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Mehr als Rhetorik-Kurse für Frauen: "Wir wollten die Männer nicht benach­tei­li­gen“

Interview von Désirée Balthasar

15.12.2015

2/2 Sechsmonatige Planungsphase

LTO: Wie lange hat es gedauert, bis das Konzept umgesetzt war?

Manz: Vom ersten Gedanken bis zum offiziellen Startschuss sind etwa anderthalb Jahre vergangen. Doch da ist der gesamte Vorlauf mit ersten Gedankenspielen zum Thema Frauenförderung mit eingeschlossen. Es wurde ja dann schnell viel größer. Die konkrete Planungsphase umfasste schließlich rund sieben Monate. Da hatte sich das Kernteam gefunden, die inhaltlichen Meetings begonnen und wir stellten einen festen Zeitplan auf. Durch die Sommerferien verschob sich die Einführung um vier Wochen.

Ich schätze, dass sechs Monate für eine derartige Planung realistisch sind. Es dauert eben seine Zeit, bis man alle Informationen zusammen hat, sie aufbereitet und die Entscheider überzeugt hat.

LTO: Was sollte man beachten, wenn man das Programm offiziell vorstellt?

Manz: Am Wichtigsten ist natürlich die Zustimmung der gesamten Partnerschaft. Bei der Präsentation sollte man sehr gut vorbereitet sein und alle nötigen Informationen zur Hand haben. Idealerweise kann man einzelne Punkte wissenschaftlich belegen, zum Beispiel mit Studien zur Generation Y und Z oder zum Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit der Mitarbeiter und dem Geschäftserfolg des Unternehmens. Meist kennt man die einzelnen Partner ja und weiß, wer skeptische Fragen stellen könnte. In solchen Fällen hilft es, Positivbeispiele zu nennen, etwa aus anderen Abteilungen.

Die Präsentation selbst würde ich so einfach wie möglich gestalten. Es hilft der Sache nicht, wenn man die Zuhörer mit Informationen überfrachtet. Da bin ich lieber auf die Nachfragen gut vorbereitet.

LTO: Und wie sagt man es den Associates?

Manz: Wem Transparenz wichtig ist, der sollte seine angestellten Anwälte mit so viel Informationen wie möglich versorgen. Uns ist dieser Punkt sehr wichtig und deshalb haben wir ausführlich dargestellt, wie die einzelnen Inhalte aussehen, was die Voraussetzungen sind, wie unsere Entscheidungsfindung verlief und wir haben sogar den gesamten Weg von der Planung bis zur Umsetzung nachgezeichnet. Außerdem können die Anwälte jederzeit jemanden aus dem Projektteam ansprechen, wenn sie weitere Fragen haben.

Regelmäßige Evaluation

LTO: Wie werden Sie überprüfen, ob das Konzept auch wirklich so funktioniert, wie Sie sich das vorstellen?

Manz: Damit ein neues Personalprogramm von allen Anwälten angenommen wird, ist es sicher von Vorteil, wichtige Partner mit in die Planung und Umsetzung einzubeziehen. Unser Kernteam besteht sowohl aus Anwälten als auch Personalern, konkret aus dem Managing Partner in Deutschland, dem Head of Germany, zwei langjährigen Partnerinnen und mir. So hat man die Entscheider frühzeitig im Boot geholt und vermeidet darüber hinaus, dass das Programm den Stempel ‘Erfunden von der Personalabteilung‘ trägt.  

Wir möchten es in regelmäßigen Abständen evaluieren, etwa alle sechs Monate. Da klopfen wir dann bei den Partnern ab, wie ihre eigenen Erfahrungen waren und wie es die Anwälte in ihren Teams angenommen haben. Und wir werden prüfen, welche Angebote in Anspruch genommen wurden. Bereits jetzt ist das Feedback positiv. Denn wenngleich viele Anwälte noch keines der Angebote in Anspruch nehmen möchten, wurden wir dennoch gelobt, dass die Kanzlei sich überhaupt mit den Themen beschäftigt und so transparent damit umgeht.

LTO: Zusammenfassend: Welche Tipps würden Sie anderen Kanzleien geben, die ein Personalprogramm planen?

Manz: Essenziell ist auf jeden Fall eine Bedarfsanalyse unter den Rechtsanwälten. Die Menschen, die es später betrifft, sollten Einfluss auf die Inhalte nehmen können.

Bevor man es einführt, sollte man außerdem versuchen, so viel Konsens wie möglich zu finden bei denjenigen, die später an der Umsetzung beteiligt sind. Denn der Rückhalt der Partnerschaft ist die Grundvoraussetzung für jedes erfolgreiche Programm.

Diane Manz (45) ist Senior HR Manager und seit 2001 bei Ashurst tätig. Das Personalprogramm "FLEXible EXcellence" besteht aus den vier Pfeilern Flexibles Arbeiten, Familienförderung, Vielfalt & Einbindung sowie Training & Entwicklung mit je vier bis fünf einzelnen Bausteinen.

Beteiligte Kanzleien

Zitiervorschlag

Désirée Balthasar, Mehr als Rhetorik-Kurse für Frauen: "Wir wollten die Männer nicht benachteiligen“ . In: Legal Tribune Online, 15.12.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17866/ (abgerufen am: 21.09.2019 )

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