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Köpfe: LTO Most Wanted mit Kristin Pfeffer

von Stefan Schmidbauer

23.01.2026

Kristin Pfeffer

Kristin Pfeffer

Kristin Pfeffer über das Ehegattensplitting als volkswirtschaftlichen Unsinn, das vorbildliche deutsche Verwaltungsrecht und die beste Zeit für eine Vorlesung.

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Prof. Dr. Kristin Pfeffer ist Professorin für Öffentliches Recht an der Akademie der Polizei Hamburg und auf Öffentliches Recht mit den Schwerpunkten Verfassungsrecht, Polizeirecht, Datenschutzrecht sowie Europarecht spezialisiert. Zuvor war sie als Anwältin in einer Hamburger Kanzlei tätig. Ihre Nominierung für LTO Most Wanted kam von Dr. Laurent Lafleur.

Mein typischer Montag:

7.00 Uhr per Fahrrad in die Hochschule, 7.45 - 11.15 Uhr Vorlesung. Ich nehme sehr gern den frühen Slot, da sind beide Seiten noch frisch. Danach gehört der Tag meist der Wissenschaft.

Mein Getränk und meine Bar:

Morgens Kaffee (schwarz), während der Vorlesung Tee, abends lieber Restaurant als Bar.

Ein Song, ein Buch, ein Ort:

Virtual Insanity (Jamiroquai)
Verschwörung gegen Amerika (Philipp Roth)
Insel Poel (Feldweg oder Strand – Hauptsache menschenleer, das findet man hier nämlich noch)

Warum Jura?

Gehört nicht zufällig zu den vier ältesten Fakultäten: Danach ist man (fast) unschlagbar und (fast) überall einsetzbar. Das ahnte ich vorher nur, jetzt weiß ich es.

Zahl meiner Arbeitsstunden pro Woche:

Seit ich nicht mehr billen muss (wie noch als Anwältin), zähle ich das nicht mehr: Persönliches Interesse und "Dienst" muss ich heute nicht mehr trennen. Ich selbst empfinde das als Privileg, könnte mir aber vorstellen, dass das meine Familie nicht nur positiv sieht, denn ich arbeite irgendwie (fast) immer, zumindest in Gedanken.

An meinem Job mag ich:

Die Selbstbestimmtheit.

Ich bin nah an meinem Forschungsobjekt.

Meine Studierendenschaft hat einen helfenden Beruf gewählt (und ist menschlich regelmäßig äußerst angenehm).

Als Staatsrechtlerin kann man kaum unmittelbarer einwirken als bei der hochschulischen Ausbildung des Teiles der Exekutive mit dem "eingriffsintensivsten Instrumentekasten".

An meinem Job nervt mich:

Manchmal die akademische Selbstverwaltung an der Hochschule, hier herrscht recht viel Eitelkeit und Selbstdarstellung.

Ein Gesetz, das ich schon einmal gebrochen habe:

StVO. Auch im Corona-Lockdown habe ich (selbst als Polizeirechtlerin) nicht durchgängig den Überblick über die Ge- und Verbote behalten.

Ein Gesetz, das dringend geändert werden sollte:

Das Einkommenssteuergesetz (hier: Ehegattensplitting). Das halte ich für einen Fehlanreiz, für volkswirtschaftlichen Unsinn.

Das deutsche Verwaltungsrecht ist:

wunderbar systematisch, basiert auf wenigen Prinzipien und gilt daher anderen Ländern als Vorbild.

Der Einsatz der von Palantir entwickelten Software "Gotham" durch deutsche Behörden…

erscheint derzeit verfassungsrechtlich nicht vertretbar. Das liegt nicht zuletzt am Firmensitz (USA), der politischen Einstellung der Firmeninhaber gepaart mit deren derzeitigen tatsächlichen politischen Einfluss.

Eine Idee zur Verbesserung der juristischen Ausbildung:

Mehr Methodik, mehr Grundlagen, weniger Spezialkenntnisse, mehr lebenswirkliche Zusammenhänge: Mit gutem Werkzeug löst man nämlich jeden Fall – auch bei unbekannten Gesetzen und darauf kommt es im Beruf an. Außerdem sollte die Ausbildung einer KI-Kompetenz erfolgen.

Eine Vorlesung, die Jura-Studierende auf keinen Fall schwänzen sollten:

Staats- und Verfassungsrecht bei einem leidenschaftlichen Staatsrechtslehrer, wie etwa Prof. Michael Fehling (Bucerius Law School): Jura dient neben der Berufsvorbereitung auch der Bildung von Führungskräften in allen Bereichen der Gesellschaft. In einer Diktatur "verschwindet das Recht zuerst". Unser Berufsstand trägt hier eine besondere Verantwortung dafür, dass dies nicht passiert.

Diese Juristin oder diesen Juristen müssen die LTO-Leser kennenlernen:

Christina Gassner, Direktorin für Politische und Institutionelle Beziehungen & Strategie beim DFB. Eine Juristin, die ihre große Leidenschaft für den Fußball in einen Beruf verwandeln konnte, auch wenn Fußballverbände nach wie vor eher Männerdomänen sind. Ein echtes role model!

 

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Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 23.01.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59101 (abgerufen am: 06.03.2026 )

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