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Anwaltsberuf: Gesund bleiben, auch wenn es stressig wird

von Ass. jur. Carmen Schön

23.10.2017

Gestresste Anwältin

© kite_rin - stock.adobe.com

Lange Arbeitstage, ständiger Termin- und Umsatzdruck: Anwälte haben einen anstrengenden Job. Warum es wichtig ist, auf die Gesundheit zu achten und mit welchen kleinen Schritten das gelingen kann, erklärt Juristencoach Carmen Schön.

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Die Gesundheit ist eine der vier Säulen unseres Lebenshauses – neben dem Beruf, unseren sozialen Kontakten und dem Lebenssinn. Ohne Gesundheit würde dieses Lebenshaus also einstürzen oder zumindest instabil werden. Deswegen sollten wir auch im Berufsleben den Faktor Gesundheit ernst nehmen. Das wird in der Leistungskultur vieler Großkanzleien allerdings häufig nicht so gesehen - und daran ändern auch die Rudermaschine im Büro oder der Fitnessraum in den Kanzleiräumen nichts.

Anwälte gehören, wie beispielsweise auch Ärzte, zu den gefährdeten Berufsgruppen, denn sie haben in der Regel eine hohe Arbeitsbelastung und sind vielen Stressoren ausgesetzt. Um die Leistungsfähigkeit zu erhalten, wird deshalb häufig zu Tabletten oder Alkohol gegriffen. Nicht zuletzt mit dem Einzug der Generation Y in die Kanzleien kehrt dort aber auch ein höheres Gesundheitsbewusstsein ein. Denn diese Gruppe legt Wert darauf, engagiert zu arbeiten und sich dennoch dabei wohl zu fühlen.

Auf erste Anzeichen achten

Wer im stressigen Alltag seine Gesundheit erhalten will, sollte auf kleine Anzeichen achten. Ein erstes Alarmsignal kann ein Ess- oder Trinkverhalten sein, das sich langsam verändert. Hat man tagsüber viel Stress, tendiert man dazu, sich abends "etwas zu gönnen". Wer aber nicht mehr entspannen kann, ohne jeden Abend eine Flasche Wein zu trinken, oder wer plötzlich ständig Schokolade und Torte essen "muss", der sollte sich überlegen, ob noch alles in Ordnung ist oder ob es an der Zeit wäre, gegenzusteuern.

Leitfragen, die man sich dabei stellen kann, sind beispielsweise: Was heißt Gesundheit für mich? Was brauche ich, um mich gesund zu fühlen? Woran erkenne ich, dass ich gesund bin? Um den Gesundheitszustand zu visualisieren, kann man wie bei einem Fieberthermometer mit Skalen arbeiten: Grün bedeutet, dass alles in Ordnung ist; gelb ist die Warnstufe und rot das Alarmsignal.

Besprechungskekse meiden, Kaffeekonsum reduzieren

Ernährung, Pausen, Bewegung – das sind die drei klassischen Faktoren, mit denen jeder einzelne seine Gesundheit erhalten kann. Dabei hilft es, sich altbekannte Tipps immer wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Wenn Sie auf Ihre Ernährung achten wollen, dann lassen Sie beispielsweise in Besprechungen den unvermeidlichen Keksteller links liegen. Warum sollte man bei Meetings nicht auch Fruchtriegel oder Obst auftischen? Reduzieren Sie auch Ihren Kaffeekonsum: Mehr als zwei bis vier Tassen pro Tag sollten es nicht sein. Wenn Sie Kaffee trinken, dann zelebrieren Sie es: Genießen Sie ihn etwa nachdem Sie einen Schriftsatz abgeschlossen oder drei Stunden hoch konzentriert gearbeitet haben. Trinken Sie Kaffee nicht nebenbei oder um den Durst zu stillen - dafür eignen sich Wasser oder Tee besser.

Regelmäßige Pausen

Achten Sie darauf, Pausen als Brücken in Ihren Alltag zu integrieren. Arbeiten Sie nicht durch, sondern machen Sie eine Mittagspause. Gehen Sie an die frische Luft und essen Sie etwas Leichtes. Vielleicht gehen Sie auch einmal ohne Kollegen raus, setzen sich in die Sonne und trinken gemütlich einen Kaffee.

Es muss aber nicht immer eine lange Pause sein - auch wenige Minuten zwischendurch reichen für eine kurze Entspannung. Schaffen Sie sich dazu störungsfreie Zonen: Schließen Sie die Tür zu Ihrem Büro und besinnen Sie sich kurz auf sich selbst. Oder treten Sie ans Fenster und schauen Sie hinaus, um den Blick zu weiten.

Doch auch lange Pausen sind wichtig: Machen Sie Ihre Urlaubsansprüche geltend! Nutzen Sie die freie Zeit aber dann auch dazu, sich zu regenerieren. Unternehmen Sie nicht eine Kulturreise nach der anderen, sondern lassen Sie einfach mal nur die Seele baumeln.

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Nicht still sitzen

Bewegung ist im Gesundheits-Selbstmanagement wichtig, weil sie beim Stress-Abbau hilft. Wer konzentriert arbeitet, sitzt allerdings häufig für lange Zeit fast reglos am Schreibtisch. Unterbrechen Sie diese Zeiten und bewegen Sie sich bewusst, etwa indem Sie zum Drucker oder zur Kaffeemaschine gehen. Vielleicht lassen Sie sich an die kurzen Bewegungspausen auch erinnern: Fitness-Uhren beispielsweise schlagen Alarm, wenn man sich eine Stunde lang nicht bewegt hat. Generell gilt: Steigen Sie Treppen, vermeiden Sie den Aufzug. Nutzen Sie in Ihrem Büro möglichst einen Stehtisch und einen ergonomischen Schreibtischstuhl.

Überlegen Sie sich außerdem, wie Sie ein regelmäßiges Sportprogramm in den Alltag integrieren können. Gibt es in Ihrer Kanzlei eine Laufgruppe oder eine Kooperation mit einem Fitness-Studio in der Nähe? Um den inneren Schweinehund zu überwinden, könnten Sie einer Sportgruppe beitreten oder selbst eine gründen. Denn wenn man sich mit Kollegen oder Freunden verabredet, ist man in der Pflicht. Tragen Sie sich Ihr Sportprogramm auch als festen Termin in den Kalender ein.

Es sind viele kleine Stellschrauben, an denen jeder drehen kann, der seine Gesundheit erhalten will. Das erfordert sicherlich ein hohes Maß an Selbstdisziplin – aber das sollte es uns im Eigeninteresse Wert sein.

Die Volljuristin und ehemalige Rechtsabteilungsleiterin Carmen Schön berät Rechtsanwälte, Unternehmensjuristen und Wirtschaftskanzleien bei Fragen zur strategischen Ausrichtung, Marktpositionierung, Akquise und Ausbau von Mandanten sowie der Mitarbeiterführung.

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Carmen Schön, Anwaltsberuf: . In: Legal Tribune Online, 23.10.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/25163 (abgerufen am: 12.05.2026 )

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