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Strafprozess in München: Insol­venz­ver­walter sieht "enorme Geld­ver­b­ren­nung" bei Wire­card

09.07.2025

Markus Braun

Markus Braun im Gerichtssaal. | Bild: picture alliance / SVEN SIMON / Frank Hoermann

Im Münchner Wirecard-Prozess sagt der Insolvenzverwalter Michael Jaffé als Zeuge aus. Er findet klare Worte zum Geschäftsmodell und zur Aussage von Markus Braun. 

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Wie viel Geld wurde bei Wirecard tatsächlich erwirtschaftet? Wer war Opfer und wer Täter in einem der spektakulärsten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte? Antworten auf diese und andere Fragen rund um die Insolvenz des Technologiekonzerns versucht die 4. Große Strafkammer des Landgerichts München I seit Dezember 2022 zu finden. Mehr als 200 Verhandlungstage sind inzwischen absolviert.

Michael JafféBei der Aufklärung soll auch Dr. Michael Jaffé helfen. Jaffé wurde vom Amtsgericht München erst zum Gutachter und später zum Insolvenzverwalter bei Wirecard bestellt (Az. 1542 IN 1308/20). Er versucht, möglichst viel Geld für die Gläubiger des Unternehmens zu sichern. 

Seit Mittwoch schildert Jaffé als Zeuge seine Eindrücke und spart nicht mit klaren Worten. Seiner Einschätzung nach war Wirecard "ein Betrieb mit weltweiter Struktur und enormem Cash Burn ohne jegliche Liquidität." Die Summe des im Laufe der Jahre insgesamt verbrannten Geldes bezifferte Jaffé vor Gericht auf 1,1 Milliarden Euro.

Geld war “nicht vorhanden”

Der frühere Vorstandschef Dr. Markus Braun, der seit fast fünf Jahren in Untersuchungshaft sitzt, hatte Wirecard im Prozessverlauf als profitables Unternehmen mit echten Geschäften dargestellt. Jaffé hingegen sieht einen erheblichen "Cash Burn" – echtes Geld, von Fremdfinanzierern zur Verfügung gestellt, sei über die Jahre verbrannt worden, um die Struktur aufrecht zu erhalten und zu betreiben. Den Begriff Fremdfinanzierer bezieht Jaffé dabei auf die Banken, die Wirecard immer wieder Kredite gegeben hatten. Allein den Geldbedarf für die zehn Wochen nach dem Insolvenzantrag bezifferte Jaffé auf eine dreistellige Millionensumme. “Funding war nicht vorhanden.”

Braun seinerseits wirft dem früheren Vertriebsvorstand Jan Marsalek und dessen Komplizen vor, Milliarden aus dem Konzern abgezweigt und auf die Seite geschafft zu haben. Sich selbst sieht Braun als unschuldig an. Der Kronzeuge Oliver Bellenhaus, der ebenfalls im Management von Wirecard tätig war, hatte Braun im Rahmen seiner Aussage schwer belastet – Braun sei nicht nur Mitwisser, sondern Täter. Der Insolvenzverwalter widersprach der Darstellung Brauns ausdrücklich. “Dass da irgendetwas rausgedreht worden wäre, ist ausgeschlossen”, so Jaffé. Braun verfolgte die Ausführungen mit versteinerter Miene.

Gesucht werden 1,8 Milliarden Euro 

Dass bei Wirecard in großem Stil betrogen wurde, ist inzwischen unstrittig – offen bleibt die Frage, wer betrogen hat. Laut Anklage soll Braun eine maßgebliche Rolle bei dem Bandenbetrug gespielt haben. Der Konzern war im Juni 2020 zusammengebrochen, weil 1,8 Milliarden Euro unauffindbar waren, die aber in der Konzernbilanz verbucht wurden. 

Das Geld soll aus Geschäften mit Drittpartnern in Asien und dem Mittleren Osten stammen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die entsprechenden Umsätze auf Scheingeschäften basieren und das Geld nie wirklich existierte. Braun hat diese Einschätzung bislang immer zurückgewiesen.

Auch die Suche des Insolvenzverwalters blieb bislang erfolglos. Sein Team habe "alle verfügbaren Informationsquellen" genutzt – alle hätten zum gleichen Ergebnis geführt. "Das Geschäft hat nach den Erkenntnissen, die wir haben, nicht existiert.", so Jaffé am Mittwoch.

Wann der Prozess sein Ende findet, ist nicht klar. Das Gericht hat aber deutlich gemacht, dass ein Urteil noch in diesem Jahr gefällt werden soll. Bisher ist die Beweisaufnahme nicht abgeschlossen, Termine für Plädoyers und Urteil stehen noch nicht fest.

sts/LTO-Redaktion mit Material der dpa

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Strafprozess in München: . In: Legal Tribune Online, 09.07.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/57622 (abgerufen am: 14.06.2026 )

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