Magic Circle Edition: LTO Most Wanted mit Stefan Sax

von Stefan Schmidbauer

03.09.2025

Stefan Sax sieht Handlungsbedarf im anwaltlichen Berufsrecht und plädiert für eine frühzeitigere Spezialisierung im Jurastudium. Was ihn in seinem Job als Managing Partner am meisten herausfordert, verrät er auch.

Dr. Stefan Sax ist Rechtsanwalt und Managing Partner for Germany bei Clifford Chance. Zu seinen Beratungsschwerpunkten gehören das Gesellschaftsrecht und das Insolvenzrecht. Er ist seit 2011 Partner und leitet seit 2012 das Restrukturierungs- und Insolvenzteam der deutschen Praxis von Clifford Chance.

Mein typischer Montag:

Ist unfassbar unspektakulär und beginnt mit einem Kaffee und dem völlig naiven aber stets festen Vorsatz, die To-do-Liste diesmal wirklich abzuarbeiten. Grundsätzlich verfliegt dieser Vorsatz nach dem ersten Blick ins E-Mail-Postfach. Es folgen Meetings, "spontane" Telefonate und das Jonglieren zwischen Mandaten, Kanzleiorganisation und gelegentlichen Motivationsreden für das Team. 

Zusammengefasst: In einer globalen Wirtschaftskanzlei lernt man jede Woche aufs Neue, dass Zeitmanagement die eigentliche Herausforderung ist.

Mein Getränk und meine Bar:

Kaffee, abends auch gerne Rotwein ohne große Berührungsängste hinsichtlich des Herkunftslandes. Ich habe keine Stammkneipe.

Ein Song, ein Buch, ein Ort:

Kashmir (Live from Celebration Day) – Led Zeppelin.

"Thinking, Fast and Slow" von Daniel Kahneman und "Back to Blood" von Tom Wolfe.

Strandbar Mio Beach an der Costa del Maresme.

Ich habe Jura studiert, weil

die Zentrale Vergabestelle für Studienplätze hinsichtlich meiner Bewerbung für BWL in Mannheim zu langsam war. Meine parallele Bewerbung für Jura wurde von der Universität in Heidelberg einfach schneller bearbeitet. Somit war es eben Jura, was ich auch gut fand, da ich immer schon international arbeiten wollte.

Das größte Plus in meinem Job: 

Ich bin selbständig, eigenverantwortlich und mein eigener Herr. Das schätze ich wirklich sehr.

Das größte Minus in meinem Job: 

"The Song Remains the Same" (ebenfalls Led Zeppelin): ich bin selbständig, eigenverantwortlich und mein eigener Herr - und trage daher auch die komplette Verantwortung für etwaige Fehler oder Misserfolge.

Wäre ich nicht Managing Partner Germany bei Clifford Chance, dann wäre ich: 

Koch in einem kleinen Chiringuito (Strandrestaurant) am Mittelmeer in Spanien. Nicht, dass ich das wirklich gut kann; Kochen macht mir aber viel Spaß und entspannt mich.

Mein erstes Mandat: 

Aero Lloyd Insolvenzverfahren in Bad Homburg – meine erste Airline-Insolvenz. Das war 2003 (also aus heutiger Sicht schwarz-weiß) und damals hätte ich nicht gedacht, dass ich mit Airberlin, Niki, Condor noch so oft mit insolventen Airlines zu tun haben würde.

Meine härteste berufliche Entscheidung: 

Es gibt immer wieder im Restrukturierungs- und Insolvenzrecht schwierige Situationen und aufgrund der Krisennähe kommt man sehr schnell auch auf eine persönliche Ebene mit einzelnen Mandanten. Manchmal findet sich auch keine Lösung mehr und dann verbleibt nur die Einleitung eines Insolvenzverfahrens. Das ist schwer, denn da hängen viele Schicksale, oft auch ein Lebenswerk und viele Arbeitsplätze mit dran.

Ein gängiges Vorurteil zur Arbeit in Großkanzleien, das voll zutrifft:

Klar, die Arbeitstage können manchmal lang werden, aber das ist bei anderen Berufen auch oft der Fall. Viel wichtiger finde ich aber, dass wir gemeinsam an spannenden, internationalen und oft auch öffentlich beachteten Projekten und Fällen arbeiten – und das immer in einem tollen Team, in dem Zusammenhalt großgeschrieben wird.

Anwalts- und Kanzleirankings sind:

Eine Mischung aus Vanity Fair und Bundesliga-Tabelle: Man schaut immer wieder rein, nimmt es aber nicht allzu ernst – außer, man steht auf Platz 1. Wie ich hörte, sind sie außerdem ausgezeichneter LinkedIn-Content.

Ein Gesetz oder Paragraf, das/der dringend geändert werden sollte:

Das Berufsrecht für Anwälte – mehr Flexibilität für moderne Arbeitsmodelle und weniger Formalismus wären zeitgemäß.

Eine Idee zur Reform der juristischen Ausbildung: 

Weniger Ausbildung zum Generalisten über sämtliche Rechtsgebiete, Zulassung von frühzeitiger Spezialisierung und grundsätzlich viel mehr Praxisnähe. Wichtig fände ich es z.B. auch, dass Juristen, die im Wirtschaftsrecht arbeiten wollen, solide betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse vermittelt bekommen.

Eine Vorlesung, die Jura-Studierende auf keinen Fall schwänzen sollten: 

Meine Uni-Zeit ist leider schon viel zu lange her. Rückblickend betrachtet erinnere ich mich gerne an Prof. Jauernigs Vorlesung "BGB-AT" im Wintersemester 1992 in Heidelberg. Die hatte aus heutiger Sicht einen großen Unterhaltungswert durch einen sehr trockenen Humor, einen gnadenlos monotonen Vorlesungsstil und erfüllte den Anspruch, die Mehrzahl der Erstsemester nochmal darüber nachdenken zu lassen, ob sie wirklich Jura studieren wollen – Prädikat: "Wertvoll".

Nach dem Jurastudium führt kein Weg an Clifford Chance vorbei, weil:

Bei uns bekommt man eine exzellente Ausbildung, spannende Mandate und ein internationales Netzwerk aus Kolleginnen und Kollegen, die nicht nur fachlich, sondern auch menschlich und nicht zuletzt mit ihrem Musikgeschmack überzeugen.

 

Dieses Interview gehört zu einem fünfteiligen LTO Most Wanted Spezial (Magic Circle Edition). Auch veröffentlicht sind die Ausgaben mit Rick van Aerssen (Freshfields), Staffan Illert (Linklaters), Dr. Wolf Bussian (A&O Shearman) und Thomas Müller (Hengeler Mueller). Hengeler Mueller ist als “Best Friend” der britischen Kanzlei Slaughter & May vertreten. Die Übersicht mit allen bisherigen Ausgaben von Most Wanted finden Sie hier.

Beteiligte Kanzleien

Zitiervorschlag

Magic Circle Edition: . In: Legal Tribune Online, 03.09.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58005 (abgerufen am: 11.12.2025 )

Infos zum Zitiervorschlag
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