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Frauennetzwerke in Großkanzleien: Bis den Männern das Lachen vergeht

von Désirée Balthasar

06.11.2014

Frauennetzwerk (Symbolbild)

© Andres Rodriguez - Fotolia.com

Ein Netzwerk eigens für Juristinnen hat inzwischen fast jede Großkanzlei ins Leben gerufen. Die Herangehensweise der Initiativen ist unterschiedlich und reicht von Modenschauen über Podiumsdiskussionen bis hin zu juristischer Weiterbildung. Die Netzwerke sind keine Wohltätigkeitsorganisationen für Quotenfrauen. Es geht ums Geschäft.

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Deutschland im Sommer 2006: Die Fußball-Nationalmannschaft kämpft sich bei der WM im eigenen Land auf den dritten Platz und wird zum 'Weltmeister der Herzen'. Ausgerechnet in diesem Umfeld, geprägt von durchtrainierten Männerkörpern und Bierwerbung, startet ein Netzwerk, das sich nur an Frauen richtet. Die englische Kanzlei Bird & Bird ruft in Deutschland ihre Reihe 'Ladies@Bird' ins Leben. Das neue Frauennetzwerk nimmt auf seinem ersten Treffen ein damals topaktuelles Thema auf: Sportrechtevermarktung. Zu Gast ist eine Mitarbeiterin von SportA, der Sportrechte- und Marketing-Agentur von ARD und ZDF. Sie spricht mit den Teilnehmerinnen über das Thema "Frauen im Milliardenpoker um Fußball-Rechte".

Ein Netzwerk zu gründen, ist nicht die neueste aller Ideen. In Politik, Wirtschaft und Forschung hat sich das informelle Kontakten längst etabliert. Auch der Fokus auf Frauen durchzieht die unterschiedlichsten Lebensbereiche: Da gibt es den Verband Deutscher Unternehmerinnen, die Liberalen Frauen, den Verband Berufstätiger Mütter und die Webgrrls. Ich netzwerke, also bin ich.

Auf dieser Welle schwimmen seit einigen Jahren auch Kanzleien mit. Berufliche Kontakte sollen den Anwältinnen in Wirtschaftskanzleien zugute kommen, Stichwort Frauenförderung. Doch weil Kanzleien keine Wohltätigkeitsorganisationen, sondern Unternehmen seien und diese Veranstaltungen ja auch etwas kosten würden, soll natürlich auch die Kanzlei etwas davon haben – so formuliert es die Partnerin einer Großkanzlei. Drei Gründe liegen der Idee zugrunde, reine Frauen-Veranstaltungen zu organisieren: Sie dienen als Marketingtool für die Mandantenbindung, fördern Diversity-Maßnahmen und vernetzen von Frau zu Frau zum beruflichen Weiterkommen.

Bitte nicht allzu klischeehaft?

"In einem informellen Rahmen, ganz unter Frauen, erreicht man eine ganz andere Kommunikationsebene", glaubt Dr. Katlen Blöcker, Finanzrechtlerin bei Hogan Lovells in Frankfurt. Seit zwei Jahren veranstaltet die Kanzlei an verschiedenen Standorten in Deutschland das Netzwerktreffen 'Women of Achievement'. "Wir laden erfolgreiche Frauen ein, um von ihnen zu lernen. Die Teilnehmerinnen wollen wissen, wie die Managerinnen auf dem Podium Karriere gemacht haben. Sie diskutieren auch darüber, was sich gesellschaftlich ändern muss, damit auch Frauen Karriere machen können", sagt Blöcker.

Der inhaltliche Fokus bei 'Women of Achievement' liegt, wie der Name schon sagt, klar auf Frauenthemen. So ging es in der Vergangenheit etwa um die Frage, wie Aufsichtsratspositionen besetzt werden, eine Headhunterin klärte die Teilnehmerinnen durch die 'weibliche Brille' darüber auf. Auch die Frage, ob Frauen überhaupt Karriere machen wollen, stand bereits auf dem Programm. "Da gibt es ganz klar Unterschiede", sagt Blöcker. "Männer sagen immer zuerst ja, wenn man sie fragt, ob sie Karriere machen wollen. Bei Frauen ist das anders. Manchen ist der Preis zu hoch, den sie dafür zahlen müssten, und für andere wiegt die Verantwortung zu schwer."

Allerdings gibt es Grenzen. Allzu weiblich sollten die Themen doch nicht sein: "In Deutschland wollen Frauen sich nicht in eine bestimmte Kategorie stecken lassen. Das heißt, dass etwa ein Kochkurs oder der Besuch eines Handtaschen-Museums als zu klischeehaft angesehen würden", erklärt Blöcker. Ihre Kolleginnen in anderen Ländern seien da viel entspannter. Sie hätten genau das getan: Handtaschen angeguckt und mit Mandantinnen gemeinsam gekocht.

Shoppen im Netzwerk

Entspannt und weiblich geht es auch bei Baker & McKenzie zu. Die Kanzlei hat ein ganz anderes Konzept entwickelt, gewürzt mit einer Prise Kurzweiligkeit und einem Schuss Freizeitwert: Rund 100 Mandantinnen und 30 Baker-Anwältinnen wurden unter dem Titel 'Business Women' zu einer Modenschau eingeladen. Ein Frankfurter Modelabel zeigte seine Kollektion in den Kanzleiräumen. "Das Motto unserer Auftaktveranstaltung lautete Selbstvermarktung. Und dazu gehört natürlich auch die Frage: Wie präsentiere ich mich optisch?", erzählt Sonja Klein, Steuerrechtlerin bei Baker & McKenzie in Frankfurt. Die Teilnehmerinnen konnten an jenem Abend shoppen, Kontakte knüpfen und erfuhren in einem Vortrag etwas zum Thema Machtspiele in der Wirtschaft.

Von den Zigarrenkreisen der Männer gebe es genug, findet Klein. Und auch diese seien kein reiner Selbstzweck. Die Burschenschaften, Alumni-Kreise und elitären Clubs dienten maßgeblich dem Business Development. Hier setzt auch Baker an: "Wir wollten auf diesem Weg einen engeren Kontakt mit den Entscheidern unserer Mandanten herstellen. Also haben wir unseren Mandantenstamm nach weiblichen Führungskräften durchgesehen und die obere Führungsebene eingeladen", sagt Klein. Auch intern brachte die Veranstaltung reichlich neue Kontakte, vor allem für die Senior Associates anderer Standorte. Diese machten sich mit Mandantinnen bekannt, vernetzten sich untereinander und lernten die Baker-Partnerinnen besser kennen.

Die Veranstaltung 'Business Women' erfüllte noch einen weiteren Zweck. "Das Konzept ist innovativ. Wir heben uns damit von der Konkurrenz ab", findet Baker-Partnerin Klein. Sogar einen Preis gab es dafür. Erst vor kurzem wurde das Projekt mit einem PMN-Award in der Kategorie Geschäftsentwicklung ausgezeichnet.

Den Kollegen vergeht das Lachen

Frauen, die sich mit Frauen in einem weiblich konnotierten Umfeld vernetzen und sich über Frauenthemen austauschen – das geht Einigen zu weit. "Es wurde schon so oft über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf diskutiert, das ist nichts Neues. Wir wollten nicht die typischen Frauenthemen besetzen", sagt Maximiliane Stöckel, IP- und Markenrechtlerin bei Bird & Bird in Düsseldorf. Sie war diejenige, die 2006 die Reihe 'Ladies@Bird' während der Fußball-Weltmeisterschaft initiierte. Stöckel wollte etwas Neues schaffen und legte den Fokus auf rein wirtschaftliche Themen. "Wir haben den Anspruch, aktuelle Themen zu besetzen. Aber die Politik vermeiden wir dabei bewusst", erzählt Stöckel.

Im Gegensatz also zu Hogan Lovells, welche die ehemalige Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins Heide Simonis zu ihrem ersten Netzwerktreffen eingeladen hatte, um über Frauenkarrieren in der Politik zu sprechen, setzt 'Ladies@Bird' auf wirtschaftsrechtliche Themen. Verbraucher- und Herstellerschutz in der EU, Marketingstrategien im Finanzsektor, Krisenmanagement im Lebensmittelsektor oder die Herausforderungen der Energiewende – alles Themen, die für Wirtschaftsanwältinnen und Managerinnen genauso relevant sind wie für die männlichen Kollegen.

"Wir haben nur Frauen eingeladen, um einen intimeren Rahmen zu schaffen. Denn dann tauschen sie sich ungezwungener aus, als wenn Männer dabei sind", sagt Stöckel. Das sei auch der Hauptgrund dafür, dass die Teilnehmerinnen gerne wiederkommen. Das Feedback der Mandantinnen und der anderen Teilnehmerinnen sei durchweg positiv, das hört man aus allen Kanzleien. Die Reaktionen der männlichen Kollegen dagegen sind immer dieselben: Sie lächeln. Zumindest anfangs. Das hört  meistens dann auf, wenn sie erfahren, wer genau unter den Mandantinnen war und welche Mandate im Nachhinein folgten.

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Désirée Balthasar, Frauennetzwerke in Großkanzleien: . In: Legal Tribune Online, 06.11.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/13724 (abgerufen am: 07.03.2026 )

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