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Karriere in der Kanzlei: Mit dem Mut zu schei­tern

von Tanja Podolski

09.01.2017

Constanze Ulmer-Eilfort

Constanze Ulmer-Eilfort ist eine der wenigen Managing Partnerinnen in Deutschland. Als Ausnahmeerscheinung will sie sich nicht sehen, eher als "role model". Als solches sagte sie LTO, worauf es für Frauen mit Karriereambitionen ankommt.

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Constanze Ulmer-Eilfort hat offenbar vieles richtig gemacht: Nachdem sie die Familienplanung schon im Studium begonnen hatte, begann sie als zweifache Mutter 1994 bei Baker McKenzie. Und schaffte als weltweit erste Frau bei Baker aus der Teilzeit heraus den Sprung in die Equity-Partnerschaft.

Sie machte schon 1989 den Master of Law an der University of Pennsylvania in Philadelphia und promovierte 1993 an der Freien Universität Berlin. Heute sind die zwischenzeitlich drei Kinder aus dem Haus und Ulmer-Eilfort ist Managing Partnerin der deutschen und österreichischen Büros von Baker McKenzie, einer der weltweit größten internationalen Kanzleien. In ihrer Funktion als Managing Partnerin wurde sie bereits wiedergewählt und im gleichen Jahr als Managerin of the year ausgezeichnet.

Constanze Ulmer-Eilfort hatte mit einer 80-Prozent-Stelle bei Baker McKenzie angefangen. Die internationale Sozietät wollte sie als Anwältin in ihren Reihen haben, so dass sie ihr die Teilzeitstelle angeboten hat – für sie damals überraschend. Sie begann damit in einer Kanzlei, in der es lediglich zwei weitere Frauen gab, unter ca. 30 männlichen Anwälten in Deutschland.

Klare Signale setzen

Als junge Anwältin arbeitete sie vier Tage, freitags war sie nicht im Büro. An den anderen Tagen war sie voll einsetzbar, setzte sich - wie viele Anwälte, egal ob männlich oder weiblich - abends noch einmal zu Hause an den Schreibtisch, wenn es notwendig war.

Nach der Geburt ihres dritten Kindes nahm sie sich eine sechsmonatige Auszeit. "Ich habe allerdings, als ich gegangen bin, meine Pläne klar kommuniziert ", sagt die Juristin. Sie würde wiederkommen, nach sechs Monaten, wiederum mit den 80 Prozent ihrer Arbeitszeit. Es sei ganz wichtig für die weitere Karriere, das Signal klar zu setzen, dass Arbeitgeber und Kollegen auf sie bauen können.

Inzwischen hat Baker Teilzeitmodelle aufgesetzt und fördert flexible Arbeitszeiten. "Das gab es damals noch nicht", sagt sie. Damals wie heute aber seien eine langfristige Auszeit und eine niedrigere  Stundenanzahl problematisch für die Karriere, "da darf man sich nichts vormachen", sagt Ulmer-Eilfort. Es sei einfach schwierig, sich mit 50 Prozent einen Namen zu machen. Nur die festen Stunden zu machen, und ansonsten nicht erreichbar zu sein, sei auch kein empfehlenswertes Modell für Anwältinnen und Anwälte, die Familie und Karriere vereinbaren wollen. "Wir müssen uns fragen, was wir wirklich wollen", so die Anwältin.

Schwierig sind vor allem 'die anderen'

Für sie hat sich die Frage nie ernsthaft gestellt. Auch wenn über viele Jahre fast ihr gesamtes Gehalt in die Betreuung der Kinder geflossen sei. Die Familie habe sich immer Kindermädchen geleistet, "die waren teuer, aber das hat sich gelohnt". Sie habe dennoch nicht eine Ballettaufführung verpasst und sei bei allen Kindern auch in den Elternbeiräten der Schule gewesen. "Solange die Kinder wissen, dass sie die erste Priorität sind, war das für uns so in Ordnung", sagt sie heute. Schwierig seien weniger die Kinder oder ihr eigenes Gefühl bezüglich ihrer Entscheidung gewesen, Job und Familie haben zu wollen. "Schwierig waren vor allem 'die anderen'".

Die anderen, das waren auch die Kollegen, schon als sie sich zur Wahl für die Equity-Partnerschaft stellte. Die Männer fanden vermeintlich gute Worte für die junge Anwältin: Sie habe die Vollpartnerschaft doch gar nicht nötig und vielleicht wäre der Arbeitsanfall dann doch zu belastend. "Man muss Mut haben, einen Schritt ins Ungewisse zu tun", sagt sie heute, "einen Schritt, von dem man nicht weiß, ob er funktioniert".

Dabei gehe es vor allem auch um den Mut, zu scheitern. Und darum, sich zu fragen, was genau ein Scheitern überhaupt wäre: "Wenn ich die Wahl in die Partnerschaft nicht geschafft hätte? Dann vielleicht zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Oder wenn ich die Belastung in der Equity-Partnerschaft nicht ausgehalten hätte? Dann wäre es meine Entscheidung gewesen, mein Leben und meine Karriere in eine andere Richtung zu lenken."

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  • Seite 1:

    "Pläne klar kommunizieren"

  • Seite 2:

    "Aufhören, einander das Leben schwer zu machen"

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Zitiervorschlag

Tanja Podolski, Karriere in der Kanzlei: . In: Legal Tribune Online, 09.01.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21692 (abgerufen am: 06.02.2026 )

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