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Wie Anwälte und Kanzleien die Iran-Angriffe erleben: "Eine der­ar­tige Eska­la­tion haben wir im Mitt­leren Osten noch nie gesehen"

Interview von Stefan Schmidbauer

10.03.2026

Der Burj Al Arab in Dubai

Ziel iranischer Angriffe: Der Burj Al Arab in Dubai. | Bild: HyperlapsePro - stock.adobe.com

Israel und die USA greifen den Iran an. Das Land antwortet auch mit Attacken auf deren strategische Partner im Nahen Osten. Der Rechtsanwalt José Campos Nave zur Lage und Situation der Anwälte vor Ort.

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Herr Dr. Campos Nave, Sie sind seit mehr als zwanzig Jahren im Nahen Osten als Rechtsberater tätig. Wie erleben Sie die aktuelle Situation?

Dr. José A. Campos Nave: Eine derartige Eskalation haben wir bislang im Mittleren Osten noch nie gesehen. Üblicherweise werden gerade die Golfmonarchien aus den Konflikten herausgehalten, da alle beteiligten Akteure in der Region sehr starke Rohstoff- und finanzielle Interessen haben. Dies sorgte bislang dafür, dass sie in solche Konflikte nicht hineingezogen wurden. Die Wirtschaft von Saudi-Arabien sowie des Irans hängt auch davon ab, wie sicher die Lage in den Arabischen Emiraten und in Katar ist. Unsicherheiten oder gar Kriege führen zu einer Schädigung der lokalen Wirtschaft und der globalen Finanzmärkte.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) steht die Verbreitung von Informationen, die dem Ansehen des Staates schaden könnten, unter Strafe. Weichen die Berichte, die Sie von Bekannten und Geschäftspartnern vor Ort erhalten, von den Darstellungen ab, die beispielsweise in den sozialen Medien zu sehen sind?

Die Einschläge an dem ikonischen Gebäude "Burj Al Arab" und die ersten Einschläge am Flughafen wurden sicherlich nicht durch herabstürzende Trümmerteile verursacht. Ich selbst stand kurz vor dem Krieg noch im Burj al Arab und dachte mir, dass ein Vorkommnis dort, also am Burj al Arab, zu einem Sinnbild für Dubai stehen würde. Dubai wird häufig mit sehr konkreten ikonischen Gebäuden wie dem Burj al Arab und dem Burj Khalifa verbunden. Ein Anschlag dort steht für einen Anschlag auf das gesamte Emirat und die Arabischen Emirate.

Danach berichteten mir meine Partner von mehreren Einschlägen, was wir hier in den Medien aber nicht mitbekommen hatten. Vereinzelt konnte man auf dem Sender Al Jazeera etwas mehr mitbekommen. Die Menschen in Dubai waren wirklich sehr verängstigt.

Anwältinnen und Anwälte, die für große Kanzleien als Expatriates in der Region arbeiten, finden sich plötzlich mitten in einem Kriegsgebiet wieder. Unter welchen Bedingungen wird dort aktuell gearbeitet und wie gehen die Kanzleien damit um?

Seit den Covid-Zeiten sind wir alle damit sehr erfahren, digital zu arbeiten. In den VAE waren die Ausgangs- und Isolationsbeschränkungen viel strikter und weitergehender als in Deutschland. Anwälte und andere Geschäftsleute setzen diese "Learnings" nun um, die Behörden und die Geschäfte sind offen. Das private und geschäftliche Leben geht seinen Gang. Der Flugbetrieb wurde eingeschränkt wieder aufgenommen.

Wie gelingt es, die Sicherheit der Anwältinnen und Anwälte zu gewährleisten und gleichzeitig dem Beratungsbedarf der Mandanten vor Ort gerecht zu werden?

Die Sicherheit ist weitgehend sichergestellt. Wirklich garantieren kann das niemand, denn durch herabstürzende Trümmerteile können leider manchmal Unglücke passieren. Das sind jedoch absolute Ausnahmefälle. Eine Schutzmaßnahme ist die rechtzeitige Warnung durch die Behörden auf das Handy. Das ist schnell und sehr effizient. Während der "heißen" und sehr unübersichtlichen Anfangsphase des Konfliktes habe ich den Kollegen untersagt, ins Büro zu gehen. Homeoffice war wie zu Covid-Zeiten wieder das Maß der Dinge. Zudem habe ich meine Kollegen gebeten, die typischen Versammlungsorte an den touristischen Hotspots zu meiden. Anschläge, die medial eine Wirkung bewirken sollen, würden sicherlich hier erfolgen und nicht in einfachen und unscheinbaren Wohn- und Geschäftsvierteln.

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Was sind die drängendsten Rechtsfragen, mit denen Mandanten jetzt zu Ihnen kommen?

Sehr im Vordergrund stehen Haftungsfragen zu Schäden, die während der Bombardierungen aufgetreten sind, etwa zu entgangenem Gewinn und Geschäftschancen. Dies dürfte aber sehr schwierig werden in der Umsetzung. Relevanter sind Fragen zu den Konsequenzen wegen eingeschränkter oder ausgebliebener Lieferungen. Die VAE werden sicherlich die Möglichkeiten prüfen lassen, auf welcher internationalen Grundlage etwaige Schäden von den beteiligten Akteuren verlangt werden können. Dies wird letztlich wohl eher eine politische Frage werden.

Was raten Sie Ihren Mandanten?

Gerade die kommerziellen Verträge unter Gesellschaften oder zwischen den Großakteuren am Golf sehen üblicherweise Schiedsgerichtsklauseln mit zwingenden vorherigen Mediationen vor. Die Verhandlungslösung ist immer die beste. Nur wenn dies nicht möglich ist, sollten die Schiedsgerichte oder die Spruchkörper des Dubai International Financial Centre angerufen werden.

Die Region, insbesondere Dubai, galt als Drehkreuz und sicherer Hafen für Unternehmen und Investoren. Viele große Wirtschaftskanzleien haben ihre Teams dort in den vergangenen Jahren aufgestockt. Gehen Sie davon aus, dass dieser Trend jetzt bricht?

Definitiv nicht. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Covid-Zeit werden auch jetzt wieder umgesetzt. Dubai und die Emirate sind viel zu wichtig, als dass sich Wirtschaftskanzleien zurückziehen können und sollten. Nach 9/11 haben sich in New York die Kanzleien ebenfalls nicht zurückgezogen, sondern haben noch weiter ausgebaut.

Wir sehen Angriffe auf Flughäfen und Hotels, aber auch auf kritische Infrastruktur von Technologiekonzernen, zuletzt etwa auf Rechenzentren der Amazon-Tochter Aws. Rechnen Sie damit, dass sich der Iran-Krieg nennenswert auf Investitionsvorhaben von Unternehmen auswirkt?

Auch diese Frage würde ich verneinen. Die Bedeutung der Arabischen Emirate ist einfach viel zu groß. Allerdings zeigen die aktuellen Geschehnisse, wie verletzlich auch die VAE mit ihrem Geschäftskonzept sind. Dieses Geschäftskonzept wird resilienter ausgestaltet werden müssen. Dazu zählen nicht nur die technischen Möglichkeiten, diese Systeme oder auch das Land vor Bombenangriffen zu schützen, sondern eine noch stärkere politische Einflussnahme der VAE auf lokale Akteure, um diese Konflikte in der Zukunft gar nicht entstehen zu lassen, oder doch zumindest die VAE herauszuhalten. 

Der politische und wirtschaftliche Druck wird dabei auf Staaten wie den Iran erhöht werden. Hierbei sind die VAE auch nicht alleine, sondern auch Emirate wie Katar und Oman profitieren deutlich mehr, wenn diese Bombardierungen sich in der Zukunft nicht wiederholen, von Ländern wie Saudi-Arabien ganz zu schweigen. Deren Verletzlichkeit bei Angriffen auf die Erdölindustrie ist immer noch sehr hoch.

Donald Trump hat ein zeitnahes Ende des Krieges in Aussicht gestellt. Bald also wieder "business as usual" in der Region?

Vordergründig "as usual". Tatsächlich werden aber die technischen Systeme und die Grundlagen des Emirats "gehärtet" und die politische Einflussnahme auf Konfliktstaaten erhöht werden. Dabei dürfte sicherlich auch ein weiterer Ausbau von US-Basen in der Region eine entscheidende strategische Rolle spielen.

Vielen Dank für das Gespräch!
 

José A. Campos NaveDr. José A. Campos Nave ist Managing Partner bei Spencer West Middle East und hat das Büro der Kanzlei in Dubai mitbegründet. 

Der Rechtsanwalt berät seit 2004 in der Region Nahost, unter anderem in den Bereichen Gesellschaftsrecht und Steuerrecht sowie zu Fragen der Internationalisierung von Unternehmen. Vor seinem Einstieg bei Spencer West war Campos Nave Managing Partner der Kanzlei Rödl & Partner.

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Wie Anwälte und Kanzleien die Iran-Angriffe erleben: . In: Legal Tribune Online, 10.03.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59493 (abgerufen am: 13.10.2026 )

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