Lydia Eppler erzählt von dem schwierigsten Moment in ihrer Karriere, stört sich an polemischen Schriftsätzen und empfiehlt die Vorlesung Schuldrecht AT.
Lydia Eppler ist Rechtsanwältin und geschäftsführende Partnerin der ensight PartG mbB. Ihre MandantInnen berät sie zur Realisierung von Projekten im Bereich Erneuerbare Energien und zum Gesellschaftsrecht. Seit Dezember 2023 ist sie Präsidentin des Vereins women of new energies. Für LTO Most Wanted wurde sie von Dr. Sonja Detlefsen nominiert.
Mein typischer Freitag:
Sobald meine beiden Söhne (9 und 12 Jahre) auf dem Schulweg sind, gibt es den ersten Kaffee und einen Blick in die Zeit Online. Spätestens um 9 Uhr geht der Arbeitstag los. Üblicherweise verbringe ich die Hälfte des Tages mit Teams-Meetings und Telefonaten mit MandantInnen. Ich berate überwiegend Projekte und Transaktionen in der Renewables-Branche; da mir auch privat und als Präsidentin des Vereins women of new energies e.V. die Energiewende sehr am Herzen liegt, ist der persönliche Austausch mit meinen MandantInnen der Teil meiner Arbeit, der mir besonders viel Spaß macht.
Um die Mittagszeit gibt es entweder einen Lunch mit KollegInnen oder MandantInnen in der schönen Hamburger Innenstadt, wo wir auch unser Büro haben, oder – sofern ich im Home-Office bin – Essen mit meinen beiden Jungs zu Hause.
Die andere Hälfte des Tages ist für die Arbeit an Verträgen und Projekten (Wind-, Solar- und Batterieenergiespeicherprojekte) vorgesehen. Zudem gibt es je nach Bedarf Abstimmungsrunden mit meinen PartnerInnen und Associates. Als geschäftsführende Partnerin stehen zudem auch regelmäßige Verwaltungstätigkeiten an, die ich gern am Freitagnachmittag erledige.
Feierabend ist dann, wenn es die Arbeit zulässt. Spätestens aber zum Harry-Potter-Vorlesen…
Mein Getränk und meine Bar:
Ein Glas Roséwein im The Bohemian – dort machen wir auch immer die Weihnachtsfeier der women of new energies e.V.
Ein Song, ein Buch, ein Podcast:
Supergirl
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Ordentlich Durcheinander
Warum Jura?
Weil ich zwar sehr gerne Geige spiele, aber für ein A-Orchester mehr hätte üben müssen. Heute bin ich froh darüber und genieße das Geigen als Hobby.
An meinem Job mag ich:
Die Zusammenarbeit mit meinen MandantInnen, die ich allesamt wahnsinnig schätze.
An meinem Job stört mich:
Polemische Schriftsätze der Gegenseite (erlebe ich glücklicherweise im Projektgeschäft so gut wie nie).
Das erste juristische Problem, das mich heute beschäftigt hat:
Die Erlaubnispflicht für das Erbringen von Zahlungsdiensten nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz.
Die Person, die mich beruflich am stärksten geprägt hat:
Meine Assistentin, mit der ich seit über 16 Jahren eng und vertrauensvoll zusammenarbeite und die jede berufliche Station mitgegangen ist.
Der schwierigste Moment meiner Karriere:
Die Entscheidung zur Selbständigkeit, die ich im Jahr 2018 getroffen habe und beide Kinder noch recht klein waren. Mitten im Aufbau kam die Corona-Krise, die im Endeffekt aber auch hilfreich war, um die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere zu ermöglichen und "salonfähig" zu machen. Während neben mir in einem 6-stündigen Online-Verhandlungsmarathon beide Kinder in Lego-Kisten wühlten, fragte der Rechtsanwaltskollege der Gegenseite nur, was meine Kinder denn bauen würden.
Welches Rechtsgebiet wird sich in naher Zukunft am stärksten verändern und warum?
Die Renewables-Branche ist ein Bereich, in dem wir es mit ständig neuen gesetzlichen Regelungen zu tun haben. Das ist zum großen Teil geboten, teilweise aber auch politisch motiviert. Ich würde mir wünschen, dass wir den Weg der Energiewende weitergehen – auch in der Gesetzgebung!
Eine Idee zur Verbesserung der juristischen Ausbildung:
Die Ausbildung sollte meines Erachtens praxisrelevanter werden. Ich kann zwar immer noch die Definition von Mordlust auswendig, aber das ist für die Praxis (glücklicherweise) nur von sehr eingeschränkter Relevanz.
Eine Vorlesung, die Jura-Studierende auf keinen Fall schwänzen sollten:
Schuldrecht Allgemeiner Teil. Das kann man immer gebrauchen.
Diese Juristin oder diesen Juristen müssen die LTO-Leser kennenlernen:
Charlotte D’Agostino – als selbständige Rechtsanwältin und Interim Legal Counsel bringt sie außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit mit und setzt sich flexibel und unternehmerisch für ihre MandantInnen ein.
Mehr Most Wanted? Tom Braegelmann | Incoronata Cruciano | Joachim Ponseck | Marc Roberts | Maximilian Riege | Fatima Hussain | Anne Graue | Victoria Fricke | Ann-Kathrin Ludwig | Stephanie Beyrich | Christiane Eymers | Martina Rehman | Martina Flade | Saskia Schlemmer | Marco Buschmann | Neda Wysocki | Anosha Wahidi | Gregor Gysi | Dirk Wiese | Konstantin von Notz | Sabine Stetter | Katharina Humphrey | Jutta Otto | Hanno Kunkel | Alfred Dierlamm | Mohamad El-Ghazi | Jan Philipp Albrecht | Helene Bubrowski | Ali B. Norouzi | Naila Widmaier | Andrej Umansky | Tijen Ataoğlu | Philippos Botsaris | Ralf Leifeld | Holger Dahl | Herta Däubler-Gmelin | Volker Römermann | Jerry Roth | Sebastiaan Moolenaar | Eckart Brödermann | Dominique Grüter | Vivian Kube | Vera Keller | Ronska Grimm | Laurent Lafleur | Kristin Pfeffer | Christina Gassner | Natalie Ferdinand | Anika Schürmann | Die Übersicht mit allen bisher veröffentlichten Ausgaben finden Sie hier.
Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 13.02.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59297 (abgerufen am: 11.03.2026 )
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