Druckversion
Samstag, 5.09.2026, 10:43 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/kanzleien-unternehmen/k/fresenius-kabi-giftspritze-hinrichtung-nebraska-berufung-gescheitert
Fenster schließen
Artikel drucken
30319

Streit um Wirkstoffe für Giftspritze: Fre­se­nius Kabi schei­tert auch mit Beru­fung

14.08.2018

Pharmazeutische Wirkstoffe

© Padmy - stock.adobe.com

Das Unternehmen wollte verhindern, dass ein Mörder in Nebraska mit einer Giftspritze hingerichtet wird, deren Wirkstoffe womöglich von dem Pharmahersteller stammen. Doch das Vorhaben scheiterte nun auch in der Berufungsinstanz.

Anzeige

Richard G. Kopf, der zuständige Richter am United States District Court für den Distrikt Nebraska, hatte die Klage des deutschen Pharmahersteller Fresenius Kabi in seinem erstinstanzlichen Urteil als "sehr seltsam" bezeichnet und sie in teils flapsigen, teils harschen Worten rundheraus abgelehnt. Der Entscheidung folgte am Montag auch die Berufungsinstanz, sodass der zweifache Mörder Carey Dean Moore wohl heute um 10 Uhr Ortszeit (17:00 Uhr deutsche Zeit) mit einer Giftspritze hingerichtet wird.

Zwei der vier Wirkstoffe, die für die tödliche Injektion verwendet werden, sollen von Fresenius Kabi stammen, behauptet das Unternehmen. Diese hätten sich die Behörden aber illegal beschafft, weil das Pharmaunternehmen keine Präparate an US-Behörden verkaufe, wenn diese für Hinrichtungen eingesetzt werden könnten. Fresenius Kabi beantragte deshalb, die Nutzung der Mittel zu unterlassen, zudem fordert das Unternehmen die Präparate von den Behörden zurück. Es argumentierte insbesondere damit, dass ihm ein irreparabler Imageschaden drohe, wenn seine Produkte für eine Hinrichtung eingesetzt würden.

Öffentliches Interesse überwiege Eigeninteresse von Fresenius Kabi

In erster Instanz hatte Richter Kopf den Antrag des Pharmaherstellers abgelehnt, weil er keine Erfolgsaussichten sah. Es sei unklar, ob die Wirkstoffe tatsächlich von Fresenius Kabi stammten. Die Behörden teilten außerdem nicht mit, woher oder von wem sie die Präparate haben. Zudemm hatte der Direktor der Justizvollzugsanstalt geschworen, dass sie rechtmäßig erworben worden seien, dass es keinen Vertrag mit Fresenius Kabi gebe oder gegeben habe, und dass die Vertriebskontrollen des Herstellers auch nicht umgangen worden seien.

Das genügte dem Richter der Vorinstanz: Auch wenn Fresenius Kabi durch die Hinrichtung womöglich einen Imageschaden erleiden könnte, sei das öffentliche Interesse weitaus größer als das Eigeninteresse des Unternehmens. Würde Moore nicht hingerichtet, wäre der Wille des Volkes verletzt, schrieb er in dem Urteil. Auch weil es um "das Funktionieren einer Demokratie" gehe, lehnte er es ab, die Hinrichtung abzusagen oder aufzuschieben. Fresenius Kabi ging in Berufung, blieb jedoch ohne Erfolg, denn die zweite Instanz folgte im Wesentlichen den Ausführungen der ersten.

Denkbar wäre nun noch, dass sich das Unternehmen an den Supreme Court wendet. Doch das will es laut amerikanischen Medienberichten nicht tun. Damit wird in Nebraska am Dienstag wohl zum ersten Mal seit 21 Jahren wieder die Todesstrafe vollstreckt. Der Verurteilte Carey Dean Moore hatte 1979 zwei Taxifahrer getötet. Er sitzt seit knapp 40 Jahren in der Todeszelle und hatte seine Anwälte angewiesen, nichts mehr gegen seine Hinrichtung, die bereits mehrfach verschoben worden war, zu unternehmen.

ah/LTO-Redaktion

Anzeige
  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Streit um Wirkstoffe für Giftspritze: . In: Legal Tribune Online, 14.08.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/30319 (abgerufen am: 05.09.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Strafrecht
    • Todesstrafe
    • USA
Tupac Shakur in seiner Rolle als Ezekiel 'Spoon' Whitmore im Film Gridlock'D. 01.09.2026
Mord

Mord an Rapper Tupac Shakur:

Mut­maß­li­cher Draht­zieher schuldig gespro­chen

Der Mord an dem Rapper Tupac Shakur schockierte 1996 die Öffentlichkeit - und warf viele Fragen auf. 30 Jahre später haben die Geschworenen ihr Urteil gefällt.

Artikel lesen
Ein Handy, auf dem die Apps der Meta-Angebote Facebook und Instagram zu sehen sind 27.08.2026
Social Media

Vergleich in den USA:

Meta zahlt 17 Mil­li­arden Dollar im Streit um Social-Media-Sucht

Mehrere US-Bundesstaaten werfen dem Meta-Konzern vor, Kinder nach Instagram und Facebook süchtig gemacht zu haben. Meta weist das zurück – und schon eine Woche nach Prozessbeginn kommt es zu einem milliardenschweren Vergleich.

Artikel lesen
Mitarbeiter des Wahlamts sortieren die per Briefwahl eingegangenen Stimmzettel für die Vorwahlen in Kalifornien. 25.08.2026
Wahlrecht

Streit um Briefwahl in den USA:

Trumps Dekret wirkt vor­läufig weiter

Ein amerikanisches Bundesgericht hatte Trumps Pläne gestoppt, die Regeln für die Briefwahl in den USA zu verschärfen. Nun hat der Supreme Court diese einstweilige Verfügung aufgehoben. Eine Entscheidung in der Sache steht jedoch noch aus.

Artikel lesen
Meta-Chef Mark Zuckerberg verlässt umringt von Begleitern ein Gerichtsgebäude. 19.08.2026
Metaverse

US-Bundesstaaten klagen gegen Metas App-Design:

Machen Face­book und Ins­ta­gram Kinder süchtig?

Zahlreiche US-Bundesstaaten werfen Meta vor, seine Plattformen gezielt suchtfördernd gestaltet zu haben. Der Prozess könnte Milliarden kosten und zentrale Funktionen verändern. Auch für Deutschland ist er relevant. 

Artikel lesen
IStGH-Präsidentin Tomoko Akane bei einem Pressegespräch nach einem Treffen mit dem Unterausschuss für Menschenrechte des Europäischen Parlaments 19.08.2026
Politik

US-Sanktionen gegen IStGH-Präsidentin Akane:

"Fron­tal­an­griff auf das Völ­ker­straf­recht"

US-Außenminister Rubio hatte eine "umfassende Kampagne" angekündigt, jetzt wird es ernst: Die Sanktionen treffen Präsidentin Tomoko Akane und einen leitenden Prozessanwalt. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig findet deutliche Worte.

Artikel lesen
Wahlhelferinnen und Wahlhelfer in den USA sortieren Briefwahlunterlagen an einer Wahlurne. 12.08.2026
USA

US-Gericht stoppt Trumps Briefwahl-Dekret:

Die Post darf nicht zum Wahl­kon­trol­leur werden

Trump will die Briefwahl noch vor den Midterms verschärfen. Eine Bundesrichterin in Boston stoppt seine Pläne nun in allen 50 Bundesstaaten. In den USA geht es bei Wahlen immer auch um Macht zwischen Präsident, Staaten und Gerichten.

Artikel lesen
ads lto paragraph
ads Transfermarkt people
lto karriere transfermarkt logo

Ihre Transfermeldung – Sichtbar. Relevant. Reichweitenstark.

Jetzt eintragen!
ads lto paragraph
ads lto arrow
lto karriere transfermarkt logo

Den nächsten Karriereschritt feiern – mit einer Meldung im LTO Transfermarkt.

Jetzt eintragen!
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Redeker Sellner Dahs
Rechts­an­wäl­tin / Rechts­an­walt im Ar­beits­recht (m/w/d) – Stand­ort...

Redeker Sellner Dahs, Bonn

Logo von Klinikum Region Hannover GmbH
Spe­zia­list*in Com­p­li­an­ce (m/w/d)

Klinikum Region Hannover GmbH, Han­no­ver

Logo von Flick Gocke Schaumburg
Rechts­an­walt (m/w/d) Cor­po­ra­te / M&A

Flick Gocke Schaumburg, Bonn

Logo von Noerr
(Se­nior) As­so­cia­te In­tel­lec­tual Pro­per­ty (w/m/d)

Noerr, Mün­chen

Logo von Becker Büttner Held
Wirt­schafts- bzw. Di­p­lom­ju­rist (m/w/d)

Becker Büttner Held, Ham­burg

Logo von Stadt Wilhelmshaven
Stadt­rat/Stadträ­tin (m/w/d)

Stadt Wilhelmshaven, Wil­helms­ha­ven

Logo von Wolters Kluwer
Ju­rist als Pro­dukt­ma­na­ger im Be­reich Con­tent - In­sol­venz­recht /...

Wolters Kluwer, Hürth

Logo von Gleiss Lutz
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­beit (m/w/d) Ar­beits­recht

Gleiss Lutz, Ber­lin

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Vorbehaltene Rechte des Übergebers und deren richtige Besicherung

14.09.2026

UpDate: Fristverlängerungsanträge – Berufungsbegründung – aktuelle Rechtsprechung des BGH

14.09.2026

Bauturbo und Gebäude-E-Gesetz

14.09.2026

Erfolgreiche Vertretung im Familienrecht: Sozialrechtliches Praxiswissen

14.09.2026

Vom Bürgergeld 2025 zum Grundsicherungsgeld 2026: Der Einkommens- und Vermögensschutz im SGB II

14.09.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH