Markus Braun gibt Interview: Ehe­ma­liger Wire­card-Chef bezeichnet Pro­zess als "Farce"

24.09.2025

Markus Braun sitzt seit mehr als fünf Jahren in Untersuchungshaft. In einem Interview spricht der Ex-CEO von Wirecard über Pläne für seine Zukunft und übt Kritik an der Justiz.

Der frühere Wirecard-Chef Dr. Markus Braun macht sich Hoffnung auf ein neues Leben nach der Haft: "Ich fühle noch viel Kraft und Energie in mir", sagte der seit Sommer 2020 in Untersuchungshaft sitzende Manager in einem Interview mit dem Magazin Stern. Er werde sich definitiv neuen Themen widmen und bis ins hohe Alter arbeiten, antwortete der Österreicher auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen. Die Kunst des Lebens bestehe darin, aus jeder Situation das Bestmögliche zu machen, so Braun weiter.

Interviews prominenter Untersuchungshäftlinge sind äußerst selten, aber nicht verboten. Der einstige Milliardär Braun ist der Hauptangeklagte in dem seit Dezember 2022 laufenden Mammutprozess um den mutmaßlichen Milliardenbetrug bei Wirecard vor der 4. Großen Strafkammer des Landgerichts München I (Az. 4 KLs 402Js 108194/22). "Der Prozess war von Beginn an eine Farce", wirft Braun der Münchner Justiz vor.

Braun argumentiert seit Prozessbeginn, er sei unschuldig und selbst von den wahren Tätern getäuscht worden – einer Bande um den abgetauchten früheren Vertriebsvorstand Jan Marsalek und den Mitangeklagten Oliver Bellenhaus. Letzterer erhebt seinerseits schwere Anschuldigungen gegen Braun und hat dem früheren Konzernchef im Prozess vorgeworfen, einen Opfermythos zu verbreiten. Die Staatsanwaltschaft hat Brauns Vorwürfe, nicht ordnungsgemäß ermittelt zu haben, ebenfalls mehrfach zurückgewiesen.

Braun hofft nach wie vor auf Freispruch 

"Es ist unbestreitbar, dass mich ein unvorhergesehener Rückschlag, ein schwarzer Schwan, mit existenzieller Wucht getroffen hat", sagte der ehedem als Visionär gesehene Braun dem Stern. “Aber das wird mich nicht davon abhalten, wieder aufzustehen.” Er strebt nach wie vor einen Freispruch an: "Ja. Selbstverständlich", antwortete er im Interview auf die entsprechende Frage. 

Bisher haben die Richter nicht erkennen lassen, dass sie Braun für unschuldig halten, darauf deutet auch die andauernde Untersuchungshaft hin. Die fünf Jahre hinter Gittern bezeichnete Braun als "absolute Grenzerfahrung". Ein Abschluss des Wirecard-Prozesses noch in diesem Jahr ist möglich. Bisher ist die Beweisaufnahme aber noch nicht abgeschlossen, Termine für Plädoyers und Urteil sind noch nicht angesetzt.

dpa/sts/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Markus Braun gibt Interview: . In: Legal Tribune Online, 24.09.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58219 (abgerufen am: 22.01.2026 )

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