Druckversion
Freitag, 5.12.2025, 17:23 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/kanzleien-unternehmen/k/brandi-gauselmann-lg-bielefeld-12o12016-hausverbot-spielsuechtige-spielhalle
Fenster schließen
Artikel drucken
22536

Brandi für Gauselmann erfolgreich vor LG Bielefeld: Kein Haus­verbot für Spiel­süch­tige

31.03.2017

Dr. Kevin Kruse

Kevin Kruse

Spielsüchtige haben in NRW keinen Anspruch auf ein Hausverbot in Spielotheken, entschied das LG Bielefeld am Donnerstag. Der Fachverband Glücksspielsucht hatte gegen den Spielhallenbetreiber Gauselmann, vertreten durch Brandi, geklagt.

Anzeige

Gauselmann betreibt bundesweit die "Casino Merkur-Spielotheken", 76 davon gibt es in NRW. Der Fachverband Glücksspielsucht (FAGS) hatte von dem Unternehmen verlangt, Spielsüchtigen auf deren eigenen Antrag hin zum Selbstschutz den Zutritt zu verweigern. 

Nach Ansicht des Landgericht (LG) Bielefeld fehlt dafür allerdings in Nordrhein-Westfalen die gesetzliche Grundlage (Urt. v. 30.03.2017; Az.: 12 O 120/16). Es wies die Klage des Verbands deshalb ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Gesetzliche Grundlage für Geldspielautomaten ist der bundesweit gültige Glücksspielstaatsvertrag. Andere Bundesländer beschreiben in Ausführungsgesetzen, welche Regeln für Selbstsperren in Spielhallen gelten. In NRW fehlt eine solche Regelung, der Gesetzgeber des Bundeslandes ermöglicht allerdings Selbstsperren für Lotto-Spieler und Besucher der staatlichen Spielcasinos.

Gauselmann hatte in der mündlichen Verhandlung am 7. März auch Datenschutzbedenken geäußert. Das Hausverbot hätte entsprechende Zutrittskontrollen wie bei Spielbanken oder Spielcasinos erforderlich gemacht, bei denen die Ausweise der Besucher geprüft und mit Spielerlisten abgeglichen werden müssen. Alternativ will das Unternehmen nach und nach seine 76 Spielotheken in NRW mit einer automatischen Gesichtserkennung ausstatten. Dabei werden zu junge oder gesperrte Spieler beim Durchgang durch eine Schleuse erkannt und ausgeschlossen. In Baden-Württemberg ist das Konzept bereits umgesetzt.

"Die Klage wurde zwar abgewiesen, aber wir fühlen uns trotzdem als Sieger", sagt die Vorsitzende des FAGS, Ilona Füchtenschnieder. Nach ihren Angaben gibt es in Nordrhein-Westfalen 40.000 bis 50.000 Spielsüchtige. Das Urteil zeige auf, dass die Politik jetzt reagieren müsse, um die entsprechenden juristischen Grundlagen für eine freiwillige Sperre zu schaffen, sagte die Vorsitzende. Der Verband will nun die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, um weitere Schritte zu prüfen.

Die Gauselmann-Gruppe wurde in dem Verfahren von einem Team von Brandi Rechtsanwälte unter Federführung von Dr. Kevin Kruse wettbewerbsrechtlich beraten und vertreten. Die Bielefelder Kanzlei vertritt Gauselmann laufend u.a. in datenschutzrechtlichen, gesellschaftsrechtlichen und wettbewerbsrechtlichen Angelegenheiten. Die Vertreter des FAGS waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht bekannt.

dpa/ah/LTO-Redaktion

Beteiligte Kanzleien

Bran­di Rechts­an­wäl­te

Beteiligte Personen

Brandi Rechtsanwälte für Gauselmann-Gruppe:

Dr. Kevin Kruse, Partner, Wettbewerbsrecht, Prozessvertretung, Bielefeld

Achim Heining, Partner, Glückspielrecht, Bielefeld

Dr. Jörg Niggemeyer, Partner, Glückspielrecht, Bielefeld

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Brandi für Gauselmann erfolgreich vor LG Bielefeld: . In: Legal Tribune Online, 31.03.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/22536 (abgerufen am: 07.12.2025 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Glücksspiel
    • Kanzleien in der Region West
    • Verfahren
  • Gerichte
    • Landgericht Bielefeld
Videoverhandlung beim LG München 17.09.2025
Zivilprozess

Masseverfahren, Versäumnisurteile und verpasste Chancen:

Vide­o­ver­hand­lung – eine Reform ohne Wir­kung

Massenverfahren belasten die Justiz durch hohe Klagezahlen, überflüssige Verhandlungen und Verzögerungstaktiken. Carl Christian Müller und Bennet Roßbach werfen einen kritischen Blick auf die Reform des § 128a ZPO.

Artikel lesen
Sachsens Justizministerin Constanze Geiert 30.05.2025
Rechtsstaat

Jumiko-Vorsitzende zur Überlastung der Justiz:

"Pakt für den Rechts­staat muss kommen, so sch­nell es geht"

Sachsens Staatsministerin der Justiz Constanze Geiert (CDU) leitet die kommende Frühjahrskonferenz der Justizminister. Mit LTO sprach sie vorab über Maßnahmen zur Justizentlastung, ein AfD-Parteiverbot und die Gefährlichkeit von Cannabis.

Artikel lesen
Politiker auf dem Weg zur Bekanntgabe des Koalitionsvertrages 10.04.2025
Koalitionsvertrag

Wechsel der Verfahrensgrundsätze im Asylrecht im Koalitionsvertrag:

Der Richter vor dem leeren Blatt

Die neue Bundesregierung will in Asylverfahren den Amtsermittlungsgrundsatz durch den Beibringungsgrundsatz ersetzen. Viele Richter blieben gelassen, es biete sich ein breites Spektrum an Ausgestaltungen. Andere sind alarmierter.

Artikel lesen
Politiker diskutieren Pläne zur Finanzierung neuer Richterstellen, um die Justiz effizienter zu gestalten und dringend benötigte Ressourcen bereitzustellen. 26.03.2025
Justiz

Was Schwarz-Rot für die Justiz plant:

300 Mil­lionen für neue Rich­t­er­s­tellen

Ein neuer Pakt für den Rechtsstaat soll 3.000 Justizstellen finanzieren, Digitalisierung und KI-Einsatz voranbringen sowie Verfahren beschleunigen. Die Koalitionsverhandlungen laufen zwar noch, aber ein gewisser Konsens scheint absehbar.

Artikel lesen
Bundesgerichtshof 27.09.2024
BGH

Orientierung für Instanzgerichte:

Neues Lei­t­ent­schei­dungs­ver­fahren für den Bun­des­ge­richtshof

Juristische Streitigkeiten, die viele Leute betreffen, landen früher oder später oft ohnehin beim Bundesgerichtshof. Nach einem neuen Verfahren darf der jetzt früher als bisher Leitlinien für die unteren Instanzen vorgeben.

Artikel lesen
Tipico-Filiale 25.07.2024
Sportwetten

BGH legt dem EuGH vor:

Muss Tipico ver­zockte Wett­ein­sätze zurück­zahlen?

Mit Spannung haben Teilnehmer von Glücksspielen, die Tausende Euro verloren haben, auf ein höchstrichterliches Urteil zu Rückzahlungen bei unerlaubten Sportwetten gewartet. Sie müssen sich jetzt weiter gedulden.

Artikel lesen
ads lto paragraph
ads Transfermarkt people
lto karriere transfermarkt logo

Ihre Transfermeldung – Sichtbar. Relevant. Reichweitenstark.

Jetzt eintragen!
ads lto paragraph
ads lto arrow
lto karriere transfermarkt logo

Den nächsten Karriereschritt feiern – mit einer Meldung im LTO Transfermarkt.

Jetzt eintragen!
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Voll­ju­rist*in­nen (w/m/d)

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung , Bonn

Logo von Dentons
Re­fe­ren­dar (m/w/d) Ar­beits­recht

Dentons , Düs­sel­dorf

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Han­no­ver

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Ver­den (Al­ler)

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle

Logo von Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)
Re­fe­ren­tin­nen / Re­fe­ren­ten (Voll­ju­ris­tin­nen / Voll­ju­ris­ten) (m/w/d)

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) , Ro­s­tock

Logo von Hogan Lovells International LLP
Rechts­an­wäl­tin/Rechts­an­walt (w/m/d) Bank- und Ka­pi­tal­markt­recht/Debt...

Hogan Lovells International LLP , Frank­furt am Main

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Digitale Kamingespräche: Aus der Höhenluft der Ivy League zurück nach Good Old Europe?

17.12.2025

Aktuelles Arbeitsrecht und Betriebsverfassungsrecht

16.12.2025

Risikoorientierte Bilanzanalyse für Juristen (5 Zeitstunden)

16.12.2025

Miet- und Bauprozessrecht III – Besondere Verfahrensarten und elektronischer Rechtsverkehr

16.12.2025

Strafbarkeits- und Haftungsrisiken von Organen jur. Personen & faktischer Geschäftsführer

16.12.2025

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH