Österreich: Geld­buße für Schau­spie­lerin wegen Biss in den Po

02.12.2025

Auf der Bühne geht es manchmal wild zu - sogar strafrechtlich relevant. Schauspielerin Anna Werner Friedmann hatte einen Kollegen wohl zu fest gebissen: Körperverletzung? Vom Verdacht der sexuellen Belästigung wurde sie freigesprochen.

Die Schauspielerin Anna Werner Friedmann muss eine Geldbuße in Höhe von 2.100 Euro bezahlen, weil sie einem Kollegen bei einer Theateraufführung zu fest in den Po gebissen hat. Damit wurde ein Verfahren wegen Körperverletzung vor dem Bezirksgericht Neunkirchen in Niederösterreich im Zuge einer Diversion beigelegt.

Diversion bedeutet im österreichischen Recht die Möglichkeit der Staatsanwaltschaft oder des Gerichts, bei hinreichend geklärtem Sachverhalt auf die Durchführung eines förmlichen Strafverfahrens zu verzichten. Der Beschuldigte bzw. der Angeklagte bekommt im Fall der Diversion das Angebot, sich einer belastenden Maßnahme zu unterwerfen (z.B. gemeinnützige Arbeit).

Die Entscheidung bedeutet insbesondere keine Verurteilung im formellen Sinn bzw. keinen Schuldspruch. Zugleich wurde die 33-Jährige, die zuletzt als neue Ermittlerin in der ZDF-Krimiserie "Die Toten vom Bodensee" zu sehen war, vom Verdacht der sexuellen Belästigung freigesprochen.

Das Herunterziehen der Hose des Kollegen reiche nicht zur Begründung des Vorwurfs, so die Richterin. Seine Mandantin sei über das Ende des Verfahrens erleichtert: "Sie ist froh, dass dieser Spuk ein Ende hat", sagte Anwalt Manfred Ainedter der Deutschen Presse-Agentur.

Nicht bekannt ist, ob sich das Gericht mit einer möglichen rechtfertigenden Einwilligung befasst hat. Diese erschiene jedenfalls nach deutschem Recht – konkret § 228 Strafgesetzbuch (StGB) – jedenfalls nicht abwegig. Hiernach ist insbesondere anerkannt, dass Sozialadäquanz die Strafbarkeit entfallen lassen kann – so beispielsweise bei Verletzungshandlungen "im Eifer des Gefechts" bei Sportwettkämpfen. Dass es in ähnlicher Weise auch auf der Bühne planmäßig mal hoch hergehen kann, dürfte in ähnlicher Weise sowohl von den Darstellern als auch vom Publikum anerkannt und damit im Bereich der Sozialadäquanz sein.

Friedmann: "Spiel war wesentlich intensiver als normalerweise"

Friedmann hatte vor Gericht eingeräumt, dass der schon vielfach ausgeübte Biss bei einer Aufführung im August 2023 wohl etwas fester ausgefallen sein könnte. "Das Spiel war wesentlich intensiver als normalerweise." Außerdem war ihr vorgeworfen worden, dem Kollegen mit einer Fackel Brandverletzungen zugefügt zu haben. Das sei keine Absicht, sondern durch ein Stolpern verursacht gewesen, so ihr Anwalt.

Im Stück "Alma – A Show Biz ans Ende" spielte Friedmann die Rolle der Alma Mahler-Werfel (1879-1964), die sich durch ihre zahlreichen berühmten Liebhaber und Ehemänner einen Platz in der Geschichte sicherte.

Das Stück war in einem als Kulturtreffpunkt genutzten Hotel am Semmering rund 70 Kilometer südlich von Wien aufgeführt worden. Das mutmaßliche Opfer hatte die Taten erst ein Jahr später angezeigt.

Friedmann hatte jüngst in "Die Toten vom Bodensee" ihren ersten Auftritt als neue Kriminalinspektorin Mara Eisler. In der ZDF-Krimireihe spielt sie an der Seite von Matthias Koeberlin, der als Micha Oberländer auch weiterhin Fälle im Grenzgebiet zu Österreich lösen wird.

dpa/jb/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Österreich: . In: Legal Tribune Online, 02.12.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58768 (abgerufen am: 15.12.2025 )

Infos zum Zitiervorschlag
Jetzt Pushnachrichten aktivieren

Pushverwaltung

Sie haben die Pushnachrichten abonniert.
Durch zusätzliche Filter können Sie Ihr Pushabo einschränken.

Filter öffnen
Rubriken
oder
Rechtsgebiete
Abbestellen