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Fußballer Luca Toni erhält Kirchensteuer teilweise zurück: Ende des Spiels

23.12.2015

Ob Luca Toni am Heiligen Abend in die Kirche gehen wird? Zumindest in Deuschland wohl nicht: Der frühere Bayern-Star hat seinen Prozess um Kirchensteuern weitgehend gewonnen. Seine Steuerberater müssen ihm 1,25 Millionen Euro erstatten.

Fußball-Profi Luca Toni erhält von seinen Steuerberatern Kirchensteuer in Millionenhöhe erstattet, die er für seine Zeit beim FC Bayern München zahlen musste. Das Oberlandesgericht (OLG) München gab dem Italiener am Mittwoch überwiegend recht (Urt. v. 23.12.2015, Az. 15 U 2063/14). Seine Steuerberater müssen ihm 1,25 Millionen Euro zahlen. Einen kleineren Teil der Steuersumme, etwa 450.000 Euro, muss Toni selbst tragen.

Der 38-Jährige hatte von Juli 2007 bis Dezember 2010 beim Rekordmeister in München gespielt. Die Steuern und Sozialabgaben hätte eigentlich der Verein tragen müssen, doch eine Sekretärin des FC Bayern soll versehentlich vermerkt haben, dass Toni keiner Konfession angehöre.

Nach Informationen von Verfahrensbeteiligten war Luca Toni seinerzeit nur schnell vom Platz ins Sekretariat gekommen, um die Meldebescheinigung für die Stadt München auszufüllen. Auf der Lohnsteuerkarte war keine Konfession eingetragen, Kirchensteuer zahlte der FCB daher nicht.

Tonis Steuerberater, die Münchner Kanzlei Baumgartner & Partner, füllten später einen Fragebogen mit "r-k", also römisch-katholisch aus. Daraufhin wurden Kirchensteuer und Versäumniszuschläge fällig. Und das bei einem Verdienst von sieben Millionen Euro Handgeld und 500.000 Euro netto im Monat, wie der BR schreibt.

Wenn er das gewusst hätte...

Das führte zu einer Nachzahlung in Höhe von 1,5 Millionen; hinzu kamen noch einmal 200.000 Euro Versäumniszuschlag. Toni behauptet, er wäre aus der Kirche ausgetreten, hätte man ihn damals ausreichend über die Kirchensteuer in Deutschland aufgeklärt – und verklagte seine Steuerberater.

Vom FC Bayern konnte Toni nichts erwarten – dort hatte der Spieler bei seinem Wechsel nach Rom einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet, in dem er den Verein von allen Forderungen freistellt. Den hatte nicht Bayern-Anwalt Dr. Georg Jäger von SZA Schilling Zutt & Anschütz aufgesetzt, sondern Inhouse-Jurist Dr. Michael Gerlinger. Eine Standard-Formulierung, die den Bayern jetzt allerdings eine Menge Geld sparte.

Toni hatte zunächst mit Noerr-Partner Dr. Bertold Gaede aus München mit den Bayern einen Vergleich verhandelt, dann die Schadensersatzklage gegen die Steuerberater erhoben. Die wiederum hatten, vertreten von Heuking Kühn Lüer Wojtek-Partner Michael Lauterbach eingewendet, Toni habe gar keinen Schaden – er könne sich ja bei den Bayern schadlos halten. Und schon wurde denen der Streit verkündet.

Dass sie nun schadlos aus der Sache raus sind, ist nach Verfahrensbeteiligten dem Zusammenspiel von Gerlinger und Jäger zu verdanken. So sehr sie über die Sommermonate zu einem Vergleich gedrängt werden sollten, ließen sie sich nicht darauf ein.

Verlierer gibt es in jedem Spiel – hier sind es jetzt Baumgartner & Partner. Eine Revision gegen das Urteil ließ das Gericht nicht zu. Diese müssten sich die Parteien mit einer Nichtzulassungsbeschwerde erstreiten.

tap/LTO-Redaktion mit Material von dpa

Beteiligte Kanzleien

Zitiervorschlag

Fußballer Luca Toni erhält Kirchensteuer teilweise zurück: Ende des Spiels . In: Legal Tribune Online, 23.12.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17963/ (abgerufen am: 12.08.2020 )

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Kommentare
  • 21.01.2016 08:42, RDA

    Wie wäre es mal mit Bürokratieabbau bei den Kirchensteuergesetzen? Die Länder könnten sie einfach außer Kraft setzen und dann wäre das Thema erledigt. Ich verstehe auch bis heute nicht, warum staatliche Finanzämter die Mitgliedsbeiträge bestimmter Institutionen einziehen und dass dabei weite Teile der staatlichen Abgabenordnung mit all ihren Straf- und Sanktionsvorschriften gelten.