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Ebay-Auktion zu rheinischem Derby: 1-Cent-Münze für 149 Euro, Ticket gratis dazu

17.09.2014

Mit Eintrittskarten für Spiele der Fußball-Bundesliga lässt sich auf dem Schwarzmarkt mitunter viel Geld verdienen. Dass die Vereine den Weiterverkauf nicht gestatten, ist kein Geheimnis. Warum das Ticket also nicht einfach verschenken, als Dreingabe zum Kauf einer leicht überteuerten Münze? Eine aktuell laufende Ebay-Auktion bietet genau dieses an.

Bis Mittwoch Abend läuft beim Portal Ebay noch eine Auktion der besonderen Art. Ein Verkäufer bietet seine Eintrittskarte für das am kommenden Sonntag stattfindende Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach an - und zwar als Geschenk.

Ganz umsonst kommen Fans natürlich nicht an das begehrte Ticket. Denn gekauft werden muss dennoch. Zwar nicht die Eintrittskarte, dafür aber eine 1-Cent-Münze. Und die hat es preislich in sich: Stolze 149 Euro möchte der Verkäufer für das Stück Kupfer haben. Alternativ können Interessenten einen Preis vorschlagen.

"Sie bieten hier auf eine schöne 1-Cent-Münze!", heißt es in der Beschreibung. Und weiter: "Zusätzlich zu der Münze erhalten Sie als Geschenk 1 Eintrittskarte für das Bundesliga-Spiel am 21. September 2014". Es folgen Platzangaben sowie der Hinweis, dass die Lieferung noch rechtzeitig zum Spiel erfolgt. Auf dem Artikelbild ist die Eintrittskarte zu sehen. Regulärer Preis: 58 Euro.

una/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Ebay-Auktion zu rheinischem Derby: 1-Cent-Münze für 149 Euro, Ticket gratis dazu . In: Legal Tribune Online, 17.09.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/13219/ (abgerufen am: 12.08.2020 )

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Kommentare
  • 17.09.2014 23:33, stud. iur.

    Bei einem Materialwert und Herstellungskosten von 0,01 €, zu einem Preis von 149,00 € sind das sagenhafte 149.000.000% mehr als
    a) der Nominalwert und
    b) sogar um ein vielfaches mehr als der eigentliche Materialwert.
    Das ist mal ein krasses Missverhältnis um ein wucherähnliches Geschäft iSd § 138 I BGB anzunehmen.

    • 18.09.2014 09:39, 0815

      Und die Zwangslage des Käufers liegt wo? Wucher kommt nur in Betracht, wenn der Verkäufer eine Zwangslage des Käufers ausnutzt und deswegen einen überhöhten Preis verlangt, da der Käufer die Sache unbedingt benötigt und somit fast keine andere Wahl als diesen zu bezahlen.

    • 18.09.2014 09:43, Bert Bock

      ja und beim möglichen Käufer mangelndes Urteilsvermögen, da rheinischer Fußballfan

    • 18.09.2014 10:37, Lag

      Es fehlt allerdings daran, dass sich der Verkäufer "unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen" einen Vermögensvorteil versprechen/gewähren lassen muss.

      Das ist hier wohl nicht der Fall...naja, kommt vllt drauf an, ob dem Käufer das Spiel so wichtig ist, dass man von einer Zwangslage ausgehen könnte, die ausgenutzt würde ;)

    • 18.09.2014 13:54, Georg

      Lieber stud. jur!

      LDVs "Monal Lisa" wurde sicherlich mit einem Materialwert von max 15€ nach heutigem
      Wert erstellt. Heutiger Wert: "unbezahlbar"??
      Wo bleibt denn da jetzt Ihre Logik?
      Diese kleine Umgehungsgeschäft dürfte m.E. nicht angreifbar sein.

  • 18.09.2014 10:46, iuris consulti

    judex non calculat 149 000 000% .. fast :D

  • 18.09.2014 11:50, Fan

    @0815, Du bist kein Fan, oder? ;-)

    Die Zwangslage besteht darin, andernfalls ein Spiel seiner Mannschaft zu verpassen, also zahlt man. ;-)

  • 18.09.2014 23:56, perikatur judiode

    Meiner Ansicht kommt hier § 117 II BGB ins Spiel, mit der Folge, dass die weiterveräußerung durch die "geltenden Vorschriften" untersagt werden kann. Es ist hier offensichtlich, dass das eigentliche Rechtsgeschäft nicht in der Veräußerung von 1 Cent liegt, sondern der Eintrittskarte. Schlauer wäre da wohl beispielsweise ein Bild zu malen. Kunst hat schließlich keinen messbaren wert, sondern ist immer soviel wert, wie einer bereit ist zu zahlen.

    Soweit zu meiner Einschätzung

    • 19.09.2014 12:12, S. K.

      § 117 II BGB würde doch in diesem Fall hier bedeuten, dass durch den Kaufvertrag eine Schenkung verdeckt werden sollte. Dann wären doch lediglich die Vorschriften über die Schenkung anzuwenden. Und die Formvorschriften wären durch Vornahme der Schenkung heilbar. Woraus resultiert die Möglichkeit das Geschäft zu untersagen?

    • 20.09.2014 12:16, Bernd

      Untersagungsanspruch ergibt sich aus AGB-Vereinbarung zwischen Veranstalter und Verkäufer. Der Käufer ist insoweit safe. Interessant wird es wegen einer darin meist geregelten Vertragsstrafe, die ggf. den Verkäufer treffen kann.

      Ob der Untersagungsanspruch besteht, weil in den Ticket-AGB nur "Verkäufe" und nicht "Schenkungen" verboten sind dürfte sich wohl wenig problematisch sein. Es liegt auch ein Kaufvertrag über die Karten vor, weil sich die Verschaffungspflicht nach dem Angebot auch auf die Tickets bezieht (Gekauft wird auch der Bierkasten mit Gratis-Weizen-Glas als Draufgabe)

      Eine Abspaltung in Kaufvertrag und Schenkung wirkt sehr gekünstelt. Selbst wenn, dürfte man den Rechtsgedanken des 117 II BGB auf die Schenkung insoweit anwenden als dass diese das "Scheingeschäft" ist und der "Kartenverkauf" verdeckt wird.