Christina Gassner gibt einen Einblick in ihre Aufgaben beim DFB, spricht sich für mehr Praxisnähe in der juristischen Ausbildung aus und erklärt ihre Sicht auf den VAR im Fußball.
Christina Gassner hat ihren beruflichen Schwerpunkt an der Schnittstelle von Sport, Recht und Politik. Sie ist seit Januar 2026 Direktorin für "Politische Beziehungen, Gesellschaft & Sicherheit" des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), nachdem sie ab Februar 2023 die Direktion für "Institutionelle und Politische Beziehungen & Strategie" geleitet hatte.
Zuvor war sie ab 2019 Geschäftsführerin der Deutschen Sportjugend und Vorständin Jugendsport des Deutschen Olympischen Sportbundes sowie von 2014 bis 2019 als Justiziarin (Senior Legal Counsel) und Leiterin Public Affairs & Internationale Beziehungen bei der Deutschen Fußball Liga beschäftigt. Für LTO Most Wanted wurde sie von Prof. Dr. Kristin Pfeffer nominiert.
Mein typischer Montag:
Wecker um 6:30 Uhr, erst einmal die Nachrichten des Tages lesen und die Termine des Tages durchgehen. Entweder geht es dann ins Büro auf dem DFB-Campus oder ich arbeite mobil und setze mich in München an den Schreibtisch. Der Montag ist bei uns üblicherweise der Tag der Jours Fixes und Rücksprachen – zuerst mit meinem Stab, um die Termine der Woche durchzugehen, und dann mit meinem restlichen Team, um die einzelnen Themen zu besprechen. Zudem schauen wir montags darauf, ob es an einem Spieltagswochenende besondere Vorkommnisse gab oder über das Wochenende neue Themen mit politischem Bezug aufgekommen sind.
Mein Getränk und meine Bar:
Ein Glas Rotwein in der Paris Bar in Frankfurt oder Aperol Spritz irgendwo in München.
Mein Verein:
Borussia Dortmund
Ein Song, ein Buch, ein Ort:
Stumblin’In – in alter und neuer Version
Mila 18 – Leon Uris
Tel Aviv
Warum Jura?
Ehrlicherweise wollte ich zunächst Medizin studieren. Meine Vorstellung war aber damals, damit zu sehr auf ein Berufsbild festgelegt zu sein. Bei Jura hatte ich die Hoffnung, dass ich damit mehr berufliche Möglichkeiten habe. Das hat sich im Laufe der Zeit für mich auch tatsächlich bewahrheitet – ich habe schon mehrfach ganz neue berufliche Richtungen eingeschlagen. Hinzu kam aber auch, dass ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe und sehr gerne diskutiere. Auch das hat mich zum Jurastudium bewogen.
Zahl meiner Arbeitsstunden pro Woche:
Das kann ich so konkret gar nicht beziffern. Es gibt intensive Phasen und ruhigere Zeiten. Fußball findet bekanntlich vor allem am Wochenende statt, politische und institutionelle Termine sind oft abends. Daher sind die Arbeitszeiten eher flexibel.
Was mich aktuell umtreibt:
Die geopolitische Lage und die Vorbereitung auf die WM 2026 aus politischer Sicht.
An meinem Job mag ich:
Es wird wirklich nie langweilig. Die Themen, für die ich im DFB verantwortlich bin – von politischen und internationalen Beziehungen über gesellschaftliche Verantwortung, Fanbelange bis hin zum Bereich Sicherheit – sind extrem vielfältig. Hinzu kommen ganz unterschiedliche Formate: politische Gespräche, internationale Abstimmungen, strategische Prozesse oder die Organisation von Veranstaltungen. Seit Januar 2026 habe ich zudem neue Aufgabenbereiche und ein neu zusammengesetztes Team. Das bedeutet, dass ich ständig etwas dazulernen und mich weiterentwickeln darf. Und natürlich ist es einfach toll, dass ich im Fußball arbeiten kann – das war und ist meine große Leidenschaft.
An meinem Job nervt mich:
Dass komplexe Zusammenhänge oft stark vereinfacht oder emotional aufgeladen diskutiert werden – insbesondere, wenn es um Fußball, Politik und gesellschaftliche Verantwortung geht.
Wie politisch darf Sport sein?
Der Sport und gerade der Fußball sind sehr politisch. Der DFB z.B. hat täglich mit Politik zu tun – daher auch mein Job, in dem es sehr viel um Politische Beziehungen geht. Wir pflegen intensive Beziehungen zur Bundesregierung, zu den Ländern, zu internationalen und nationalen Sportverbänden sowie weiteren Institutionen. Und wir werden zu nahezu allen politischen Themen gefragt. Entscheidend ist dabei die parteipolitische Neutralität. Wir bevorzugen keine Partei und werben schon gar nicht für eine. Das bedeutet aber nicht, dass sich der Sport nicht positionieren oder in gesellschaftspolitische Debatten einmischen darf. Gerade wenn es um die in der Satzung verankerten Werte geht, ist es wichtig, auch aktiv für sie einzustehen.
Der VAR ist für den Fußball:
eine Methode, um den Fußball bzw. den jeweiligen Wettbewerb grundsätzlich gerechter zu machen. Aus Sicht vieler Fans verstehe ich aber auch, dass im Stadion das Warten auf eine mögliche Überprüfung manchmal Emotionen aus dem Moment nimmt.
Ein Gesetz, das ich schon einmal gebrochen habe:
Das Parkverbot. Nicht aus Prinzip, eher aus Zeitnot oder Verzweiflung aufgrund von akutem Parkraummangel in den Großstädten.
Meine letzte Frage an ChatGPT:
Bitte erstelle eine Reiseroute für einen 14-tägigen Urlaub in Südafrika mit Aufenthalt in Kapstadt und Stopps entlang der Garden Route.
Eine Idee zur Verbesserung der juristischen Ausbildung:
In meiner beruflichen Laufbahn habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich viel Grundwissen erlernt habe, aber die Vermittlung der praktischen Anwendung häufig komplett gefehlt hat. Damit ist man auf viele juristische Tätigkeiten – vor allem außerhalb der klassischen Berufe – eher unzulänglich vorbereitet. Ich gebe gerne ein konkretes Beispiel: Ich habe einige Jahre in einem Bundesministerium gearbeitet und konnte hier ein neues Gesetz mit erarbeiten. Hierzu hatte ich, was das Handwerk und die politischen Abläufe eines Gesetzgebungsverfahrens betrifft, in meiner Ausbildung eigentlich gar nichts gelernt – außer der entsprechenden Vorgaben aus dem Grundgesetz.
Eine Vorlesung, die Jura-Studierende auf keinen Fall schwänzen sollten:
Staatsorganisationsrecht oder Allgemeine Staatslehre – hier werden Grundlagen über den Staatsaufbau vermittelt, die nicht nur jeder kennen sollte, sondern für jede und jeden wichtig sind, der politische Prozesse verstehen will.
Diese Juristin oder diesen Juristen müssen die LTO-Leser kennenlernen:
Dr. Sonja Detlefsen! Sie ist gleichzeitig Rechtsanwältin, Coach und Krimiautorin. Ich bewundere ihre vielen Talente und ihre Fähigkeit, diese ganz verschiedenen Facetten wunderbar miteinander zu verbinden.
Mehr Most Wanted? Tom Braegelmann | Incoronata Cruciano | Joachim Ponseck | Marc Roberts | Maximilian Riege | Fatima Hussain | Anne Graue | Victoria Fricke | Ann-Kathrin Ludwig | Stephanie Beyrich | Christiane Eymers | Martina Rehman | Martina Flade | Saskia Schlemmer | Marco Buschmann | Neda Wysocki | Anosha Wahidi | Gregor Gysi | Dirk Wiese | Konstantin von Notz | Sabine Stetter | Katharina Humphrey | Jutta Otto | Hanno Kunkel | Alfred Dierlamm | Mohamad El-Ghazi | Jan Philipp Albrecht | Helene Bubrowski | Ali B. Norouzi | Naila Widmaier | Andrej Umansky | Tijen Ataoğlu | Philippos Botsaris | Ralf Leifeld | Holger Dahl | Herta Däubler-Gmelin | Volker Römermann | Jerry Roth | Sebastiaan Moolenaar | Eckart Brödermann | Dominique Grüter | Vivian Kube | Vera Keller | Ronska Grimm | Laurent Lafleur | Lydia Eppler | Die Übersicht mit allen bisher veröffentlichten Ausgaben finden Sie hier.
Köpfe: . In: Legal Tribune Online, 30.01.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59178 (abgerufen am: 18.02.2026 )
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