Sonja Detlefsen sieht Jura als Türöffner, stört sich an unnötig komplizierter Juristensprache und würde den Klausurenmarathon im ersten und zweiten Examen abschaffen.
Dr. Sonja Detlefsen ist als Rechtsanwältin für die Münchner Kanzlei comp/lex tätig und hat ihre Schwerpunkte im Datenschutz und im Arbeitsrecht. Seit 2010 arbeitet sie auch als Coach im Bereich Mentale Stärke und Burnout-Prävention. Unter ihrem Autorennamen Jill van Veen hat Sonja Detlefsen mehrere Romane veröffentlicht. Für LTO Most Wanted wurde sie von Christina Gassner nominiert.
Mein typischer Montag:
Er beginnt meist gegen 6:00 Uhr mit einer Tasse schwarzen Tee. Ich nehme mir bewusst ein wenig Zeit, Hektik kommt früh genug. Danach beginnt der normale Arbeitstag mit einem ersten Blick ins E-Mail-Postfach: Was ist neu, was ist dringend? Später am Vormittag gibt es in der Regel einen Termin mit den Kanzleikolleg:innen (remote), damit alle wissen, welche Themen aktuell relevant sind, wo Schnittstellen bestehen und wo Unterstützung gebraucht wird.
Da ich im Datenschutz- und Arbeitsrecht für IT-Unternehmen tätig bin, bin ich immer ganz froh, wenn die Woche nicht direkt mit einem Hackerangriff oder ähnlichem beginnt – so etwas passiert bevorzugt freitags kurz vor Büroschluss. Zwischen der Prüfung von Datenflüssen und Formulierung von Joint Controller Verträgen kommt eine Vielzahl von spontanen Anfragen unserer Mandanten. Montags steht die anwaltliche Tätigkeit im Vordergrund; Coaching-Termine vergebe ich an diesem Tag eher selten. Nach Arbeitsschluss drehe ich zumindest eine Runde an der frischen Luft, falls ich für echten Sport zu müde bin.
Mein Getränk und meine Bar:
Mein Herz schlägt für eine richtig gute Tasse Tee. Bars gibt es zu viele, um eine einzige zu bevorzugen – ich probiere immer wieder gern neue aus.
Ein Song, ein Buch, ein Ort:
Cemetry Gates (The Smiths)
Found, lost, found (J. B. Priestley)
Queen Mary’s Garden im Regents Park
Warum Jura?
Weil ich keine gute Physikerin geworden wäre. Zum Jurastudium wurde ich eher überredet – und hatte lange die leise Sorge, irgendwann tatsächlich als Rechtsanwältin zu enden. Dann stellte sich heraus, dass mir das Studium zumindest phasenweise Spaß machte.
Und meine Altvorderen sollten recht behalten: Jura öffnet viel mehr Türen als nur zur Anwaltschaft. Man lernt Struktur, analytisches Denken, sprachliche Präzision und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte schnell zu durchdringen. Fähigkeiten, die auch beim Coaching und beim Schreiben von Kriminalromanen äußerst nützlich sind.
Zahl meiner Arbeitsstunden pro Woche:
Das variiert stark, an manchen Tagen haben gefühlt alle Mandant:innen harte Deadlines oder akut Beratungsbedarf, an anderen Tagen läuft alles entspannt. Und ich arbeite ja nicht nur anwaltlich. Das Schreiben betrachten mein Partner und ich als Herzensangelegenheit – doch auch hier gibt es Phasen, die durchaus arbeitsintensiv und fordernd sind. Zum Beispiel, wenn man bis nachts um zwei Uhr über Plot-Twists diskutiert.
Was mich aktuell umtreibt:
Menschen dabei zu unterstützen, in global turbulenten Zeiten zuversichtlich und innerlich stabil zu bleiben.
An meinem Job mag ich:
Unterschiedliche Menschen kennenzulernen, komplexe juristische Themen verständlich zu vermitteln und die Zusammenarbeit mit meinen Kolleg:innen.
An meinem Job stört mich:
Unklare, unnötig komplizierte Juristensprache.
Ein Gesetz, das ich schon einmal gebrochen habe:
Möglicherweise bin ich irgendwann als Fußgänger über eine rote Ampel gegangen. Aber das soll in München ja nicht vorkommen – insofern muss ich mich irren.
Meine letzte Frage an ChatGPT:
Welches Schleifgerät eignet sich für Tischplatten und Möbel am besten?
Eine Idee zur Verbesserung der juristischen Ausbildung:
Den Klausurenmarathon im ersten und zweiten Examen abschaffen. Nie wieder im Leben muss man so viel unterschiedliches Wissen innerhalb einer bzw. anderthalb Wochen abrufbereit haben. Den enormen Nervenstress, unter dem viele Examenskandidat:innen leiden, müssen Jurist:innen im echten Berufsleben nicht aushalten – sie sind schließlich keine Notärzte.
Eine Vorlesung, die Jura-Studierende auf keinen Fall schwänzen sollten:
Staats- und Organisationsrecht sowie BGB AT. Selbst wer das Studium später abbricht, nimmt daraus wertvolles, alltagstaugliches Rechtswissen mit.
Diese Juristin müssen die LTO-Leser kennenlernen:
Lydia Eppler. Als Mutter von zwei Söhnen ist sie erfolgreiche Rechtsanwältin und Unternehmerin. Nicht immer leicht, aber sie hat weder Kinder noch Karriere zurückstellen wollen und sich von niemandem beirren lassen. Diese Unerschütterlichkeit und Energie gibt sie weiter, wenn sie sich für die Förderung junger Frauen in der Energiebranche einsetzt, als aktuelle Präsidentin des w.one e.V.
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Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 06.02.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59216 (abgerufen am: 10.03.2026 )
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