Griechenland: Dienst­ge­richt in Athen ent­lässt faule Richter und Staats­an­wälte

19.10.2022

Sie hätten vor allem durch Faulheit, Inkompetenz und Abwesenheit geglänzt: Deshalb feuerte man in Griechenland in den vergangenen Monaten zwanzig Richter und Staatsanwälte. Hintergrund sei auch die enorm hohe Zahl unbearbeiteter Fälle.

Das Gremium für Disziplinarverfahren am obersten griechischen Gerichtshof in Athen hat in den vergangenen zehn Monaten 20 Richter und Staatsanwälte wegen mangelnder Arbeitsleistung entlassen. Erst jüngst seien wieder fünf Juristen geschasst worden, berichtete am Dienstag die Zeitung To Proto Thema. Hintergrund sei die enorm hohe Zahl unbearbeiteter Verfahren, hieß es weiter. Die betreffenden Juristen seien für die Verzögerungen verantwortlich; sie hätten vor allem durch Faulheit, Inkompetenz und Abwesenheit geglänzt.

Besorgniserregend sei vor allem die Situation beim obersten Verwaltungsgerichtshof. Dort sei eine riesige Zahl von Fällen anhängig, die Entscheidungen verzögerten sich zum Teil um bis zu 19 Jahre. Auch der Rechnungshof sei mit 122.000 anhängigen Fällen völlig überlastet und hoffnungslos im Verzug.

Verantwortlich für den schlimmen Zustand griechischer Gerichte sind jedoch nicht nur Richter und Staatsanwälte. Vielmehr ist das System völlig veraltet. So berichten Beschäftigte an den Gerichten unter anderem von Aktenstapeln und teils sogar noch handgeschriebenen Dokumenten, die in Einkaufswagen hin und her transportiert werden müssten. Mittlerweile sind so viele Fälle anhängig, dass zahlreiche Verfahren wegen Verjährung eingestellt werden.

dpa/pdi/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Griechenland: Dienstgericht in Athen entlässt faule Richter und Staatsanwälte . In: Legal Tribune Online, 19.10.2022 , https://www.lto.de/persistent/a_id/49928/ (abgerufen am: 29.11.2022 )

Infos zum Zitiervorschlag