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Disruptive Innovationen im Anwaltsmarkt: Löst der Com­puter den Anwalt ab?

von Nico Kuhlmann

07.01.2016

Anwalt auf Tastatur

© Maksim Kabakou - Fotolia.com

Legal Tech verändert den Anwaltsberuf – bloß wie? Wenn Computer bald weite Teile des Rechtsberatungsmarkts übernehmen, stellt sich die Frage, wie lange Ratsuchende überhaupt noch auf menschliche Anwälte angewiesen sind, meint Nico Kuhlmann.

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Selbstfahrende Autos werden in Zukunft Taxifahrer ersetzen. Auch Juristen sind nicht immun gegen den technischen Wandel, obwohl sie ihre Expertise gewöhnlich für unverzichtbar halten. Doch der Rechtsberatungsmarkt ist derzeit erheblichen Innovationen ausgesetzt, die den Markt massiv verändern werden.

Neben "erhaltenden" technologischen Veränderungen, die ein bestehendes, bekanntes Produkt verbessern, kennen Wirtschaftswissenschaftler die sogenannten disruptiven Innovationen. Geprägt wurde der Begriff von Clayton M. Christensen in seinem Bestseller The Innovator's Dilemma. Der Wirtschaftsprofessor der Harvard Business School erklärt darin, warum verfestigte Märkte immer wieder aufgebrochen werden.

Oft wird durch ein viel günstigeres Produkt eines neuen Anbieters zuerst ein neuer Markt eröffnet. Die Leistung der disruptiven Innovation nimmt dann schneller zu als die Bedürfnisse der Nutzer, und am Ende wird der herkömmliche Markt übernommen. Ein solcher Wandel kann jeden Markt treffen.

Weniger herkömmliche Arbeit für Juristen

Die Encyclopædia Britannica, einst Marktführer bei den Nachschlagewerken, stellte nach 244 Jahren die Druckerpressen ab, nachdem Wikipedia zur kostenlosen Alternative geworden war. Der Schuhmacher um die Ecke hat sein Geschäft geschlossen, weil kaum noch jemand teure Maßschuhe trägt. Die billigere Standardware passt zwar nicht perfekt, ist aber bequem genug und reicht für die meisten Bedürfnisse aus. Der Ökonom spricht von Kommodifizierung. Vergleichbares wird in Zukunft für viele Rechtsberatungsprodukte gelten. Der Zugang zum Recht wird einfacher, aber für Juristen wird es weniger zu tun geben.

Das Grundlagenwerk über die disruptiven Trends im Rechtsmarkt hat Richard Susskind im Jahr 2012 geschrieben. Der Professor aus Oxford arbeitet in Tomorrow's Lawyers drei Faktoren heraus, die den Rechtsberatungsmarkt seiner Ansicht nach tiefgreifend verändern werden. Neben einem steigenden Kostendruck, der sogenannten More-for-Less-Challenge, und der Liberalisierung von Rechtsdienstleistungen identifiziert Susskind die Informationstechnologie als treibende Kraft der Veränderung. Auch der britische Economist hat bereits die Attacke auf die "anachronistisch ineffizienten" Juristen ausgerufen.

Die Zukunft hat schon begonnen

Die Arbeitsweise innerhalb von Kanzleien hat sich durch die Anwendung von Informationstechnologie bereits stark verändert.  Diktiergeräte mit analogen Kassetten wurden längst durch Spracherkennungssoftware ersetzt. Es werden kaum noch Bücher gelesen, sondern Online-Datenbanken nach Stichwörtern durchsucht, und der Computer erfasst präzise die Arbeitszeit.

Die Schulung von Mandanten wird immer seltener persönlich durch Anwälte durchgeführt. Das Zauberwort ist E-Learning. Bei Hogan Lovells heißt das Online-Fortbildungsprogramm für  Mandanten im Kartellrecht COMPETE (Competition Electronic Training Expericence). Mit der LawInContext hat Baker & McKenzie sogar ein eigenes Unternehmen für Online-Trainings gegründet, das Einheiten zu Ausfuhrkontrollen, Geldwäscheregelungen und Datenschutz umfasst. Die Inhalte, für deren Betreuung lediglich einige wenige Anwälte benötigt werden, können weltweit zu jeder Zeit von den Mandaten abgerufen werden.

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    Auch der Rechtsmarkt unterliegt dem Wandel

  • Seite 2:

    Start-ups sind die Innovationstreiber

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Nico Kuhlmann, Disruptive Innovationen im Anwaltsmarkt: . In: Legal Tribune Online, 07.01.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18043 (abgerufen am: 17.03.2026 )

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