Köpfe: LTO Most Wanted mit Jen­nifer Oellig

von Stefan Schmidbauer

08.05.2026

“Menschlichkeit ist ein großer Anteil jeder anwaltlichen Tätigkeit”, sagt Jennifer Oellig. Die Rechtsanwältin erzählt von einem missglückten Jobwechsel und teilt ihre Meinung zu Anwaltsrankings.

Jennifer Oellig ist als selbstständige Rechtsanwältin seit 2023 in ihrer eigenen Kanzlei tätig. Ihre Mandanten berät sie rund um das Thema Digitalisierung. Vor der Gründung von Oellig Legal war sie Syndikusrechtsanwältin bei den Unternehmen 1&1, Drillisch, Trusted Shops und Strato sowie Of Counsel bei der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke in Köln. Für LTO Most Wanted wurde sie von Dr. Hanna Schmidt nominiert.

Mein Getränk und meine Bar: 

Ein guter Sekt oder anderer Schaumwein, am liebsten direkt beim Winzer – wenn es eine Bar ist, dann das SprizzAtelier in Koblenz.

Mein Job, erklärt in maximal 250 Zeichen: 

Ich berate Unternehmen in Rechtsfragen der Digitalisierung: zu KI, Software und Plattformen, Telekommunikation, Datenschutz. Mein Anspruch: praxisnahe, lösungsorientierte Beratung. Ich bringe kreativ Ideen ein und arbeite eng mit dem Team vor Ort.

Ein Song, ein Buch, ein Ort: 

Dancing in the Dark (Bruce Springsteen)

Die Buddenbrooks (Thomas Mann)

Cadwith (Cornwall, UK)

Warum Jura? 

Ich hatte schon immer ein großes Interesse daran, Zusammenhänge zu kennen und Hintergründe zu verstehen. Das, gepaart mit meinem mangelnden Talent für Naturwissenschaften, machte Jura zur logischen Konsequenz.

Mein typischer Freitag: 

Ein Vorteil meiner Selbstständigkeit ist, dass sich ein Freitag – ebenso wie andere Wochentage – selten so gestaltet, wie der Freitag davor oder danach. Aber wenn ein Freitag richtig gut läuft, schaffe ich es, um 16:45 Uhr zum Yoga zu gehen.

Das erste juristische Problem, das mich heute beschäftigt hat: 

Der Umfang, bzw. Detailgrad eines Auskunftsanspruchs nach automatisierter Entscheidungsfindung (Art. 15 Abs. 1 lit. h DSGVO) im Zusammenhang mit der Ablehnung eines Vertragsschlusses.

Zahl meiner Arbeitsstunden pro Woche:

Es verhält sich ähnlich wie mit dem typischen Freitag, ich schätze, zwischen 35 und 55.

An meiner Arbeit mag ich: 

Die Vielfalt meiner Mandate und Mandanten, die daraus entstehende Herausforderung, immer Neues dazu zu lernen sowie die Freiheit, Entscheidungen im Hinblick auf meine Kanzlei selbst zu treffen.

An meiner Arbeit stört mich: 

Dass anwaltliche Beratung teilweise (und gelegentlich auch durch Kolleg:innen) als etwas betrachtet wird, das den Sachverhalt eher komplizierter werden lässt, statt zur Lösung beizutragen.

Der herausforderndste Moment meiner Karriere: 

Als ich meinen Job, den ich sehr mochte, für eine spannende Position in einem jungen Unternehmen gekündigt habe, aus der dann wegen Rückzugs der Investoren (und daraus folgender Insolvenz des Startups) nichts wurde. Trotzdem ist etwas Tolles daraus entstanden: ohne den unverhofften "Reset" hätte ich mich sicher nicht so bald selbstständig gemacht.

Die Person, die mich beruflich am stärksten geprägt hat: 

Ohne Zweifel meine erste Vorgesetzte, Dr. Karin Dreher. Sie hat mir als Berufsanfängerin Vertrauen geschenkt und Freiraum gelassen, wodurch ich schnell lernen und wachsen konnte. Trotzdem gab sie mir das Gefühl, dass ich mit Fehlern und Fragen immer offen auf sie zukommen kann. Ein Vorbild – fachlich und als Führungskraft.

Ich arbeite nicht mehr als Unternehmensjuristin, weil: 

…ich nach dem "missglückten" Jobwechsel nicht zurück in eine Anstellung und stattdessen meinen Weg selbst gestalten wollte. Ich bin heute sehr froh über diese Entscheidung und weiß beide Tätigkeiten – als Rechtsanwältin und Inhouse Juristin – zu schätzen.

Wird KI Anwälte eines Tages vollständig ersetzen?

KI kann Menschen dort nicht ersetzen, wo sie menschlich handeln. Und Menschlichkeit ist aus meiner Sicht ein großer Anteil jeder anwaltlichen Tätigkeit. Darüber hinaus wird KI für Anwälte ein unverzichtbares Arbeitsmittel werden.

Anwalts- und Kanzleirankings finde ich: 

Als Marketingmaßnahme geeignet, tatsächlich nicht ausschlaggebend.

Diese Juristin oder diesen Juristen müssen die LTO-Leser kennenlernen:

Dr. Gerd Kiparski, der nach vielen Jahren als Unternehmensjurist und anerkannte fachliche Stimme im Telekommunikationsrecht vor einiger Zeit in eine vollkommen neue Branche gewechselt ist und nun als Group General Counsel einer Versicherungsgruppe arbeitet.

 

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Zitiervorschlag

Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 08.05.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59890 (abgerufen am: 17.06.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
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