Katharina Landes über eine veränderte Qualität bei der Gesetzgebung, Freiraum für unternehmerische Entscheidungen und einen Grund, warum Frauen in den Partnerschaften von Großkanzleien unterrepräsentiert sind.
Dr. Katharina Landes ist Rechtsanwältin und Partnerin bei Görg in Köln. Sie berät in den Bereichen Intellectual Property, IT & Datenschutz sowie Commercial. Ihr Branchenfokus umfasst Technologie, Medien, Healthcare und Konsumgüter. Zu ihren Mandanten zählen unter anderem Startups und Venture-Capital-Investoren. Dr. Anika Schürmann hat sie für LTO Most Wanted nominiert.
Mein Getränk und meine Bar:
Ein Port Tonic in der Forelle Blau.
Ein Song, ein Buch, ein Ort:
Where is my mind? (Pixies)
Die Korrekturen (Jonathan Franzen)
Bauen am Vierwaldstätter See
Warum Jura?
Ich habe mich damals für das Jurastudium entschieden, weil ich nach dem Abitur noch nicht genau wusste, wo ich hinwill. Jura erschien mir als eine gute Grundlage für viele unterschiedliche Karrierewege – vom Journalismus über die Politik bis hin zu den klassischen juristischen Berufen. Rückblickend habe ich diese Entscheidung nie bereut.
Mein typischer Freitag:
Freitags beginnt mein Tag etwas früher als sonst, da der Sportkurs, den ich jeden Freitag mit einer befreundeten Kollegin zusammen besuche, um 7:15 Uhr startet und ich daher schon kurz vor 7 Uhr das Haus verlasse. Um dann trotzdem gegen 9 Uhr am Schreibtisch zu sitzen, bin ich in der Regel freitags im Homeoffice. Da man den Mandanten nicht selten eine "Lieferung" bis Ende der Woche zusagt, kommt es häufig vor, dass freitags noch Arbeitsprodukte finalisiert werden müssen. An den Freitagen, an denen unsere monatliche Kölner Partnerrunde stattfindet, fahre ich dann am späten Nachmittag ins Büro.
Das erste juristische Problem, das mich heute beschäftigt hat:
Die Frage, wie man eine Datenlizenz nach dem neuen EU Data Act in Allgemeinen Geschäftsbedingungen rechtssicher vereinbart.
An meinem Job mag ich:
Ich bin gerne Unternehmerin – und kaum ein juristischer Beruf bietet diese Möglichkeit so unmittelbar wie der Anwaltsberuf. Auch wenn ich in unserer Sozietät Teil einer großen, gut funktionierenden Einheit mit rund 370 Berufsträgerinnen und Berufsträgern bin, schätze ich es sehr, dennoch genügend Freiraum zu haben, eigene unternehmerische Entscheidungen zu treffen und Ideen umzusetzen.
An meinem Job stört mich:
Dass ich die Fragen der Mandanten nicht immer mit einem glasklaren Ja oder Nein beantworten kann.
Der schwierigste Moment meiner Karriere:
Rückblickend war es die beste Entscheidung, aber bei der Frage, ob ich den Schritt in die Equity-Partnerschaft wagen sollte, haben mich natürlich auch die "frauentypischen" Zweifel begleitet.
Die Person, die mich beruflich am stärksten geprägt hat:
Ich habe meinen beruflichen Werdegang bei Görg begonnen. Frisch aus dem Referendariat brachte ich zwar fundiertes juristisches Wissen mit, aber natürlich noch nicht den geschärften Blick für die Bedürfnisse der Mandanten. Diesen hat mir meine damalige Vorgesetzte Katja Kuck sehr schnell vermittelt. Für diese hervorragende Ausbildung bin ich ihr bis heute dankbar.
Anwalts- und Kanzleirankings finde ich:
Anwalts- und Kanzleirankings sind sicherlich ein schönes Feedback. Langfristig entscheidend sind jedoch aus meiner Sicht konstant gute Arbeit, persönliche Empfehlungen und ein starkes Netzwerk – daraus entsteht eine nachhaltige Position im Markt.
Künstliche Intelligenz ist für die Rechtsberatung:
Durchaus hilfreich – vorausgesetzt, man vertraut den Ergebnissen nicht blind und stellt die richtigen Prompts.
Was muss sich ändern, damit der Anteil der Equity-Partnerinnen in Großkanzleien steigt?
Die geringe Partnerinnenquote in Großkanzleien liegt meines Erachtens zu einem großen Teil darin begründet, dass der Anwaltsberuf – insbesondere in Großkanzleien – ein hohes Maß an Flexibilität verlangt, das sich in Teilzeit naturgemäß schwerer realisieren lässt. Daher sollte bei der Verbesserung teilzeitkompatibler Strukturen in der Mandatsbetreuung angesetzt werden, etwa durch eine entsprechende Organisation und Arbeitsaufteilung innerhalb der Teams.
Ein Paragraf, der dringend überarbeitet werden sollte:
Da fallen mir leider viele ein. Besonders häufig denke ich dabei an EU-Normen. Vergleicht man als deutsche Juristin die oft sehr unübersichtlichen und unpräzise formulierten europäischen Regelungen mit dem "guten alten" Bürgerlichen Gesetzbuch, wird deutlich, dass Gesetzgebungsarbeit früher häufig eine andere Qualität hatte.
Eine Vorlesung, die Jura-Studierende auf keinen Fall schwänzen sollten:
Ich habe in Bonn studiert und mich haben damals die Vorlesungen von Prof. Karsten Schmidt im Gesellschaftsrecht begeistert – nicht nur, weil er eine Koryphäe auf seinem Gebiet ist, sondern vor allem, weil er keinen trockenen Frontalunterricht gehalten hat, sondern die Studierenden immer aktiv einbezogen hat.
Diese Juristin oder diesen Juristen müssen die LTO-Leser kennenlernen:
Ich nominiere Kristin Brocker, Partnerin bei Eckert in Köln. Sie verbindet hervorragende Expertise im Insolvenzrecht mit einem klaren Blick für wirtschaftliche Zusammenhänge und tragfähige Lösungen für Unternehmen in herausfordernden Situationen. Ich kenne Kristin noch aus unserer gemeinsamen Zeit bei Görg und schätze ihre pragmatische und unaufgeregte Herangehensweise, die es ihr auch in stressigen Situationen ermöglicht, immer den Überblick zu behalten. Mit großer fachlicher Expertise und Durchsetzungskraft hat sie sich bei den Gerichten in NRW als anerkannte Insolvenzverwalterin etabliert.
Mehr Most Wanted? Tom Braegelmann | Incoronata Cruciano | Joachim Ponseck | Marc Roberts | Maximilian Riege | Fatima Hussain | Anne Graue | Victoria Fricke | Ann-Kathrin Ludwig | Stephanie Beyrich | Christiane Eymers | Martina Rehman | Martina Flade | Saskia Schlemmer | Marco Buschmann | Neda Wysocki | Anosha Wahidi | Gregor Gysi | Dirk Wiese | Konstantin von Notz | Sabine Stetter | Katharina Humphrey | Jutta Otto | Hanno Kunkel | Alfred Dierlamm | Mohamad El-Ghazi | Jan Philipp Albrecht | Helene Bubrowski | Ali B. Norouzi | Naila Widmaier | Andrej Umansky | Tijen Ataoğlu | Philippos Botsaris | Ralf Leifeld | Holger Dahl | Herta Däubler-Gmelin | Volker Römermann | Jerry Roth | Sebastiaan Moolenaar | Eckart Brödermann | Dominique Grüter | Vivian Kube | Vera Keller | Ronska Grimm | Laurent Lafleur | Kristin Pfeffer | Christina Gassner | Sonja Detlefsen | Lydia Eppler | Charlotte D'Agostino | Natalie Ferdinand | Henning Kölsch | Adrian Haase | Inka Brunn | Anna Lissner | Die Übersicht mit allen bisher veröffentlichten Ausgaben finden Sie hier.
Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 13.03.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59496 (abgerufen am: 21.04.2026 )
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