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Abgasaffäre: Staats­an­wälte und Poli­zisten durch­su­chen Por­sche

18.04.2018

Am Mittwochvormittag rückten Staatsanwaltschaft und Polizei in einer großen Razzia bei Porsche an. Es wurden insgesamt zehn Objekte des Autobauers durchsucht – wegen Betrugsverdacht im Zusammenhang mit der Dieselaffäre.

Insgesamt 33 Staatsanwälte – 30 aus Stuttgart und drei aus München – durchsuchten mit 160 Einsatzkräften Räume des Autobauers Porsche in Baden-Württemberg und Bayern. Sie suchten nach "beweiserheblichen Unterlagen", wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart mitteilt.

Bei den Beschuldigten handelt es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um ein Vorstandsmitglied von Porsche und ein "Mitglied des höheren Managements", ein dritter Beschuldigter ist mittlerweile nicht mehr bei dem Autobauer beschäftigt. Gegen sie wird wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung im Zusammenhang mit der Manipulation des Emissionskontrollsystems von Diesel-PKW ermittelt.

Bislang stand Porsche nicht im Fokus der Abgasaffäre, unter anderem weil das Unternehmen selbst keine Dieselmotoren herstellt, sondern sie von Audi bezieht. Dennoch war das Unternehmen im Juli 2017 ins Visier der Stuttgarter Staatsanwälte geraten. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt befassen sich sieben Staatsanwälte in einer eigenen Abteilung mit den Betrugsvorwürfen im Zusammenhang mit dem Abgasskandal. Ermittelt wird gegen Daimler, Porsche und Bosch; im Mai 2017 waren mehrere Daimler-Standorte durchsucht worden.

Auch BMW und Porsche-Mutter Volkswagen kommen nicht zur Ruhe. Im März hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts auf Marktmanipulation erneut Büros in der Wolfsburger VW-Konzernzentrale durchsucht. 

Ebenfalls im März hatten rund 100 Polizisten und Staatsanwälte Räume in der Konzernzentrale von BMW, im Forschungs- und Innovationszentrum in München und im Dieselmotorenwerk im österreichischen Steyr durchsucht. Auch hier wird wegen Betrugsverdachts bei der Abgas-Reinigung ermittelt.

Daneben laufen zahlreiche Ermittlungsverfahren gegen Volkswagen-Mitarbeiter, darunter auch Manager. Insgesamt geht es um Verfahren gegen 49 mutmaßlich Beteiligte - bei 39 wegen der Software-Manipulation rund um den Stickstoffdioxidausstoß, gegen sechs wird im Zusammenhang mit falschen CO2- und Verbrauchsangaben ermittelt. In drei Fällen geht es um Marktmanipulation, hinzu kommen Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter, der zum Löschen von Daten aufgerufen haben soll.

ah/LTO-Redaktion

mit Material von dpa

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Abgasaffäre: Staatsanwälte und Polizisten durchsuchen Porsche . In: Legal Tribune Online, 18.04.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/28127/ (abgerufen am: 26.05.2019 )

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