Köpfe: LTO Most Wanted mit Hanna Sch­midt

von Stefan Schmidbauer

30.04.2026

Hanna Schmidt erklärt ihren Rückzug aus der Großkanzleiwelt und den Reiz, die eigene Chefin zu sein. Ihre Gedanken zu einer Erbschaftssteuerreform verrät sie auch.

Dr. Hanna Schmidt ist Rechtsanwältin und hat vor wenigen Monaten ihre eigene Kanzlei, Dr. Schmidt Legal, gegründet. Schwerpunkte ihrer Beratung sind das Familienrecht und das Erbrecht. Zuvor war sie bei Friedrich Graf von Westphalen, DLA Piper und bei Oppenhoff tätig. Für LTO Most Wanted wurde sie von Dr. Vanessa Pickenpack nominiert.

Mein Getränk und meine Bar:

Ganz klar der Salty Carameltini in der Kaminbar des Hotel Oderberger in Berlin

Mein Job, erklärt in maximal 250 Zeichen:

Als Anwältin in eigener Kanzlei begleite ich Mandanten bei Trennungen, Scheidungen und Erbfällen. Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit in Großkanzleien habe ich dabei einen Fokus auf vermögensrechtlich komplexe oder internationale Fälle.

Ein Song, ein Buch, ein Ort:

Mr. Brightside (The Killers). Ein Lieblingsbuch habe ich nicht. Zuletzt gelesen habe ich "Windstärke 17" von Caroline Wahl, das mir aufgrund des ungewöhnlichen Schreibstils und weil es auf Rügen spielt, gefallen hat, denn Ort: die Insel Rügen

Warum Jura?

Mein Rechtskundeunterricht an der Schule war eher abschreckend gewesen, deshalb habe ich zuerst den anderen "Klassiker", nämlich BWL, studiert. Dann fiel mir auf, dass mir "Privatrecht für Wirtschaftswissenschaftler" dabei am meisten Spaß machte, während es bei meinen Kommilitonen neben Mathematik überwiegend die unbeliebteste Vorlesung war. Das hat mir zu denken gegeben und ich habe mir schließlich ein Herz gefasst und das Studienfach gewechselt. So habe ich auf Umwegen doch noch zu Jura gefunden.

Mein typischer Freitag:

Einen typischen Freitag gibt es eigentlich nicht. Manche Tage sind ruhiger, und ich kann mich in der Kanzlei in vertiefte Recherchen oder das Schreiben von Schriftsätzen vergraben. Oder es gibt Beratungstermine, vor Ort oder online. Oder ich bin unterwegs, bei einer Tagung, einem Netzwerktreffen oder, oder, oder… Schön ist es, wenn man dann abends gemeinsam mit Freunden das Wochenende einläutet.

Das erste juristische Problem, das mich heute beschäftigt hat:

Da ich heute bei einer Fortbildungsveranstaltung war, war das erste juristische Thema des Tages "Richtiger anwaltlicher Umgang mit Sachverständigengutachten in Kindschaftsverfahren".

Zahl meiner Arbeitsstunden pro Woche:

Schwer zu sagen, aber definitiv mehr als 40.

An meiner Arbeit mag ich:

Meine eigene Chefin zu sein und selbst entscheiden zu können, wo, wann und mit wem ich arbeite. Dieses Gefühl von Freiheit ist (fast) unbezahlbar. Und auch inhaltlich macht es mir viel Spaß. Jeder Mandant kommt mit seiner eigenen Geschichte zu mir und es gefällt mir sehr, gemeinsam Strategien und Lösungen zu erarbeiten.

An meiner Arbeit stört mich:

Zumindest noch fällt es mir schwer, abends abzuschalten und nicht z.B. doch noch mal meine E-Mails zu checken. Und wenn eine neue Anfrage hereingekommen ist, recherchiere ich meistens schon los und mache mir erste Gedanken dazu, auch wenn eigentlich längst Feierabend sein sollte. Das muss definitiv besser werden!

Der herausforderndste Moment meiner Karriere:

Als junge Anwältin sollte ich einmal in Vertretung eines Kollegen an einem Ortstermin teilnehmen und mir ein Gebäude mit Wasserschaden anschauen. So dachte ich jedenfalls. Als ich allerdings ankam, erwarteten mich mit großen Augen an einem langen Tisch versammelt Geschädigte, ein Anwalt, Vertreter mehrerer Versicherungen, ein Sachverständiger, Maklervertreter aus dem Ausland und der Geschäftsführer unserer Mandantin. Da ist mir als Berufsanfängerin erst einmal das Herz in die Hose gerutscht und meine Hauptaufgabe war es, mir das nicht anmerken zu lassen.

Die Person, die mich beruflich am stärksten geprägt hat:

Ich finde es sehr schwierig, hier nur eine Person zu nennen. Ich glaube, viele Personen haben mich auf die ein oder andere Weise beruflich geprägt. In Hinblick auf die Akribie und den fachlichen Anspruch, mit dem er komplexe Vertragswerke entwirft, habe ich sicherlich eine Menge von meinem letzten Chef gelernt.

Ich arbeite nicht mehr in einer Großkanzlei, weil:

Die Rechtsgebiete mich nicht wirklich erfüllt haben. Deswegen ist es mir schwergefallen, meinen eigenen "Business Case" aufzubauen. Den Unterschied merke ich jetzt, wo ich den Sprung ins Ungewisse gewagt habe: Plötzlich machen Netzwerken, Akquise und Projekte zu planen richtig Spaß! Und tatsächlich hat es mich auch sehr gereizt, auszuprobieren, meine eigene Chefin zu sein.

Mein Vorschlag für eine sinnvolle Reform der Erbschaftssteuer:

Schwierige Frage. Hierzu haben sich ja schon viele Steuerexperten den Kopf heiß geredet. Generell sympathisiere ich mit der Idee von Prof. Clemens Fuest, den Erbschaftssteuersatz deutlich zu senken, dafür aber die speziellen Verschonungsregeln vollständig entfallen zu lassen und durch eine unbürokratische Stundungsregel zu ersetzen, die Liquiditätsprobleme entschärft. Von einem niedrigen Steuersatz würden auch die ganzen Partner in nichtehelichen Lebensgemeinschaften oder Mitglieder aus Patchwork-Konstellationen profitieren, die nicht durch besondere Freibeträge privilegiert sind, egal wie eng die emotionale Verbundenheit zum Erblasser war.

Anwalts- und Kanzleirankings finde ich:

Wenig aussagekräftig.

Diese Juristin oder diesen Juristen müssen die LTO-Leser kennenlernen:

Jennifer Oellig ist nicht den typischen Weg – erst Kanzlei und dann inhouse – gegangen, sondern hat zunächst lange Zeit sehr erfolgreich als Syndikusanwältin ein großes Legal-Team bei einem Telekommunikationsanbieter aufgebaut und geleitet, um sich 2023 dann in eigener Kanzlei mit dem Schwerpunkt Rechtsberatung rund um Digitalthemen selbstständig zu machen.

 

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Zitiervorschlag

Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 30.04.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59835 (abgerufen am: 14.05.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
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