Offenlegung der Aktionärsstruktur: Com­merz­bank gibt Uni­c­redit erneut Kontra

25.06.2026

Unicredit will die Commerzbank übernehmen und hält den Druck hoch. Das Coba-Management zweifelt die Darstellungen des italienischen Finanzkonzerns an und verweist erneut auf widersprüchliche Aussagen.

Seit rund zwei Jahren pirscht sich Unicredit durch Aktienkäufe an eine Übernahme der Commerzbank heran. Deren Management zeigt allerdings nicht das erhoffte Interesse an einer gemeinsamen Zukunft und liefert sich seit Monaten ein öffentliches Verbalduell mit dem italienischen Kreditinstitut.

Durch ein freiwilliges Übernahmeangebot konnte Unicredit die Beteiligung an der Commerzbank zuletzt auf über 40 Prozent aufstocken. Bei der Commerzbank stört man sich an der Darstellung zum Umfang der bereits angedienten Aktien und wirft Unicredit irreführende und widersprüchliche Aussagen vor.

Bislang hätten Großinvestoren wie Fonds nur etwas mehr als ein Prozent der Commerzbank-Aktien angedient und lediglich rund 0,05 Prozent der angedienten Aktien entfalle auf Privatanleger, teilte die Commerzbank am Donnerstag mit. Der Rest stamme von Banken. "Der verbleibende Streubesitz verteilt sich auf mehrere hundert institutionelle Investoren sowie mehr als 500.000 Privatanleger", heißt es weiter.

Commerzbank verweist auf "weitgehend unveränderte" Aktionärsstruktur

Der Unicredit-CEO Andrea Orcel behauptete zuvor, dass fast alle aktiven Großinvestoren ihre Commerzbank-Aktien verkauft oder angedient hätten. Die Commerzbank widerspricht dieser Darstellung und untermauert die eigene Argumentation mit einer Offenlegung der Aktionärsstruktur bei den bislang angedienten Aktien. Großinvestoren hätten der Commerzbank im Übernahmeringen die Treue gehalten, so die Frankfurter Bank. Die Aktionärsstruktur sei trotz der laufenden Übernahmeofferte "weitgehend unverändert". Die Commerzbank wirft Unicredit vor, ihre Aktienposition künstlich aufzublähen, um den Eindruck zu erwecken, die Übernahme schreite schnell voran.

Auch der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank hat bereits Stellung bezogen. Im Rahmen einer Sondersitzung wurde der Vorsitzende Sascha Uebel beauftragt, wegen des Verdachts der Marktmanipulation und Irreführung Strafanzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Uebel bestätigte gegenüber LTO die Beschlussfassung und die Erstattung der Anzeige. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main teilte LTO auf Anfrage mit, dass eine Strafanzeige vorliege und Vorermittlungen zu einer etwaigen Marktmanipulation geführt würden.

Die Marktmanipulation als Straftat ist in Deutschland in § 120 Abs. 15 Nr. 2 i.V.m. § 119 Abs. 1 Nr. 1 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) geregelt. Demnach kann eine vorsätzliche Manipulation, die auf den Börsenkurs eines Unternehmens einwirkt, mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Die Commerzbank rät ihren Aktionären weiterhin davon ab, das Umtauschangebot anzunehmen, da es keine angemessene Prämie enthalte. Unicredit bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 eigene Aktien. Die Kritik der Commerzbank lenke vom Sinn der Übernahme ab, argumentiert Unicredit. Man wolle eine europäische Großbank schmieden, um im Wettbewerb mit großen US-Instituten bestehen zu können. Unicredit sieht mit der geplanten Übernahme Potenzial für Milliardeneinsparungen – auch durch einen umfangreichen Abbau von Arbeitsplätzen.

sts/LTO-Redaktion mit Material der dpa

Zitiervorschlag

Offenlegung der Aktionärsstruktur: . In: Legal Tribune Online, 25.06.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/60283 (abgerufen am: 18.07.2026 )

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