Druckversion
Mittwoch, 11.02.2026, 01:01 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/kanzleien-unternehmen/k/olg-frankfurt-2ws13220-haftbeschwerde-steuerhinterziehung-bandenbetrug-cum-ex
Fenster schließen
Artikel drucken
44490

OLG Frankfurt weist Haftbeschwerde ab: Cum-Ex-Geschäfte sind auch Ban­den­be­trug

12.03.2021

Betrug (Symbol)

© bravissimos - stock.adobe.com

Das OLG Frankfurt wertet Cum-Ex-Aktiengeschäfte nicht nur als Steuerhinterziehung, sondern auch als gewerbsmäßigen Bandenbetrug. Das hat das Gericht im Zusammenhang mit der Haftbeschwerde eines Angeklagten entschieden.

Anzeige

Aufgrund einer Haftbeschwerde hat das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt sich – soweit bekannt als erstes Obergericht - mit der strafrechtlichen Würdigung des Cum-Ex-Skandals befasst und den Sachverhalt, der der Anklageschrift zugrunde liegt, nicht nur als Steuerhinterziehung, sondern auch als Verbrechen des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs gewertet. Damit drohe Angeklagten eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren, teilte die Justiz am Freitag mit.

Auslöser ist ein Ermittlungsverfahren, das die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gegen einen Angeklagten führte, der sich derzeit in der Schweiz befindet. Er soll "als spiritus rector ein Betrugssystem entwickelt und umgesetzt" haben, das als Cum-Ex-Leerverkaufsmodell bekannt wurde. Ziel sei es gewesen, sich eine einmal einbehaltene Steuer zweimal auszahlen zu lassen, so das OLG.

Auch wenn das Gericht in der Mitteilung keinen Namen nennt, dürfte es sich bei dem Angeklagten um den Steuerrechtler Hanno Berger handeln, der eine wichtige Rolle bei den Cum-Ex-Geschäften gespielt hat und der sich deshalb ab dem 25. März vor dem Landgericht (LG) Wiesbaden verantworten soll. Das LG Wiesbaden hat am 26. Oktober 2020 einen Haftbefehl gegen ihn erlassen (Az. 6 KLs 1111 Js 27125/12).

Der Angeklagte bestreitet die Tatvorwürfe und hat eine Beschwerde gegen den Erlass des Haftbefehls gerichtet – blieb damit aber ohne Erfolg. Es bestehe der dringende Tatverdacht des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs sowie der Steuerhinterziehung, so das OLG Frankfurt (Beschl. vom 09.03.2021, Az. 2 Ws 132/20).

"Flucht" in die Schweiz

Der Senat habe den Umstand, dass sich der Angeklagte einen Tag nach einer Durchsuchung in die Schweiz begeben habe, als Flucht gewertet. Es sei davon auszugehen, dass der Angeklagte aufgrund seiner beruflichen Ausbildung gewusst habe, dass die Schweiz wegen Steuerdelikten nicht nach Deutschland ausliefere. Denn die Schweiz hat zwar das Europäische Auslieferungsübereinkommen ratifiziert, wonach Auslieferungen wegen Delikten aus dem Kernstrafrecht erfolgen, nicht aber das zweite Zusatzprotokoll zum Europäischen Auslieferungsübereinkommen, das die Auslieferung wegen Steuerdelikten regelt.

Bei Cum-Ex-Geschäften nutzten Investoren eine Gesetzeslücke, um den Staat über Jahre um Geld zu prellen. Rund um den Dividendenstichtag schoben mehrere Beteiligte Aktien mit ("cum") und ohne ("ex") Ausschüttungsanspruch hin und her. In der Folge erstatteten Finanzämter Kapitalertragsteuern, die gar nicht gezahlt worden waren.

Alleiniges Ziel dieser Deals sei von Anfang an gewesen, "dieses System solange als möglich zu betreiben und dabei so viel wie möglich unberechtigte Steuerzahlungen für die Bande zu erhalten", so das OLG Frankfurt. Zur Durchführung habe es einer größeren Zahl von Personen bedurft. Die erlangten Gelder in Höhe von 113 Millionen Euro seien nach einer vorher vereinbarten Quote unter den Mitgliedern der Bande mit weiteren fünf Angeklagten und einem verstorbenen Mitglied aufgeteilt worden.

Der Beschluss des OLG ist nicht anfechtbar.

ah/LTO-Redaktion

mit Material von dpa

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

OLG Frankfurt weist Haftbeschwerde ab: . In: Legal Tribune Online, 12.03.2021 , https://www.lto.de/persistent/a_id/44490 (abgerufen am: 16.02.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Strafrecht
    • Cum-Ex
    • Steuerhinterziehung
  • Gerichte
    • Oberlandesgericht Frankfurt am Main
Stephan Osnabrügge ist im Gerichtssaal des LG Frankfurt zu sehen. 04.02.2026
Fussball

LG Frankfurt in der Bandenwerbung-Affäre:

Frei­spruch für DFB Ex-Schatz­meister

Über fünf Jahre nach einer spektakulären Razzia in der DFB-Zentrale wurde der letzte der verbliebenen Angeklagten vom LG Frankfurt am Main freigesprochen. Der DFB hofft auf Rückzahlung einer Millionensumme.

Artikel lesen
Landgericht Frankfurt am Main 23.10.2025
Cum-Ex

Fondsmanager stehen vor Gericht:

Nächster Cum-Ex-Pro­zess in Frank­furt

Vor dem LG Frankfurt hat die Hauptverhandlung in einem weiteren Cum-Ex-Strafverfahren begonnen. Angeklagt sind zwei Männer, die dem Fiskus einen Millionenschaden verursacht haben sollen. Sie handelten nicht allein.

Artikel lesen
Eingangsschild mit der Aufschrift "Bundesgerichtshof" 16.09.2025
Cum-Ex

Bundesgerichtshof verwirft Revision:

Haft­strafe für Ex-Fresh­fields-Anwalt wegen Cum-Ex-Deals bestä­tigt

Ulf Johannemann, ehemaliger Steueranwalt und Partner der Kanzlei Freshfields, war vergangenes Jahr zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Seine Revision hat der Bundesgerichtshof jetzt verworfen.

Artikel lesen
Ex-Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker, Co-Geschäftsführerin der Bürgerbewegung Finanzwende e.V., steht in den Büroräumen des Vereins. 21.08.2025
Cum-Ex

Staatsanwaltschaft Bonn sieht keinen Anfangsverdacht:

Keine Ermitt­lungen gegen Bror­hilker nach Anzeige

Gegen die Ex-Chefermittlerin in Sachen Cum-Ex, Anne Brorhilker, wird kein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Der Bankier Christian Olearius hatte eine Strafanzeige erstattet.

Artikel lesen
M.M. Warburg Bank Hamburg 14.08.2025
Cum-Ex

BFH weist Nichtzulassungsbeschwerde zurück:

War­burg Bank erhält 155 Mil­lionen Euro nicht zurück

Seit Jahren versucht die in den Cum-Ex-Skandal verstrickte Hamburger Warburg Bank, 155 Millionen Euro von der Steuerverwaltung zurückzubekommen. Jetzt gibt es in der Sache eine Entscheidung des BFH.

Artikel lesen
Michael Ballweg im Gericht 08.08.2025
Persönlichkeiten

Nach Urteil gegen "Querdenken"-Initiator:

Ballweg und Staats­an­walt­schaft legen Revi­sion ein

Im Verfahren gegen "Querdenken"-Gründer Michael Ballweg haben Verteidigung und Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Neben dem Freispruch vom Betrugsvorwurf war er wegen Steuerhinterziehung verwarnt worden.

Artikel lesen
ads lto paragraph
ads Transfermarkt people
lto karriere transfermarkt logo

Ihre Transfermeldung – Sichtbar. Relevant. Reichweitenstark.

Jetzt eintragen!
ads lto paragraph
ads lto arrow
lto karriere transfermarkt logo

Den nächsten Karriereschritt feiern – mit einer Meldung im LTO Transfermarkt.

Jetzt eintragen!
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Han­no­ver

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Prak­ti­kan­ten

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Mün­chen und 1 wei­te­re

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Hil­des­heim

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Logo von Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg
Voll­ju­rist:in­nen (m/w/d) - Trainee­pro­gramm für an­ge­hen­de...

Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg , Ham­burg

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle

Logo von WWP Rechtsanwälte
Rechts­an­wäl­te (m/w/d)

WWP Rechtsanwälte , Kiel

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Sta­de

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Vortrag: Die Wiederherstellung der Erbengemeinschaft durch Gesetzgebung oder Rechtsgeschäft

26.02.2026, Bonn

Update zur E-Rechnungspflicht im Anwaltsberuf 2026

25.02.2026

§ 15 FAO - Überblick Vergaberecht

25.02.2026, Hamburg

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: eCommerce

25.02.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Unternehmens­strafrecht

25.02.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH