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Panama Papers: Mos­sack Fonseca weist alle Vor­würfe zurück

von Dr. Anja Hall

05.04.2016

Einen Tag nach der Veröffentlichung der "Panama Papers" hat sich die betroffene Kanzlei Mossack Fonseca zu Wort gemeldet. Ihr Geschäft sei legitim und seriös; etwaige illegale Handlungen einzelner Kunden habe man weder gekannt noch gefördert.

In koordinierten Berichten von Medien aus rund 80 Ländern wird zahlreichen Politikern, Sportlern und Prominenten seit Sonntagabend vorgeworfen, ihr Geld mithilfe der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca in Offshore-Firmen geparkt zu haben. Auch mehrere tausend Deutsche sollen laut der Süddeutschen Zeitung Briefkastenfirmen der Sozietät genutzt haben.

Ans Licht gekommen sind die Briefkastenfirmen durch ein Datenleck bei Mossack Fonseca. Ein Whistleblower hatte der Süddeutschen Zeitung rund 2,6 Terabyte an Daten aus der Sozietät zugeleitet. Die Süddeutsche hat die Dokumente mit dem International Consortium for Investigative Journalists (ICIJ) ausgewertet.

Briefkastenfirmen oft für kriminelle Machenschaften genutzt

Mossack Fonseca gründet Kapitalgesellschaften und verkauft diese an Zwischenhändler wie Banken, Kanzleien und Vermögensberater, die sie dann an die Endkunden weitergeben. Zudem bietet Mossack Fonseca auch bestimmte Verwaltungsdienstleistungen für die Gesellschaften an.

Zwar ist es legal, Vermögen in Offshorefirmen anzulegen, deren Eigentümer von außen nicht erkennbar ist. Die Anonymität bietet aber auch Möglichkeiten der Steuerhinterziehung, Kriminalitäts-/Terrorfinanzierung und Geldwäsche und steht insofern regelmäßig in der Kritik – zumal sich in den "Panama Papers" auch Namen von Personen finden, die etwa mit Terrororganisationen, Drogenbanden oder Unrechtsstaaten wie Nordkorea Geschäfte treiben.

Mossack Fonseca wehrt sich nun gegen die Vorwürfe, in illegale Machenschaften verwickelt zu sein. Die Kanzlei hat ein Informationsportal ins Internet gestellt und äußert sich dort umfassend zu den Vorwürfen über undurchsichtige Finanzgeschäfte mit Briefkastenfirmen.

Mossack Fonseca: "Ironie des Schicksals"

"Diese Berichte stützen sich auf Vermutungen und Stereotypen", teilt die Sozietät in einer vierseitigen Stellungnahme mit. Mossack Fonseca sei noch nie im Zusammenhang mit kriminellen Handlungen beschuldigt oder angeklagt worden. Der Öffentlichkeit fehle das Fachwissen, um "die Arbeit von Firmen wie uns" richtig einordnen zu können. Es sei Ironie des Schicksals, dass die Daten, auf denen die Medienberichte fußen, im Grunde die hohen Standards beweisen, mit denen Mossack Fonseca arbeite.

Die Kanzlei halte sich an internationale Standards, um weitestmöglich sicherzustellen, dass von ihr gegründete Gesellschaften nicht zur Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Terrorfinanzierung oder für andere kriminelle Zwecke genutzt würden. Man biete auch keine Lösungen an, die den Zweck hätten, ungesetzliche Handlungen wie Steuerhinterziehung zu verbergen.

Viele Kunden kommen über andere Kanzleien

Mossack Fonseca führe für jeden potenziellen Kunden eine Due Diligence durch und verweigere "kompromittierten Personen" oder solchen, die benötigte Informationen zurückhielten, ihre Dienste. "Viele unserer Kunden kommen durch etablierte und anerkannte Kanzleien und Finanzinstitute aus aller Welt (…), die sich ebenso an internationale 'Know Your Client'-Protokolle und ihre nationalen Regeln und Gesetze halten müssen. Für Politiker und deren Verwandte gälten verschärfte Due-Diligence-Regelungen, so Mossack Fonseca.

Die Arbeit der Kanzlei werde genau kontrolliert, teilweise von verschiedenen Institutionen gleichzeitig, heißt es in der Stellungnahme. "Wir bedauern jeden Missbrauch unserer Dienstleistungen und unternehmen Schritte, um ihn zu verhindern", so die Anwälte.

Die Enthüllungen der Panama Papers haben weltweit für viel Aufsehen gesorgt. In Deutschland kündigte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) eine Ergänzung des bestehenden Geldwäschegesetzes durch Einführung eines Transparenzregisters an. "Die systematische Verschleierung muss ein Ende haben", so Maas. Mit Blick auf die deutschen Banken äußerte er: "Niemand sollte glauben, sich dem nationalem Recht und den Fahndungsbehörden dauerhaft entziehen zu können."

Zitiervorschlag

Anja Hall, Panama Papers: Mossack Fonseca weist alle Vorwürfe zurück . In: Legal Tribune Online, 05.04.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18976/ (abgerufen am: 29.11.2020 )

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