Jura macht Spaß, ist aber nicht alles im Leben, meint Eckart Brödermann und macht Vorschläge zur Reform der juristischen Ausbildung. Eine Idee, welche Rechtsgebiete sich absehbar am stärksten verändern werden, hat er auch.
Prof. Dr. Eckart Brödermann ist Rechtsanwalt, Rechtswissenschaftler und Autor. Seit 1996 ist er Partner der von ihm gegründeten Kanzlei Brödermann Jahn, an der Universität Hamburg lehrt er Internationales Vertragsrecht und internationales Schiedsrecht.
Mein typischer Montag:
Den gibt es nicht. Für gute Laune beginne ich gern morgens mit Sport. Meist Yoga – Sonnengrüße, kombiniert mit Liegestütz -, und dann einen Cappuccino. Danach geht es im Idealfall gut gelaunt daran, das motivierte Team neuen Aufgaben zuzuführen, Mandanten zuzuhören und Projekte juristisch zu strukturieren.
Mein Getränk und meine Bar:
Am liebsten ein Glas Lugana (vom Gardasee) an Bord meines Segelschiffs.
Ein Song, ein Buch, ein Ort:
Yves Duteil, Prendre un enfant par la main
Gil Ribeiro, Lost in Fuseta
Costa Inseln (Schweden)
Warum Jura?
Weil es mir Spaß macht. Es ist kreativ, interkulturell und spannend. Deshalb habe ich es gleich dreimal studiert: in Paris, Harvard und schließlich Hamburg.
Hamburg oder Paris?
Beides, aber Hamburg ist zu Hause.
Kanzlei oder Wissenschaft?
Beides. Von der Kanzlei lebe ich. Da verdiene ich das Geld. Der Unterricht an der Uni ist unbezahlt, mein Geschenk an die Gesellschaft. Die Veröffentlichungen erlauben es mir, die Freiheit der Wissenschaft auszuleben und der Welt die Unidroit Principles of International Commercial Contracts näher zu bringen.
Zahl meiner Arbeitsstunden pro Woche:
Meine Frau meint zu viele.
Die härteste Entscheidung meines Lebens:
Als damals junger Vater, zusammen mit meiner Frau: die Auswahl der richtigen Herangehensweise an die Krankheit eines heute wieder völlig gesunden Kindes, bei sich einander widersprechenden ärztlichen Empfehlungen.
Das Weltraumrecht sollte:
… ernster genommen werden! Das Konzept des "common heritage of mankind" regt zur Achtsamkeit im Umgang mit unseren Ressourcen an. Es ist gut auf viele andere Bereiche des Lebens übertragbar.
Welches Rechtsgebiet wird sich in den nächsten Jahren am stärksten verändern und warum?
Schwer zu prognostizieren. Die alternative Streitbeilegung, aber auch das Vertragsrecht, denn KI wird die Vertragsgestaltung verändern, der Kampf um die Berücksichtigung kultureller, mentaler und juristischer Unterschiede durch die KI wird sich noch lange hinziehen und die Unidroit Principles werden sich als gemeinsame Rechtsvertragssprache durchsetzen. Zugleich bahnt sich – oft gegensätzliches – zwingendes Recht seinen Weg in Verträge.
Ein Gesetz, das ich schon einmal gebrochen habe:
Die Schulpflicht. Ich habe als Schüler mal meine ganze Klasse wegen erfundenen Hitzefreis nach Hause geschickt.
Meine letzte Frage an ChatGPT:
Wer sind die erst jüngst zum CISG beigetretenen Mitgliedsstaaten? (Rwanda, und Saudi-Arabien teilweise)
Zwei Ideen zur Reform der juristischen Ausbildung:
1. Allen Studierenden am Tag 1 beibringen, dass sie mit dem BGB nur ein Beispiel für Vertragsrecht lernen, — dass das internationale Kaufrecht in New York, Rio, Tokyo und Berlin und in insgesamt über 90 Staaten identisch ist; und dass das deutsche BGB-Vertragsrecht darauf beruht.
2. Allen Studierenden in ganz Deutschland mit dem Erreichen der Anforderungen an die großen Scheine plus Schlüsselqualifikationen automatisch – ohne weitere Prüfungen – den Bachelor geben. Vollblutjuristen machen eh weiter. Andere sollten die Möglichkeit haben, sich mit angemessener Anerkennung ihrer juristischen Leistung anderen, für sie wichtigere Dingen zuzuwenden. Es gibt nicht nur Jura im Leben.
Eine Vorlesung, die Jura-Studierende auf keinen Fall schwänzen sollten:
Universität Hamburg, Schwerpunktbereich II, Internationale Vertragsgestaltung. Seit 2007 jedes Sommersemester bei mir (und jedes Jahr Studierende, die sich im Feedback bedanken und Freude haben).
Diese Juristin oder diesen Juristen müssen die LTO-Leser kennenlernen:
Dominique Grüter von der Kanzlei am Fischmarkt in Hamburg.
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Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 02.10.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58267 (abgerufen am: 11.02.2026 )
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