Köpfe: LTO Most Wanted mit Gerd Kiparski

von Stefan Schmidbauer

15.05.2026

“Der größte Erfolg eines Unternehmensjuristen ist oft, dass Risiken gar nicht erst entstehen”, sagt Gerd Kiparski und erklärt, welchen Nachteil das birgt. Eine Empfehlung für Jura-Studierende hat er auch.

Dr. Gerd Kiparski ist Group General Counsel bei der Viridium Gruppe. Zuvor war er, ebenfalls als General Counsel, für den Telekommunikationsanbieter 1&1 sowie als Legal Counsel für die Daimler AG und für Tele2 tätig. Jennifer Oellig hat ihn für LTO Most Wanted nominiert.

Mein Getränk und meine Bar: 

Ein frisches Radler aus einem schönen Hellen im Frankfurter Haus draußen im Biergarten bei Sonnenuntergang.

Mein Job, erklärt in maximal 250 Zeichen: 

Ich leite als Group General Counsel die Rechtsabteilung und das Corporate Office der Viridium Gruppe in Neu-Isenburg. Bei meinem Team und mir liegen sämtliche rechtlichen Themen des Konzerns mit Ausnahme von Steuern, Arbeitsrecht und Compliance. Inhaltlich ist dies eine sehr große Bandbreite von versicherungsrechtlichen Fragen rund um Kunden, über Themen der Digitalisierung, aufsichtsrechtliche Fragen bis hin zu M&A und gesellschaftsrechtlichen Themen.

Ein Song, ein Buch, ein Ort: 

Song: Five Iron Frenzy – You can’t handle this

Buch: Mandela – Long walk to freedom

Ort: Noblessner in Tallinn

Warum Jura? 

Leidenschaft treibt mich an: Ich schätze klare Regelungen und die Sicherheit, zu wissen, was möglich ist und was nicht. Und gerade bei Themen, die vermeintlich nicht gehen, entsteht der größte Reiz – durch fundierte Beratung Wege zu finden, die dennoch rechtlich tragfähig und praktikabel sind.

Ich arbeite als Unternehmensjurist, weil:

Ich habe mich für die Arbeit als Unternehmensjurist entschieden, weil mich die Dynamik zwischen Recht und Business begeistert. Hier kann ich Entwicklungen vollständig mitgestalten, statt wie ein externer Anwalt nur an einzelnen Stellen dazuzukommen.

Mein typischer Freitag: 

Es gibt keine typischen Tage. Ich setze mir morgens Prioritäten für den Tag, doch spätestens um 10 Uhr wird der Plan von spontanen, dringenden Themen überholt. Abends kehrt dann wieder Ruhe ein und ich komme zurück zu meinem ursprünglichen Fokus.

Das erste juristische Problem, das mich heute beschäftigt hat: 

Ein gesellschaftsrechtliches Thema um die Frage, ob die Zustimmung des Aufsichtsrates für den Abschluss eines bestimmten Geschäftes benötigt wird.

Zahl meiner Arbeitsstunden pro Woche:

Wenn man Spaß an der Arbeit hat, zählt man die Stunden nicht.

An meiner Arbeit mag ich: 

Die Abwechslung und Themenvielfalt. Als Unternehmensjurist arbeite ich nicht nur juristisch, sondern auch organisatorisch und strategisch – von der rechtlichen Analyse bis zur strukturierten Umsetzung.

An meiner Arbeit stört mich: 

Der größte Erfolg eines Unternehmensjuristen ist oft, dass Risiken gar nicht erst entstehen. Das hat allerdings den Nachteil, dass erfolgreiche und intensive Arbeit nicht immer sichtbar ist, weil alles reibungslos läuft.

Der herausforderndste Moment meiner Karriere: 

Als ich Berufsanfänger und einziger Inhouse Counsel eines Telekommunikationsanbieters in Düsseldorf war, übertrug mir mein damaliger CEO in meinem dritten Monat im Unternehmen die Aufgabe, ein kompliziertes Joint-Venture aufzulösen und die vertraglichen Leistungen in eine Wholesale-Beziehung zu überführen. Es waren 6 Monate komplexe Verhandlungen mit mehreren Kanzleien und hunderte Seiten Vertragswerk. Aber sehr erfolgreich.

Die Person, die mich beruflich am stärksten geprägt hat: 

Mein Doktorvater, Prof. Dr. Jürgen Taeger. Er hat mir am Anfang meiner Karriere die richtigen Tipps gegeben, die dazu geführt haben, dass ich heute da bin, wo ich bin.

Ein Paragraf, der dringend überarbeitet werden sollte: 

Hier würde ich insgesamt einen Großteil der Formvorschriften nennen. Wir haben leider an vielen Stellen noch zu oft Schriftform oder gar notarielle Form. Andere Länder sind da schon deutlich weiter, einfacher und digitaler.

Eine Vorlesung, die Jura-Studierende auf keinen Fall schwänzen sollten: 

Im Rückblick ist dies Steuerrecht. Steuerrechtliche Erwägungen prägen erheblich unternehmerische Entscheidungen. Hier ist wichtig, sich als Jurist gut auszukennen. Heutzutage würde ich auch eine Vorlesung aus dem Bereich der Digitalisierung empfehlen. Daten sind ein Teil der Wertschöpfung geworden, von Kunden- über Produktionsdaten. Sich gut in den Digitalrechtsakten auszukennen ist sehr hilfreich, gerade um ein modernes (digitales) Unternehmen im Kernbereich der Wertschöpfung rechtlich zu beraten.

Diese Juristin oder diesen Juristen müssen die LTO-Leser kennenlernen:

Dr. Reto Mantz, Vorsitzender Richter der 6. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt am Main, sollten Sie unbedingt kennenlernen. Reto Mantz ist sowohl Jurist als auch Informatiker und hat ein unglaublich gutes Verständnis für technische Sachverhalte, gepaart mit einem brillanten juristischen Verstand. Einfach eine tolle Kombination, gerade für moderne Themen der Digitalisierung und des Datenschutzes.

 

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Zitiervorschlag

Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 15.05.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59956 (abgerufen am: 16.06.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
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