13-Prozent-Edition: LTO Most Wanted mit Anne Grew­lich

von Stefan Schmidbauer

12.12.2025

Jura verbindet Präzision mit Wirkung, sagt Anne Grewlich. Sie erklärt, woran es dem deutschen Sachenrecht fehlt und verrät die größte Hürde auf ihrem Weg zur Partnerin.

Anne Grewlich ist Rechtsanwältin und Co-Managing Partnerin von Ashurst Deutschland. Sie leitet das europäische Global Loans und Global Markets Team der Kanzlei und berät insbesondere in den Bereichen Akquisitionsfinanzierung und Corporate Lending. Sie vertritt unter anderem Finanzinstitutionen, Debt Fonds, Private-Equity-Fonds und Unternehmen.

Mein typischer Montag:

Einen wirklich "typischen" Montag gibt es kaum – jeder Wochenstart bringt neue Dynamik. In der Regel beginne ich aber mit einem Ingwer-Shot, einem Ristretto und davor einer Pilates-Stunde. Danach telefoniere ich mit meinen Teammitgliedern, um die Woche zu planen. Viele E-Mails gibt es am Montag nicht mehr, weil ich bereits am Sonntagabend fast alles abgearbeitet habe.

Mein Getränk und meine Bar:

Rosé-Champagner – am liebsten in der Bar der Pariser Alten Oper. Das Ambiente dort ist perfekt.

Ein Song, ein Buch, ein Vorbild:

Ich habe keinen festen Lieblingssong. Morgens im Auto singe ich mit meinen Kindern Teenie-Lieder, aber eigentlich höre ich am liebsten Jazz und Bossa Nova – besonders beim Arbeiten, dezent im Hintergrund.

Ich bin sehr eklektisch. Ein echtes Buch (kein Kindle) fehlt nie auf mein Nachttisch. Ich mag historische Bücher, Krimis und Romane – am liebsten auf Französisch, meiner Muttersprache.

Ruth Bader Ginsburg.

Ich habe Jura studiert, weil:

…mich Sprache und Struktur gleichermaßen faszinieren. Jura verbindet Präzision mit Wirkung – das hat mich von Anfang an gereizt.

Das größte Plus in meinem Job:

Die Dynamik. Kein Tag gleicht dem anderen, und ich arbeite mit außergewöhnlich klugen Menschen an komplexen, internationalen Transaktionen.

Das größte Minus in meinem Job:

Echte Auszeiten sind selten. Wichtige Mandate kennen keine Uhrzeit – das spürt man abends und an so manchem Wochenende.

Das Mandat, das mich bisher am meisten herausgefordert hat:

Ein großvolumiges Restrukturierungsmandat mit mehrschichtiger Finanzierungsstruktur – mehrere Jurisdiktionen, enge Fristen und hohe Dynamik.

Meine härteste berufliche Entscheidung:

Mich von jemandem im Team zu trennen. Solche Entscheidungen bleiben persönlich schwierig, auch wenn sie sachlich richtig und notwendig sind.

Ein gängiges Vorurteil zur Arbeit in Großkanzleien, das voll zutrifft:

Dass hier viel gearbeitet wird. Ja, das stimmt. Aber wer Spaß an Tempo und Präzision hat, fühlt sich in diesem Umfeld erstaunlich wohl.

Anwalts- und Kanzleirankings finde ich:

Unterhaltsam. Wenn man vorne steht, freut man sich – aber sie ersetzen niemals Mandantenzufriedenheit.

Die größte Hürde auf meinem Weg zur Partnerin:

Sichtbarkeit. Leistung allein genügt nicht – man muss sie auch zeigen. Das kostet am Anfang Überwindung.

Was sich ändern muss, damit der Anteil der Equity-Partnerinnen in Großkanzleien steigt:

Frauen brauchen die gleichen Chancen und die gleichen Maßstäbe. Empowerment ja – Sonderbehandlung nein. Entscheidend ist Leistung, und dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

Künstliche Intelligenz ist für die Rechtsberatung:

Eine sehr nützliche Assistentin – schnell, fleißig, aber ohne Intuition. Entscheidungen trifft am Ende immer der Mensch.

Ein Gesetz oder Paragraf, das/der dringend überarbeitet werden sollte:

Das deutsche Sachenrecht. Im internationalen Vergleich ist es zu formalistisch und wenig flexibel. Bei grenzüberschreitenden Finanzierungen führt das regelmäßig zu unnötiger Komplexität – hier wäre mehr Pragmatismus wünschenswert.

Eine Idee zur Reform der juristischen Ausbildung:

Mehr Praxisnähe und internationale Perspektive. Studierende sollten früher lernen, wie Wirtschaft, Verträge und Recht ineinandergreifen – nicht erst im Referendariat. Sinnvoll wären verpflichtende praktische Ausbildungsstationen oder Clinic-Programme.

 

Frauen sind auf der Partnerebene in Großkanzleien unterrepräsentiert. In den 20 umsatzstärksten Kanzleien am deutschen Markt liegt der Frauenanteil in den Equity-Partnerschaften bei 16 Prozent (Bericht der AllBright Stiftung), bei den Top 100 sind es 13 Prozent (Studie London School of Economics & Juve). 

Gestützt auf Empfehlungen aus der Branche widmet LTO Vertreterinnen dieser seltenen Art ein Most Wanted Spezial, das mit dieser Ausgabe endet. Zuvor erschienen sind die Ausgaben mit Ana Bruder (Mayer Brown), Verena Nosch (Freshfields), Laura Zentner (Greenberg Traurig), Alexandra Schluck-Amend (CMS) und Chloé Lignier (Morgan Lewis & Bockius). Die Übersicht mit allen bisher veröffentlichten Ausgaben von LTO Most Wanted finden Sie hier.

Beteiligte Kanzleien

Zitiervorschlag

13-Prozent-Edition: . In: Legal Tribune Online, 12.12.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58650 (abgerufen am: 15.01.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
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