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VW-Abgasaffäre in USA: Anwalt bringt Nazi-Ver­g­leich in Net­flix-Doku

05.02.2018

VW will Diesel-Prozesse in den USA wegen eines Nazi-Vergleichs verschieben lassen. Ein Anwalt soll Assoziationen zwischen Abgas-Experimenten und Vergasung von Juden geweckt haben.

Volkswagen will US-Gerichtsprozesse im Abgas-Skandal wegen eines Nazi-Vergleichs des Klägeranwalts um je sechs Monate verschieben lassen. Die US-Tochter des deutschen Autobauers reichte am Freitagabend (Ortszeit) einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Gericht im US-Bundesstaat Virginia ein. 

Da der Klägeranwalt Michael Melkersen VW öffentlich mit "Hitler, dem Holocaust und anderem Horror" in Verbindung gebracht habe, könnten die Fälle nicht in der aktuellen Atmosphäre verhandelt werden, heißt es in dem Antrag, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. 

Der Anwalt hatte in der Netflix-Dokumentation "Dirty Money" Assoziationen zwischen Experimenten mit Dieselabgasen im Auftrag von VW und der Vergasung von Juden im Zweiten Weltkrieg zu wecken versucht. 

VW-Anwälte: Unlauterer Versuch

Melkersens Aussagen hatten sich auf Pläne von VW bezogen, die Schädlichkeit von Dieselabgasen in einem US-Labor an Menschen testen zu lassen. VW stört sich vor allem an diesem Zitat: "Man kommt nicht umhin, [...] an eine andere Reihe von Ereignissen zu denken, bei der Individuen vergast wurden - von einer Person, die tatsächlich bei der Eröffnung des ersten Volkswagen-Werks anwesend war", sagt Melkersen in der Dokumentation, bevor Adolf Hitler eingeblendet wird. 

Die VW-Anwälte sehen darin einen unlauteren Versuch, die Jury gegen den Konzern aufzubringen. Für die eigentlichen Vorwürfe der Kläger - Abgasbetrug bei Dieselautos - hätten die Nazi-Vergleiche keine Relevanz, heißt es in dem Gerichtsantrag.

Der Antrag auf Prozessverschiebung sei "ein weiterer verzweifelter Versuch von VW, Gerechtigkeit für Betrugsopfer zu verzögern", sagte Melkersen der dpa. Der jüngste Antrag sei eine leicht durchschaubare Attacke auf ihn, weil er die Affenstudie öffentlich gemacht habe.

Abgas-Experimente mit zehn Affen

Die durch die Netflix-Dokumentation und einen Bericht der New York Times aufgedeckte Studie, die ein von VW, BMW und Daimler finanzierter Lobby-Verein in Auftrag gegeben hatte, sorgte zuletzt für viel Empörung. Zu den zunächst geplanten Versuchen mit Menschen kam es - zumindest bei dieser Studie - letztlich nicht. Die Experimente fanden 2014 mit zehn Affen statt, die vier Stunden lang Dieselabgase inhalieren mussten. Hinter den Kulissen kämpft VW seit Monaten darum, die Affenstudie von Gerichtsverhandlungen ausschließen zu lassen

Im "Dieselgate"-Skandal hat VW den Großteil der Verfahren mit Milliarden-Vergleichen abgeräumt. Dennoch streitet der Autobauer immer noch mit vielen Kunden, die aus der Sammelklage ausscherten und auf eigene Faust Entschädigung erstreiten wollen. 

Den nächsten Auftakt markiert nun der Fall eines Jetta-Besitzers, der 725.000 Dollar von der VW-US-Tochter fordert, weil ihm ein Auto mit manipulierter Abgastechnik verkauft worden sei. Als Termin ist bislang der 26. Februar angesetzt.

dpa/kus/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

VW-Abgasaffäre in USA: Anwalt bringt Nazi-Vergleich in Netflix-Doku . In: Legal Tribune Online, 05.02.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/26873/ (abgerufen am: 24.09.2020 )

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Kommentare
  • 06.02.2018 11:17, Dr. Peus

    Wir erfuhren ja ab etwa 1998 die Weistümer erhabener deutscher Wirtschaftslenker, unbedingt deutsche Wirtschaft amerikanisieren zu müssen, auch - Banken usw. - an die New Yorker Börse gehen zu müssen. Aus den USA und den dortigen Usancen erwuchs danach das wahre Heil.