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Vom Inhousejuristen zum Kanzleigründer: Neu­start in Zeiten von Corona

Interview von Dr. Anja Hall

07.12.2020

Zwei Männer begrüßen sich Corona-konform (Symbolbild)

(c) vlarvix/stock.adobe.com

Die beiden Inhousejuristen Reto Batzel und Georg Schmittmann haben die Seiten gewechselt und sich mit einer eigenen Kanzlei selbstständig gemacht. Wie es ist, mitten in einer Pandemie eine Sozietät zu gründen, berichten sie im Interview.

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Dr. Georg Schmittmann und Dr. Reto Batzel waren einige Jahre als Unternehmensjuristen beim Handelskonzern Metro tätig. Als es 2017 zur Konzernaufspaltung kam und die Unterhaltungselektroniktochter Ceconomy gegründet wurde, trennten sich ihre Wege. Während Batzel zum Leiter der Abteilung Competition und Compliance in der Metro AG wurde, ging Schmittmann zu Ceconomy und wurde dort Chief Compliance Officer und Bereichsleiter Kartellrecht, Compliance und Datenschutz. Nun haben sie die Kanzlei Marck gegründet, in der sie sich auf die Bereiche Kartellrecht, Compliance und Investigations konzentrieren.

LTO: Es ist selten, dass Unternehmensjuristen sich mit einer eigenen Kanzlei selbstständig machen. Wie kam es zu dem Schritt?

Dr. Georg SchmittmannDr. Georg Schmittmann: Ich habe Reto bei Metro kennengelernt, wo wir schnell festgestellt haben, dass wir einen ähnlichen Arbeitsstil haben. Wir sind immer in Kontakt geblieben, auch als es zur Abspaltung von Ceconomy kam. Schon bei Metro haben wir mit dem Gedanken gespielt, uns selbständig zu machen und eine Kanzlei zu gründen.

Vor der Gründung: lange Planungsphase

Dr. Reto BatzelDr. Reto Batzel: Gegründet haben wir im August, aber erste Überlegungen und die Planung gibt es seit eineinhalb Jahren. Wir haben alles sehr intensiv durchdacht, unter anderem eine Investitionsplanung und einen Businessplan erstellt und die nächsten drei bis fünf Jahre geplant.

Wir haben unsere Idee einer kleinen, aber hochspezialisierten Kanzlei verschiedenen Menschen vorgestellt - darunter Großkanzleipartner und Boutiquegründer -, und deren Feedback eingeholt, das durchweg positiv war. Ab Januar dieses Jahres haben wir dann mit unseren Arbeitgebern den Ausstieg geplant, denn es war uns ein wichtiges Anliegen, dass wir uns als Mitarbeiter vernünftig von diesen Unternehmen lösen, aber in der neuen Tätigkeit mit ihnen verbunden bleiben.

Eine Sache, die Sie im Businessplan sicher nicht einplanen konnten, ist die Corona-Pandemie. Ist das nicht ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für eine Gründung?

Batzel: Auch wir sind natürlich, wie jeder andere auch, von Reisebeschränkungen betroffen. Aber das lässt sich mit digitalen Tools gut abfedern. Der Kontakt zu Mandanten lässt sich sehr gut auch mit Videokonferenzen herstellen.

Covid-19 erhöht Kostendruck der Mandanten

Schmittmann: Ich sehe für uns sogar einen positiven Faktor der Pandemie. Denn viele Unternehmen stehen nun plötzlich unter einem heftigen Kostendruck und müssen auf ihre Liquidität achten. Das bedeutet, dass auch die Budgets für externe Rechtsberatung kleiner werden und angestammte Mandatsbeziehungen womöglich aufbrechen. Wenn die Rechtsabteilungsleiterin bisher quasi eine Standleitung zu ihrem Anwalt hatte, kommt sie nun vielleicht doch ins Nachdenken, ob sie nicht das Qualitätsversprechen und flexiblere Pricing einer Boutique ausprobieren sollte – gerade weil sie die hohen Honorare der Großkanzleien nicht mehr bezahlen will oder kann.

Glauben Sie, dass Sie mit Ihrer Inhouse-Erfahrung anders beraten als Rechtsanwälte?

Batzel: Gute Rechtsberatung ist gute Rechtsberatung, egal ob sie extern oder inhouse erfolgt. Aber als Unternehmensjuristen sehen wir schon einen zusätzlichen Aspekt: Wir kennen die Zwänge, Erfordernisse und Chancen im Unternehmensablauf besonders gut und aus erster Anschauung. Unsere Mandanten bestätigen uns, dass – ganz konkret – unser Verständnis für interne Abläufe, Prozesse und die interne Kommunikation ein großer Mehrwert ist.

Aber Sie haben diese Zwänge und Erfordernisse nur in dem Unternehmen kennengelernt, für das Sie tätig waren. Das ist doch nicht ohne Weiteres übertragbar?

Batzel: Nun, Metro und Ceconomy sind internationale Konzerne. Da geht es nicht nur um Handel, sondern auch um Herstellung, Logistik, Immobilien, Informationstechnologie, Human Resources, etc., sowohl in großen und in kleinen Einheiten. Wir haben uns mit vielen verschiedenen Bereichen befasst und Einblicke bekommen.

Schmittmann: Das Wissen um eine geregelte Corporate Governance, interne Prozesse und die Frage, wie ein Unternehmen ein Projekt aufbaut und steuert, ist nicht auf eine Firma beschränkt. Das ist allgemeingültig, denke ich.

Andere Netzwerke, andere Akquise

Als Unternehmensjuristen mussten Sie nicht akquirieren, die Kollegen kamen mit ihren rechtlichen Problemen auf Sie zu. Wie kommen Sie jetzt an Ihre Mandanten?

Schmittmann: Natürlich gehen wir jetzt raus und sagen, was wir vorhaben. Aber wir sind sehr gut vernetzt in der Szene der Unternehmensjuristen und haben sicherlich ein anderes Netzwerk als andere Rechtsanwälte - und vielleicht auch einen anderen Ansatz, Mandanten anzugehen.

Batzel: Unsere Fokussierung auf einige wenige Rechtsgebiete hilft uns dabei, denn wir können mit anderen Kanzleien kooperieren, die in angrenzenden Rechtsgebieten tätig sind. Zum Beispiel benötigt eine M&A-Boutique immer wieder kartellrechtliche Beratung, etwa für Fragen der Fusionskontrolle. Für diese Kollegen sind wir keine Wettbewerber, sondern eine Ergänzung. So kommen die interessantesten Kooperationen zustande! Das Netzwerk dieser Boutique-Kanzleien funktioniert sehr gut, sowohl national wie auch international.

"Ultimatives Dienstleistungsversprechen" der Großkanzleien

Vor der Tätigkeit bei Metro bzw. Ceconomy waren Sie als Anwälte in internationalen Großkanzleien tätig, nämlich bei Cleary und Freshfields. Haben Sie aus dieser Zeit etwas mitgenommen?

Schmittmann: Auf jeden Fall! Die Großkanzlei-Zeit war unglaublich lehrreich, eine Zeit mit einer steilen Lernkurve. Was unsere Kanzleien ausgezeichnet hat, war ein ultimatives Dienstleistungsversprechen, das sie dem Mandanten gegenüber abgegeben hat. Ein weiterer Punkt war, dass man sich selbst und das Beratungsprodukt immer wieder hinterfragt hat: Das Streben, es noch besser zu machen

Batzel: Auch juristisch ist eine Großkanzlei natürlich sehr lehrreich. Man sieht wahnsinnig viele verschiedene, auch prominente Fälle, lernt viele Prozesse kennen und viele Fallkonstellationen. Und wie Georg schon sagte, der Dienstleistungsgedanke steht auch dort an oberster Stelle und wird Teil der eigenen DNA.

Ein Blick in die Zukunft: Wie wird Ihre Kanzlei in fünf Jahren aussehen?

Schmittmann: Wir halten ein Verhältnis von einem Partner zu einem Associate für denkbar, aber letztlich hängt das auch von der Geschäftsentwicklung ab. Was wir jedenfalls nicht anstreben, ist eine Leverage von 1 zu 4, also eine pyramidenförmige Struktur, wo einem Partner vier Associates zuarbeiten. Der Ansatz einer Boutique ist ja gerade eine eher partnerzentrierte Tätigkeit, von der unsere Mandanten letztlich profitieren.

Batzel: Wachsen wollen wir durchaus, aber wir haben uns nicht darauf festgelegt, wie viele Mitarbeiter wir haben werden. Wir fokussieren uns auf das, was wir tun – der Rest ergibt sich.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Vom Inhousejuristen zum Kanzleigründer: . In: Legal Tribune Online, 07.12.2020 , https://www.lto.de/persistent/a_id/43652 (abgerufen am: 10.12.2025 )

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