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Luther / Görg / Rödl / White & Case / CLLB: German Pel­lets wird zer­schlagen

13.05.2016

Der insolvente Brennstoffhersteller German Pellets wird zerschlagen. Die Metropolitan Equity Partners übernimmt den Hauptstandort in Wismar, Rettenmaier & Söhne zwei Produktionsstandorte. Luther, Görg und Rödl beraten die Käufer rechtlich.

Die Produktion in Wismar wird von Metropolitan Equity Partners Management (MEP) übernommen und künftig als Wismar Pellets GmbH firmieren. Das Team der Kanzlei Luther hat MEP bereits im Vorfeld der drohenden Insolvenz von German Pellets beraten, nachdem der Holzpellets-Produzent seinen Verpflichtungen gegenüber MEP nicht mehr nachgekommen war. Dabei standen die Absicherung der bestehenden Mobiliar- und Immobiliarsicherheiten sowie das strategische Vorgehen im Falle einer Insolvenz und insolvenzrechtliche Themen im Vordergrund. In diesem Zusammenhang hat Luther auch die Verwertungsalternativen für die Sicherheiten analysiert.

Nach Insolvenzantragstellung beriet Luther MEP in Zusammenhang mit einem Massekredit, der der Aufrechterhaltung der Produktion bei German Pellets diente, um den Wert der Sicherheiten als Bestandteil eines laufenden Betriebes zu erhalten. Dieser Massekredit wurde seitens der Commerzbank gewährt, wobei MEP einen nicht unerheblichen Teil des Risikos gegenüber der Bank absicherte.

Energierechtliche Fragen prägen Übernahmeverhandlungen

Zugleich übernimmt die JRS J. Rettenmaier & Söhne GmbH + Co KG im Zuge der Aufspaltung der Unternehmensgruppe die Produktionsstandorte im badischen Ettenheim und im württembergischen Herbrechtingen von der Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde, Partnerin bei White & Case in Dresden. Die Werke des nach eigenen Angaben größten deutschen Pelleterzeugers erhalten damit eine langfristige Perspektive.

Rettenmaier & Söhne wurde im Rahmen der Übernahme EEG-rechtlich von Rödl & Partner sowie gesellschafts- und arbeitsrechtlich von Görg beraten. Für die Übernahme mitentscheidend war die Klärung der Anforderungen des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) und die Entlastung der Pelletwerke von der EEG-Umlage.

Die EEG-Umlageentlastung eines Pelletwerks erreicht in der Regel einen mittleren sechsstelligen Eurobetrag pro Jahr. Mit der Transaktionsstruktur werden EEG-rechtliche Festlegungen für bis zu vier Jahre getroffen. Die EEG-Entlastung ist deshalb eine der zentralen Fragen für die Ermittlung des Unternehmenskaufpreises und die Wettbewerbsfähigkeit des Sanierungskonzepts energieintensiver Unternehmen. Dabei ist die Rechtslage für die entsprechenden Übertragungsvorschriften sowohl in EEG- als auch europarechtlicher Hinsicht umstritten. Die schnelle und konstruktive Begleitung des German-Pellets-Übernahmekonzepts durch das BAFA habe Rettenmaier & Söhne die kurzfristige Abgabe eines Angebots ermöglicht, heißt es bei deren Rechtsberatern von Rödl.

Größtes Insolvenzverfahren des Jahres

German Pellets war nach Eigenangaben einer der größten Pelleterzeuger mit insgesamt vier eigenen deutschen Produktionswerken in Wismar, Ettenheim, Herbrechtingen und Torgau und zahlreichen weiteren Standorten in Deutschland und den USA. Die Insolvenz der German Pellets GmbH fällt in eine allgemeine Krise des deutschen Pelletmarkts, die auf den Verfall der Heizölpreise und den warmen Winter zurückgeführt wird.

Das Insolvenzverfahren der German Pellet GmbH wird darüber hinaus durch das Finanzierungsmodell über Genussrechte privater Kleinanleger, laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und die Erklärung der Masseunzulänglichkeit für die Insolvenz des Pelletwerks Torgau geprägt. Damit handelt es sich bisher um eines der größten Insolvenzverfahren des Jahres.

Anlegerschützer klagen

Während durch den Verkauf der drei Werke an neue Investoren zwar viele Arbeitsplätze gerettet werden, gehen die Anleihegläubiger nach derzeitigem Stand weitestgehend leer aus. Bereits Ende April signalisierte Insolvenzverwalterin Schmudde Masseunzulänglichkeit, so dass die Insolvenzquote wohl eher gering ausfallen dürfte.

Kapitalanlegerschutzkanzleien, darunter Dr. Späth & Partner und CLLB Rechtsanwälte, haben für ihre Mandanten vor dem Landgericht Schwerin bereits Klage gegen den German-Pellets-Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer Peter Leibold aus Prospekthaftung im engeren Sinne eingereicht. Die Kanzleien vertreten die Ansicht, dass die Prospekte für alle herausgegebenen Anleihen fehlerhaft sind, da wesentliche Risiken in den Prospekten nicht oder falsch dargestellt wurden. Leibold sei der Prospektverantwortliche für die fehlerhaften Prospekte.

Beteiligte Personen

White & Case für German Pellets (Insolvenzverwaltung):

Bettina Schmudde, Insolvenzrecht, Partnerin, Dresden

 

Luther für MEP:

Matthias Götz, Federführung, M&A/Restrukturierung, Partner, Frankfurt

Andrea Metz LL.M., Federführung, M&A/Restrukturierung, Partnerin, Frankfurt

Dr. Johannes C. Becker, M&A/Restrukturierung, Köln

Dr. Felix Stamer, M&A/Restrukturierung, Düsseldorf

Dr. Jan Saalfrank LL.M., M&A/Restrukturierung, Frankfurt

Christoph Schauenburg LL.M., Bank- und Kapitalmarktrecht, Partner, Frankfurt

Dr. Rolf Kobabe, Bank- und Kapitalmarktrecht, Partner, Hamburg

Dr. Marcus Backes, Insolvenzrecht, Partner, Hamburg

Reinhard Willemsen, Insolvenzrecht, Partner, München/Köln

Dr. Hans-Peter Hufschlag, Insolvenzrecht, Düsseldorf

Dr. Thomas Thees, Arbeitsrecht, Partner, Frankfurt

Achim Braner, Arbeitsrecht, Counsel, Frankfurt

Nicole Fröhlich, Steuerrecht, Partnerin, Frankfurt

Tilo Künstler, Steuerrecht, Frankfurt

Zvi Tirosh, Immobilienrecht, Partner, Frankfurt

Mirjam Frick LL.M., Immobilienrecht, Frankfurt

Detlev Stoecker, Immobilienrecht, Partner, Berlin

Anne Wegner, Kartellrecht, Partnerin, Düsseldorf

Dr. Holger Stappert, Energierecht, Partner, Düsseldorf

Dr. Angelo Vallone, Energierecht, Counsel, Düsseldorf

 

Rödl & Partner für JRS J. Rettenmaier & Söhne GmbH + Co KG:

Dr. Alexander Kutsch, Gesamtverantwortung, Restrukturierung, M&A, Partner, Stuttgart

Joachim Held, Energierecht, Senior Associate, Nürnberg

 

Görg für JRS J. Rettenmaier & Söhne GmbH + Co KG:

Hans-Gerd Jauch, Insolvenzrecht/ Restrukturierung, Partner, Köln

Dr. Thomas Rühle, Corporate/Restrukturierung, Assoziierter Partner, Köln

Dr. Marcus Richter, Arbeitsrecht, Partner, Köln

Dr. Daniel Schmitz, Insolvenzrecht/Restrukturierung, Associate, Köln

Beteiligte Kanzleien

Quelle: ah/LTO-Redaktion mit Material von Luther und Rödl & Partner

Zitiervorschlag

Luther / Görg / Rödl / White & Case / CLLB: German Pellets wird zerschlagen . In: Legal Tribune Online, 13.05.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/19375/ (abgerufen am: 22.10.2019 )

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Kommentare
  • 12.08.2016 14:09, Tomy

    Ich hoffe es findet sich ein Geschädigter , der den Käufer und die Verkäuferin in die Luft jagt.Wie kann man für ein Butterbrot verkauft , wenn so viel geschädigte zurückbleiben.
    Aber leider ist dies die gängige Praxis in unserem Staat.