Hogan Lovells, Prevent und VW: Recher­chen oder Spit­zelei?

16.04.2018

Hogan Lovells gerät im Streit zwischen dem Autozulieferer Prevent und Volkswagen zwischen die Fronten. Die Kanzlei hat eine Detektei beauftragt, die laut einem Bericht der Bild am Sonntag Prevent-Mitarbeiter angeblich bespitzelt haben soll. 

Es ist ein teurer, bisweilen skurriler Konflikt: Ein langjähriger Lieferant großer Autobauer bekommt einen neuen Eigentümer, plötzlich hakt es bei der Zusammenarbeit, Verträge werden gekündigt. Nun könnte die Causa Prevent gegen Volkswagen sogar zur Kriminalgeschichte werden – mit Hogan Lovells in einer unrühmlichen Nebenrolle.

Die Kanzlei begleitet Volkswagen in dem erbitterten Streit mit Prevent. Ein Lieferstopp bei zwei Unternehmen der Gruppe nach einem gekündigten Auftrag hatte im August 2016 in mehreren VW-Fabriken die Bänder still stehen lassen, etwa in der Golf-Produktion des Stammwerks Wolfsburg. Und zwar trotz einstweiliger Verfügungen des Landgerichts Braunschweig, die zur Wiederaufnahme der Belieferung verpflichten sollten.

Man habe für VW in dem Zusammenhang "einen sehr professionellen und im Markt anerkannten Dienstleister" damit beauftragt, Recherchen über die Prevent-Gruppe durchzuführen, teilt Hogan Lovells gegenüber LTO mit. "In Krisensituationen gehört das zu den Kernaufgaben anwaltlicher Tätigkeit, ist üblich, legal und legitim."

Nach Informationen der Bild am Sonntag sollte die Detektei aus Berlin Informationen zu mehreren "Zielpersonen" bei Prevent zusammentragen. Dabei seien sogar Privatadressen von Mitgliedern der Eigentümer-Familie und aus dem Management ins Visier genommen worden.

VW und Hogan Lovells weisen die Vorwürfe zurück

Den Vorwurf, die Prevent-Mitarbeiter ausgespitzelt zu haben, weisen sowohl Volkswagen als auch Hogan Lovells vehement zurück. "Der Dienstleister sollte zu jeder Zeit möglichst offen und in unserem Namen auftreten und sämtliche Rechercheschritte schriftlich dokumentieren", betont die Sozietät. Er sei auch "unmissverständlich" angehalten worden, die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten. "Bis heute liegen keine Erkenntnisse vor, dass er sich daran nicht gehalten hat", so Hogan Lovells.

Prevent forderte unterdessen den neuen Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess auf, die Vorwürfe rasch zu untersuchen. "Im Sinne unserer Mitarbeiter und Partner müssen die Verantwortlichen umgehend und abschließend Klarheit schaffen", ließ das Unternehmen am Sonntag erklären. "Das Vorgehen von VW hat uns zutiefst schockiert, vor allem, weil offenbar auch das Privatleben von Mitarbeitern ausgeforscht wurde."

Hinter Prevent steht die bosnische Investorenfamilie Hastor, die mit der gescheiterten Machtübernahme beim Autozulieferer Grammer und ihrer Beteiligung am inzwischen insolventen Küchenhersteller Alno für Schlagzeilen gesorgt hatte. Sie betreibt ein weit verzweigtes, internationales Geflecht von Beteiligungen an verschiedenen Firmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Hogan Lovells mit Spitzel-Vorwürfen in Zusammenhang gebracht wird. Im Herbst 2017 berichtete zunächst das Handelsblatt, dass ein Partner der Sozietät dem Energieversorger EWE einen Detektiv empfohlen hatte, um einen Abteilungsleiter zu überwachen, mit dem das Unternehmen einen langwierigen Rechtsstreit führte. Der Detektiv befestigte dem Bericht zufolge rechtswidrig einen GPS-Sender am Auto des EWE-Mitarbeiters.

Die Überwachungsaktion flog auf und der EWE-Personalvorstand musste zurücktreten. Er verklagte Hogan Lovells wegen Falschberatung auf Schadensersatz. Die Kanzlei soll ihn nicht darauf hingewiesen haben, dass eine GPS-Überwachung illegal sei - dem widerspricht die Sozietät jedoch.

ah/LTO-Redaktion

mit Material von dpa

Beteiligte Kanzleien

Zitiervorschlag

Hogan Lovells, Prevent und VW: Recherchen oder Spitzelei? . In: Legal Tribune Online, 16.04.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/28079/ (abgerufen am: 21.09.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 16.04.2018 21:19, Volljuristin

    Es gehört zu den Kernaufgaben anwaltlicher Tätigkeit, Detektive zu beschäftigen? Haben die Kollegen zu viele schlechte TV-Krimis geschaut anstatt fürs Examen zu lernen oder sich mit Berufsrecht zu beschäftigen?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 17.04.2018 11:46, Potentieller Klient

      Sie sind anscheinend eine erfahrene Juristin in diesem Bereich. Wenn man zu dem Zeitpunkt der Beauftragung und Durchführung der „Recherche bzw. Beschattung“ Privatperson war und zu dem Kreis der 37 beschatteten Personen ist das doch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht legal was VW und Hogan Lovells gemacht haben und ist aus meiner Sicht Rufschädigung in hohem Maße. Wie sehen Sie das?

  • 17.04.2018 12:02, Potentieller Klient

    Und: Die vertraulichen Informationen und Dossiers der „Recherche“ von VW und Hogan Lovells hätten doch niemals an die Presse gelangen dürfen. Hier sind doch sowohl VW als auch Hogan Lovells in der vollen Haftung für alle Konsequenzen, die sich aufgrund der Veröffentlichung von Dossierdetails ergeben (Persönlichkeitsrechte, Privatsphäre et al)...ich warte mit großem Interesse auf die Ergebnisse der Untersuchung der Konzernrevision und der Konsequenzen daraus. Das Niedersächsische Parlament (u.a. FDP) verlangt mittlerweile auch volle Aufklärung der Vorgänge, demzufolge ist eine solche Beschattung im Privatbereich samt nachfolgender Veröffentlichung in der Bild am Sonntag kein „normaler Kerninhalt“ anwaltlicher Tätigkeit wie Sie es ebenfalls aus Ihrer beruflichen Expertise kommentieren.

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  • 23.04.2018 08:15, Dr. Peus

    Ahh ja, da liegt der Unterschied?? Wenn Siffi Journailli "investigativ" ermittelt, so ist das "gut" - auch insoweit als alle Siffis energisch darauf bestehen, dass sie kriminell aus Vertrauensbereichen heraustranpostierte Informationen straflos verwenden dürfen und - wg "Redaktionsgeheimnis" - auch nichts zu den Verbrechern zu sagen brauchen. Wenn aber wie hier ein "Unternehmen" - o wie schauderhaft für viele Siffis und Journaille-Getränkten des betreuten Denkens - selbst oder auftragsweise durch eine Rechtsanwaltskanzlei Sachverhalte ermitteln lässt - o wie empö! Von mehr als im Rahmen freier Erkundigungen aus öffentlichen Quellen, also völlig legal, ist bisher nicht die Rede. Wohl aber in der Wortwahl der Journaille-Siffis. Ausspähen, Ausspionieren, "ausspitzeln". Das ist so wie bei Zeitgeisti-Siffis "neutraler" Betreuung des Denkens: "Machthaber" eines "Regimes" - ob Siffi Zeitgeist das über Berlin sagt?

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