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Anwaltshonorare in den USA: Guter Rat wird immer teurer

von Dr. Anja Hall

25.05.2016

Von diesen Honoraren können deutsche Anwälte nur träumen: US-amerikanische Unternehmen bezahlen ihren Kanzleien bis zu 2.000 Dollar pro Stunde, heißt es in einer aktuellen Studie.

Wenn es um Mandate geht, bei denen die Zukunft des Unternehmens auf dem Spiel steht, ist den General Counsel in den USA offenbar keine Honorarforderung zu hoch. 2015 bezahlten sie ihren Anwälten einen Spitzenstundensatz von 2.000 US-Dollar, wie eine Umfrage des Beratungsunternehmens BTI Consulting ergeben hat. Das ist ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr, damals lag der höchste aufgerufene Stundensatz bei 1.600 Dollar.

Diese Spitzenhonorare werden bezahlt für Beratung im Zusammenhang mit Grundlagenpatenten, bei Rechtsstreitigkeiten nach großen M&A-Transaktionen, großangelegten behördlichen Untersuchungen oder wenn Verteidigungsstrategien gegen Angriffe von Hedge-Fonds gefragt sind.

Durchschnittliche Honorare steigen

Zwar sind es laut BTI nur wenige Unternehmen, die derart hohe Sätze bezahlen, doch auch in der Breite steigen die Spitzensätze: 59 Prozent der Corporate Counsel in Großkonzernen zahlen mindestens einer Kanzlei 1.000 Dollar pro Stunde als Höchstsatz – im Vorjahr waren es nur 39 Prozent. Im Durchschnitt liegen die höchsten Stundensätze nach Abzug aller Rabatte in den befragten Konzernen bei 982 Dollar. Das ist ein deutlicher Zuwachs gegenüber 2013, als der Spitzensatz bei 909 Dollar lag.

Bei mittelständischen US-Unternehmen mit Umsätzen zwischen 50 und 750 Millionen Dollar liegen die höchsten Honorare nach Berechnungen von BTI immerhin noch bei 862 Dollar pro Stunde, sie werden vor allem für transaktionsbezogene Beratung aufgerufen.

Die Dienstleistung muss stimmen

Wenn die General Counsel derart tief in die Tasche greifen, erwarten sie von ihren Anwälten vor allem eines: eine herausragende Dienstleistung. Die Anwälte sollen ein hohes Verständnis für das Geschäft ihres Mandanten aufbringen, sie sollen schnell und klar erfassen, wie groß das Risiko einer Rechtsfrage für das Unternehmen ist – und sie sollen die Lösung für das Problem möglichst schnell finden und klar durchdringen. Die bestbezahlten Anwälte zeigen zudem einen überdurchschnittlich hohen Einsatz während der Mandatsbearbeitung und sind dazu bereit, Strategien und Handlungsoptionen schon zu diskutieren, bevor sie überhaupt mandatiert werden.

BTI hat für die Umfrage im vergangenen Jahr 322 Chief Legal Officers und General Counsel bei Fortune-1.000-Unternehmen und in großen Organisationen befragt. Demnach haben große US-Unternehmen im Jahr 2015 durchschnittlich 19,6 Millionen Dollar für Rechtsberatung durch externe Kanzleien ausgegeben, die Summe dürfte nach Schätzungen von BTI in diesem Jahr gleich hoch liegen.18 bis 30 Prozent davon werden für die Beratung in hochkomplexen Mandaten ausgegeben. Große Unternehmen geben in der Regel mehr Geld für dieses High-End-Geschäft aus als kleinere Firmen.

Die größten Auftraggeber der Kanzleien sind Unternehmen der Branchen Financial Services, Pharma, Telekommunikation und Gesundheitswesen.

Zitiervorschlag

Anja Hall, Anwaltshonorare in den USA: Guter Rat wird immer teurer . In: Legal Tribune Online, 25.05.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/19467/ (abgerufen am: 16.10.2019 )

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