Köpfe: LTO Most Wanted mit Vanessa Picken­pack

von Stefan Schmidbauer

24.04.2026

"Haltung zeigen ist auf jeden Fall angebracht, auch in der Rechtsberatung", findet Vanessa Pickenpack. Sie schildert den Einfluss von Krisen wie dem Iran-Konflikt auf ihre Arbeit und verrät ihre Sicht auf Anwaltsrankings.

Dr. Vanessa Pickenpack ist seit 2008 als Rechtsanwältin bei Oppenhoff im Bereich Prozessführung und Schiedsgerichtsverfahren tätig. Im Januar 2023 wurde sie zur Equity-Partnerin ernannt. Sie berät und vertritt Unternehmen in zivil-, handels- und wirtschaftsrechtlichen Fragestellungen mit Kartellschadensersatzverfahren als besonderem Schwerpunkt. Für LTO Most Wanted wurde sie von Anna Lissner nominiert.

Mein Getränk und meine Bar: 

Als Durstlöscher: zu gleichen Teilen Apfelsaft und Zitrone, aufgefüllt mit viel Sprudel. Und gerne ein Glas Rosé. Die Bar ist dabei weniger wichtig als die Gesellschaft.

Ein Song, ein Buch, ein Ort:

Song: "This is me", Keala Settle

Buch: Aktuell lese ich "Wackelkontakt" von Wolf Haas.

Ort: Mein zweites Zuhause in Berlin. Und im Urlaub Südtirol.

Warum Jura? 

Zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen gehört die Begleitung meines Vaters (Anwalt) in eine mündliche Verhandlung im Landgericht in Göttingen und am Wochenende waren wir oft gemeinsam im Büro zum "Post machen". Das war vermutlich prägend. Ein entscheidendes Kriterium für meine Wahl war schließlich die Kombination aus Struktur und Vielfalt: Das Jurastudium bietet klar definierte Berufsbilder, dabei aber eine große Bandbreite an beruflichen Möglichkeiten. Das hat mich sehr angesprochen.

Mein typischer Freitag: 

Typische Freitage gibt es bei mir nicht und auch sonst ist selten ein Tag wie der andere.

Das erste juristische Problem, das mich heute beschäftigt hat: 

Die Ersatzfähigkeit von Rechtsanwaltskosten auf Basis von Zeithonoraren als Schaden im Rahmen von § 249 BGB. Nicht wirklich ein Problem, aber in der konkreten Situation interessant.

Mein Job, erklärt in maximal 250 Zeichen: 

Ich vertrete Unternehmen in komplexen wirtschaftsrechtlichen Streitigkeiten vor staatlichen Gerichten wie auch vor Schiedsgerichten, und entwickle Strategien zur Konfliktlösung. Außerdem bin ich regelmäßig als Schiedsrichterin tätig.

An meiner Arbeit mag ich:

Vieles – vor allem die Möglichkeit, mich ständig mit neuen Themen und Sachverhalten auseinanderzusetzen. Besonders spannend finde ich die Einblicke in unterschiedlichste Branchen und Tätigkeitsfelder meiner Mandanten; ich lerne täglich Neues. Es reizt mich, die Interessen meiner Mandanten genau zu verstehen und gemeinsam die passende Strategie zu entwickeln, um ihre Ziele zu erreichen. Darüber hinaus mag ich den Gestaltungsspielraum, den der Anwaltsberuf bereithält. Last not least ist die Internationalität ein Aspekt, den ich sehr schätze – sei es im Mandat oder auf Konferenzen im Ausland.

An meiner Arbeit stört mich: 

Manchmal die Vielzahl meiner Aufgaben und die damit einhergehende Schlagzahl.

Der herausforderndste Moment meiner Karriere: 

Den einen Moment gibt es für mich nicht. Meine inzwischen 18 Jahre Berufserfahrung haben mir gezeigt, dass nach der einen Herausforderung meist schon die nächste wartet. Gerade diese Dynamik und Abwechslung machen meine Tätigkeit aber auch aus.

Die Person, die mich beruflich am stärksten geprägt hat:

… wäre vielleicht mein Leitpartner Michael Bonsau gewesen. Leider ist er kurz nach meinem Berufseinstieg schwer erkrankt und verstorben. So hat mich vor allem geprägt, dass ich vergleichsweise früh große Verantwortung im Team und in der Kanzlei tragen durfte.

Wie der Iran-Konflikt meine Arbeit beeinflusst:

Nach meiner Erfahrung erhöhen durch Krisen entstehende Unsicherheiten und wirtschaftliche Spannungen oft die Streitbereitschaft zwischen Vertragsparteien. Aktuelle Ereignisse spiegeln sich ohnehin in aller Regel früher oder später auf dem Schreibtisch wider. Der Iran-Konflikt ist nach den zahlreichen Krisen der letzten Jahre nur ein Beispiel dafür, wie geopolitische Entwicklungen Beratungsbedarf erzeugen (werden), beispielsweise zu Preisanpassungsrechten oder Kündigungsmöglichkeiten.

Wie moralisch darf Rechtsberatung sein?

Ich finde, dass jeder Anwalt und jede Anwältin sich der Rolle als Organ der Rechtspflege und der damit einhergehenden Verantwortung bewusst sein sollte. Wir vertreten die Interessen unserer Mandanten, sollten aber auch die Grenzen kennen und einhalten. Wo genau die liegen, muss jeder unter anderem mit Hilfe seines moralischen Kompasses selbst bestimmen. Haltung zeigen ist auf jeden Fall angebracht, auch in der Rechtsberatung. 

Ein Paragraf, der dringend überarbeitet werden sollte:

Mir kommt kein Paragraf in den Sinn, der mich in meiner Praxis konkret stören würde. Im Rahmen meiner Doktorarbeit habe ich mich allerdings intensiv mit dem Rechtsschutz bei überlanger Verfahrensdauer beschäftigt. Leider hat der deutsche Gesetzgeber seinen ursprünglichen Plan, präventiven Rechtsschutz mittels einer Untätigkeitsbeschwerde einzuführen, verworfen und sich stattdessen für einen Entschädigungsanspruch entschieden. Der ist für den Anspruchsteller mit hohen Hürden und fristet ein Schattendasein – wer will schon nach einem ohnehin überlangen Verfahren ein neues beginnen.

Anwalts- und Kanzleirankings finde ich:

In erster Linie zeitaufwändig (Submissions…). Ich könnte gut darauf verzichten, aber sie erhöhen die Sichtbarkeit.

Diese Juristin oder diesen Juristen müssen die LTO-Leser kennenlernen:

Dr. Hanna Schmidt war lange als Rechtsanwältin in Wirtschaftskanzleien tätig. Sie hat kürzlich einen Neustart gewagt und sich mit einer Kanzlei für Familien- und Erbrecht in Köln selbständig gemacht – sehr beeindruckend!

 

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Kanzlei

Zitiervorschlag

Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 24.04.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59796 (abgerufen am: 15.05.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
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