Köpfe: LTO Most Wanted mit Char­lotte D'Agos­tino

von Stefan Schmidbauer

20.02.2026

Charlotte D'Agostino über Jura vs. BWL, den Reiz an der Arbeit als Projekt-Juristin, begnadete Professoren und den Grund für ihren Abschied aus der Großkanzlei.

Charlotte Felicitas D'Agostino ist Rechtsanwältin und Immobilien-Ökonomin. Als Syndikusanwältin war sie unter anderem für Hitachi, QCells und Redevco tätig. Von 2018 bis 2019 gehörte sie der Real Estate-Praxis von Hogan Lovells an. Aktuell berät sie als selbstständige Projekt-Juristin im Bereich Real Estate und zum allgemeinen Vertragsrecht. Lydia Eppler hat sie für LTO Most Wanted nominiert.

Mein typischer Freitag:

Aufgrund meiner Selbstständigkeit gibt es keinen typischen Tag und keinen typischen Freitag. Ich starte aber auf jeden Fall mit einer Tasse Kaffee und gutem Frühstück, damit ich für alles Mögliche gewappnet bin. Manchmal nutze ich den Freitag für einen Endspurt zum Abschluss der Woche, um möglichst viel zu erledigen. Und in anderen Wochen ist der Freitag schon der seichte Start ins Wochenende mit wenig Aktivität online. Beides tut unheimlich gut, je nachdem was gerade bei meinen Projekten und Mandanten ansteht. 

Mein Getränk und meine Bar:

Bellini

Hotel de Rome in Berlin

Ein Song, ein Buch, ein Ort:

Another Day in Paradise

Verflixte Erleuchtung

Zu Hause

Warum Jura?

Ich wollte tatsächlich in die Wirtschaftsprüfung gehen und die Studienberatung hat ausgespuckt, dass man dafür Jura oder BWL studieren müsse. Nach Mathe-LK im Abitur hatte ich allerdings genug von Zahlen und fand das Jura-Studium daher attraktiver als BWL. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Wahl und habe entdeckt, dass Jura sogar noch viel mehr zu bieten hat als ich zunächst angenommen habe. Heute kann ich ganz ohne hohe Mathematik meinen Mandanten bei wirtschaftlichen Entscheidungen mit Rat zur Seite stehen. Wer hätte das gedacht? 

An meinem Job mag ich:

Die Abwechslung bei meinen verschiedenen Projekten, Gestaltungsmöglichkeit für mein eigenes Unternehmen und den Austausch mit Mandanten und Kollegen.

An meinem Job stört mich:

Verhandlungen mit Akteuren, denen es ums Prinzip oder Recht-Haben geht. Das macht alles schwerfällig und hat dem Business noch nie genutzt. Allerdings ist dies auch ein Feld, in dem wir Juristen kreativ sein können und müssen, um Projekte zum Ziel zu führen.

Das erste juristische Problem, das mich heute beschäftigt hat: 

Das bleibt mein Geheimnis... ;) 

Der schwierigste Moment meiner Karriere:

Einer der schwierigeren Momente war sicher der Start in die Selbständigkeit im Jahr 2016. Auch wenn eine große Sehnsucht nach etwas Neuem und mehr Gestaltungsmöglichkeit in mir schlummerte, so stellt dieser Wechsel eine 180-Grad-Wendung dar. Allerdings kann ich sagen, dass ich diesen Schritt nie bereut habe und man tatsächlich mit den Aufgaben, von denen man noch nichts geahnt hat, wächst.

Die Person, die mich beruflich am stärksten geprägt hat:

Mein Vater. Wenn es um berufliche Entscheidungen geht, erinnere ich mich stets an seinen Rat: Es kommt immer darauf an, was Du daraus machst. Das nimmt viel Druck aus Situationen und erinnert mich an meine eigene Kraft und Gestaltungsfähigkeit. Es gibt nicht die eine richtige Entscheidung aber sicherlich die passende innere Haltung. 

Ich arbeite nicht mehr in einer Großkanzlei, weil: 

Meine Erfahrung in der Großkanzlei kann ich absolut als positiv verbuchen. Allerdings muss ich gestehen, dass mein Herz ganz klar für die In-House-Tätigkeit schlägt. Daher bietet mir meine Tätigkeit als Projekt-Juristin die perfekte Umgebung, um das auszuleben und meine bisherige Erfahrungen und meine Expertise optimal einzusetzen. 

Welches Rechtsgebiet wird sich in naher Zukunft am stärksten verändern und warum?

Aufgrund der technischen Entwicklungen wird sich meines Erachtens weiterhin viel im IT-Recht tun. Damit verbunden sind sicher auch Veränderungen im Verbraucherschutz-Recht zu erwarten, denn mit jeder Neuerung steigt der Regelungsbedarf für neue Sachverhalte in der Praxis und auch der Schutzbedarf; wie man schon an den vielen Ergänzungen im BGB zu diesem Thema sehen kann. 

Zahl meiner Arbeitsstunden pro Woche:

Mindestens 30... wenn viel zu tun ist, habe ich das Glück, dass mir meine Projekte so viel Freude machen, dass ich die Stunden nicht mehr mitzähle. 

Eine Idee zur Verbesserung der juristischen Ausbildung:

Ich halte grundsätzlich sehr viel von Mentoren. Diese können Rat und Orientierung geben, bei Bedarf zuhören und vor allem basierend auf Erfahrung reflektieren. Als Verbesserung der Ausbildung würde ich daher für Studenten und Referendare aktiver anbieten, Mentoren an ihrer Seite zu haben. In der juristischen Ausbildung ist man in so vielen Situationen auf sich allein gestellt; da kann ein Mentor sicher stärken und mehr Orientierung geben.

Eine Vorlesung, die Jura-Studierende auf keinen Fall schwänzen sollten:

Es ist meines Erachtens nicht möglich, dies pauschal zu beantworten. Ich habe nie die Vorlesungen geschwänzt, die von begnadeten Professoren gehalten wurden; daher saß ich dann auch schon mal um 8 Uhr morgens im Hörsaal, um einer Vorlesung zum Erbrecht oder Steuerrecht zu lauschen. Unabhängig vom Rechtsgebiet werden die Studierenden von den "richtigen" Professoren in den Bann gezogen und zum Nachdenken und Eintauchen in die Materie angeregt. Das sollte man sich nie entgehen lassen. Denn neben Wissen sollte das Studium auch Wissensdurst und Tiefe vermitteln. 

Diese Juristin oder diesen Juristen müssen die LTO-Leser kennenlernen:

Natalie Ferdinand ist Anwältin bei K&L Gates und als Counsel im Bereich Kartellrecht und Compliance tätig. Als Juristin und systemischer Business Coach verbindet Natalie für mich wirtschaftsrechtliche Expertise mit einem klaren Plädoyer für innere Haltung und Authentizität. Sie setzt Impulse für ein juristisches Selbstverständnis, das bei Bewusstsein und Selbstreflexion ansetzt – weil Recht durch Menschen wirkt und bei ihnen beginnt.

 

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Zitiervorschlag

Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 20.02.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59339 (abgerufen am: 09.03.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
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