Insolvente Airline: Luft­hansa legt Angebot für Air Berlin vor

21.09.2017

Die Gläubiger der insolventen Air Berlin beraten heute über mögliche Lösungen für die Fluglinie. Die Lufthansa prescht mit einem konkreten Angebot vor - das aber seine Schattenseiten hat.

 

Die Lufthansa will einen großen Teil der Maschinen von Air Berlin übernehmen, winkt bei der Langstrecke des insolventen Konkurrenten aber ab. Sein Unternehmen habe ein Angebot über die 38 bereits angemieteten Mittelstrecken-Jets sowie 20 bis 40 weitere Flugzeuge abgegeben, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Damit würden viele Arbeitsplätze gerettet, die bei der Tochter Eurowings weiterbestehen sollen: "Wir glauben, bald bis zu 3.000 neue Mitarbeiter begrüßen zu können."

An der Langstrecke von Air Berlin, deren Zukunft auch nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi besonders unsicher ist, hat Lufthansa allerdings kein Interesse. Verdi befürchtet, dass auf der Langstrecke Jobs wegfallen. Angst gebe es in Bereichen, deren Einstellung schon vor dem Verkauf angekündigt wurde, sagte Gewerkschafter Volker Nüsse: "Wenn die Langstrecke nicht mehr im Flugplan ist, kann auf sie auch nicht geboten werden."

Am Donnerstag beraten die drei Gläubigerausschüsse des Air-Berlin-Dachkonzerns, der deutschen Gesellschaft und der Techniksparte über die vorliegenden Angebote. Aus Branchenkreisen hieß es, es könnten dabei schon Vorentscheidungen fallen. Am kommenden Montag, 25. September, soll der Aufsichtsrat bereits die Zuschläge erteilen.

Neben der Lufthansa haben weitere Fluggesellschaften und einzelne Geschäftsleute für Teile oder die ganze Firma den Finger gehoben - darunter Easyjet, die British-Airways- und Iberia-Mutter IAG sowie ein Bündnis aus Condor und Niki Lauda. Insgesamt betreibt Air Berlin mit rund 8.000 Mitarbeitern eine Flotte von 144 Flugzeugen. 38 davon sind samt Besatzungen schon an die Lufthansa-Tochter Eurowings vermietet. Eurowings wirbt auch neues Personal an. Zur Aufnahme erfahrener Air-Berlin-Piloten konnte das Unternehmen aber noch keine Vereinbarung mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit erzielen.

Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Ihr Gesamtverkauf an einen Bieter gilt – nicht zuletzt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen - als unwahrscheinlich. Lufthansa-Chef Spohr wandte sich gegen die Auffassung, dass die Lufthansa schon mit der Teilübernahme eine Monopolstellung gewinne. Der Marktanteil würde sogar bei einer Komplettübernahme unter 50 Prozent bleiben, betonte er. Dennoch werde die Lufthansa nicht für weitere Flugzeuge von Air Berlin bieten. "Viel mehr glauben wir kartellrechtlich nicht machen zu können", sagt er.

dpa/ah/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Insolvente Airline: Lufthansa legt Angebot für Air Berlin vor. In: Legal Tribune Online, 21.09.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/24645/ (abgerufen am: 17.10.2017)

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