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13-Prozent-Edition: LTO Most Wanted mit Ana Bruder

von Stefan Schmidbauer

14.11.2025

Ana Bruder

Der Anteil der Frauen in den Equity-Partnerschaften der 100 umsatzstärksten Kanzleien in Deutschland liegt bei 13 Prozent. Ana Bruder ist eine von ihnen.

Ana Bruder über inspirierende Frauen, den Spagat zwischen Beruf und Privatleben und die Bedeutung von Soft Skills in der juristischen Ausbildung.

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Ana Hadnes Bruder ist Rechtsanwältin und Partnerin bei Mayer Brown. Aus dem Frankfurter Büro der Kanzlei heraus berät sie (in sechs Sprachen) mit einem Schwerpunkt auf Cybersecurity, Datenschutz und Technologierecht. Sie unterstützt Unternehmen bei der Vorbereitung und der Reaktion auf Cybersicherheitsvorfälle. Ein weiterer Fokus ihrer Arbeit liegt auf der Regulierung von Künstlicher Intelligenz. Bei Mayer Brown hat sie im August 2013 als Praktikantin angefangen, Anfang des Jahres 2023 wurde sie zur Partnerin ernannt.

Mein typischer Montag:

Kurz vor acht bringe ich die Kinder zur Schule – der Tag startet also mit viel Energie und ein bisschen Trubel. Danach gönne ich mir eine Stunde im Fitnessstudio, bevor ich mich voller Fokus ins Büro stürze. Dort geht es meist bis etwa 19 Uhr zur Sache. Abends kehrt dann Ruhe ein: gemeinsames Abendessen mit der Familie, Vorlesen, Kinder ins Bett bringen – danach arbeite ich in der Regel noch bis spät in die Nacht, meist bis etwa 23 Uhr.

Mein Getränk und meine Bar:

Frisch gepresster Orangensaft am Morgen, ein Glas Sekt oder Champagner am Abend – beides am liebsten bei Mona’s Weinbar im Westend, wo die Atmosphäre so spritzig ist wie die Getränke.

Ein Song, ein Buch, ein Vorbild:

Song: Heartbeats von José González – leise, ehrlich, tief.

Buch: The Mother of Your Mother’s Mother and Her Daughters von Maria José Silveira – ein literarisches Juwel, das Brasiliens Geschichte durch zwanzig Generationen von Frauen erzählt.

Vorbild: Meine Mutter ist und bleibt mein größtes Vorbild. Aber auch Frauen wie Frida Kahlo, J. K. Rowling, Taylor Swift, Ursula von der Leyen, Angela Merkel und Hilka Schneider inspirieren mich – jede auf ihre eigene Art stark, klug, mutig und resilient.

Ich habe Jura studiert, weil:

…ich in meiner Heimat Brasilien für diejenigen kämpfen wollte, die keine Stimme haben. Mein beruflicher Fokus hat sich inzwischen verschoben – mein soziales Engagement jedoch nie.

Das größte Plus in meinem Job:

Die attraktive Vergütung ist zweifellos ein Vorteil – doch noch wertvoller ist für mich, täglich mit außergewöhnlich talentierten Menschen aus aller Welt zusammenzuarbeiten.

Das größte Minus in meinem Job:

Die permanente Erreichbarkeit – insbesondere als Cyber Incident Response Counsel – kann herausfordernd sein. Trotzdem gelingt es mir, regelmäßig Zeit mit meiner Familie zu verbringen und bewusst abzuschalten.

Das Mandat, das mich bisher am meisten herausgefordert hat:

Mein erstes großes Cyber Incident Response Matter im Jahr 2021. Inmitten einer hochdynamischen Krisensituation musste ich in kürzester Zeit komplexe rechtliche und praktische Fragestellungen beraten – etwa, ob Beweissicherung oder Eindämmung des Vorfalls Priorität haben sollte, wenn beides nicht gleichzeitig möglich war. Eine Erfahrung, die mich geprägt hat und mich am besten vorbereitet hat auf die mehrere Breaches, die danach kamen!

Meine härteste berufliche Entscheidung:

2013 stand ich vor einer Lebenswegentscheidung: Nach meinem ersten Master und drei Jahren als Syndikusanwältin in Paris – zurück nach Brasilien oder Neuanfang in Deutschland? Ich wählte den Neuanfang. Heute weiß ich: Es war die richtige Entscheidung.

Ein gängiges Vorurteil zur Arbeit in Großkanzleien, das voll zutrifft:

Man arbeitet viel.

Anwalts- und Kanzleirankings finde ich:

Oft rätselhaft.

Die größte Hürde auf meinem Weg zur Partnerin:

Der Beweis, dass ich alles gleichzeitig schaffen kann: exzellente juristische Arbeit, erfolgreiche Mandatsakquise, Teamführung – und zugleich eine präsente, liebevolle Mutter sein. Es war herausfordernd, ist es noch immer, aber genau diese Vielfalt erfüllt mich zutiefst.

Was sich ändern muss, damit der Anteil der Equity-Partnerinnen in Großkanzleien steigt:

Mehr Kolleginnen müssen den Mut haben, den Schritt zu wagen. Mehr Väter sollten mehr Verantwortung zu Hause übernehmen. Und Führungskräfte – ob Männer oder Frauen – müssen echte Chancengleichheit nicht nur predigen, sondern leben – und fördern.

Künstliche Intelligenz ist für die Rechtsberatung:

Ein mächtiges Werkzeug. Bei verantwortungsvollem Einsatz steigert sie Effizienz und Präzision – ohne die juristische Qualität zu gefährden.

Ein Gesetz oder Paragraf, das/der dringend überarbeitet werden sollte:

Die Initiative zur Vereinfachung digitaler EU-Vorgaben – etwa in den Bereichen Datenschutz, Cybersicherheit und KI – ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch die Umsetzung bleibt komplex: Wirkliche Entlastung erfordert tiefgreifende Reformen, nicht nur kosmetische Änderungen.

Eine Idee zur Reform der juristischen Ausbildung:

Mehr Praxisnähe! Betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Soft Skills sollten fester Bestandteil der Ausbildung sein – sie sind im Berufsalltag oft ebenso entscheidend wie juristische Exzellenz.

 

Frauen sind auf der Partnerebene in Großkanzleien unterrepräsentiert. In den 20 umsatzstärksten Kanzleien am deutschen Markt liegt der Frauenanteil in den Equity-Partnerschaften bei 16 Prozent (Bericht der AllBright Stiftung), bei den Top 100 sind es 13 Prozent (Studie London School of Economics & Juve). 

Gestützt auf Empfehlungen aus der Branche widmet LTO Vertreterinnen dieser seltenen Art ein Most Wanted Spezial. Bereits erschienen sind auch die Ausgaben mit Verena Nosch (Freshfields), Laura Zentner (Greenberg Traurig), Alexandra Schluck-Amend (CMS), Chloé Lignier (Morgan Lewis & Bockius) und Anne Grewlich (Ashurst). Die Übersicht mit allen bisher veröffentlichten Ausgaben von Most Wanted finden Sie hier.

Beteiligte Kanzleien

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13-Prozent-Edition: . In: Legal Tribune Online, 14.11.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58575 (abgerufen am: 16.04.2026 )

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