaubte der Esel gleich einem Wutbürger, Angela Merkel oder einen anderen CDU-Kandidaten oder eine andere solche Kandidatin im Wahlkampfkostüm in Bissweite zu haben.

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  • 25.10.2017 11:51, Nutzer

    Gibt es ein Aktenzeichen?

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