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Euribor-Skandal: Pro­zessauf­takt in London

09.04.2018

Mann im Anzug und brennendes Prozent-Zeichen

© Elnur - stock.adobe.com

Ihre Arbeitgeber mussten bereits Milliardenstrafen zahlen, nun stehen etliche Banker im Skandal um Zinsmanipulationen vor Gericht. Ein ehemaliger Händler der Deutschen Bank hat bereits vor Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt.

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Am Southwark Crown Court in London wird an diesem Montag ein neues Kapitel im Skandal um manipulierte Zinssätze aufgeschlagen: Händler mehrerer Großbanken, unter anderem der Deutschen Bank, sollen über Jahre hinweg bei der Berechnung von Libor und Euribor getrickst haben - zugunsten ihrer Arbeitgeber und eigener Boni. Für den Prozess sind drei Monate angesetzt, mit einem Urteil wird im Sommer gerechnet.

Die Manipulationen waren deshalb möglich, weil die beteiligten Mitarbeiter die Zinssätze fast ohne Kontrolle festlegen konnten. Denn statt realer Daten - also Kosten von tatsächlichen Krediten - waren Umfragen die Grundlage der Berechnung: Händler schätzten, zu welchem Zins sich ihr Haus von anderen Banken Geld leihen könnte. Wie realistisch diese Angaben waren, war kaum nachprüfbar. Für die Händler waren Tricksereien verlockend. Selbst geringe Abweichungen konnten den Banken Millionen an Extragewinn bescheren und den Bonus der Händler in die Höhe treiben.

Euribor und Libor: Der Maßstab für viele Bank-Geschäfte

Die Referenzzinssätze Euribor und Libor geben an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Sie sind Maßstab für Geschäfte in Billionenhöhe - vom Baukredit bis zu Derivate-Geschäften, etwa auf Rohstoffe.

Der Libor (London Interbank Offered Rate) wurde seit Mitte der 1980er Jahre an jedem Bankarbeitstag vormittags von der British Bankers' Association (BBA) in London festgelegt. Für die Berechnung gaben die nach Marktaktivität wichtigsten Banken weltweit an, welche Zinsen sie für Kredite der Konkurrenz zahlen müssen. Der Libor wurde auf dieser Basis für verschiedene Währungen errechnet, wichtig ist er vor allem für Geschäfte in US-Dollar. 2014 übernahm der US-Börsenbetreiber ICE die Verantwortung für die Libor-Berechnung.

Für Geschäfte in Euro ist seit Einführung der Gemeinschaftswährung als Buchgeld zum 1. Januar 1999 entsprechend der Euribor (Euro Interbank Offered Rate) der Maßstab. Zu dessen Berechnung melden täglich mehr als 30 ausgewählte Banken, welches der höchstgebotene Zinssatz dafür ist, dass eine Bank einer anderen Bank mit guter Bonität einen unbesicherten Euro-Kredit gewährt. Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt derzeit Pläne für einen eigenen Geldmarkt-Referenzzins voran.

Hohe Strafen für die Großbanken

Etliche Großbanken mussten wegen Zinsmanipulationen hohe Strafen zahlen - die Deutsche Bank gleich mehrfach: Im Dezember 2013 verhängte die EU-Kommission 1,7 Milliarden Euro Bußgelder gegen mehrere Geldhäuser, die Deutsche Bank musste den Löwenanteil von 725 Millionen Euro tragen. Im April 2015 verglich sich Deutschlands größte Bank mit Behörden in den USA und Großbritannien: 2,5 Milliarden Dollar wurden fällig - die höchste bis dato verhängte Buße im Libor-Fall.

Im Oktober 2017 schaffte die Deutsche Bank in den USA Libor-Klagen von Börsenhändlern und 45 Bundesstaaten gegen Zahlung von 300 Millionen Dollar aus der Welt, im Februar 2018 einigte sich das Institut mit Investoren wie der Stadt Baltimore und der Yale-Universität auf einen Vergleich und akzeptierte eine Zahlung von 240 Millionen Dollar. Es laufen noch weitere Zivilverfahren, bei denen Firmen und Privatleute von der Deutschen Bank Schadensersatz als Ausgleich für Verluste wegen Zinsmanipulationen durchsetzen wollen.

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Ein Händler legte bereits ein Geständnis ab

In dem aktuellen Londoner Verfahren ist die Deutsche Bank nicht beschuldigt, sondern ehemalige bzw. ein noch aktueller Mitarbeiter des Instituts sowie Mitarbeiter der britischen Barclays und der französischen Société Générale.

Der prominenteste der ehemaligen Deutsche-Bank-Händler in dem Londoner Prozess, der Franzose Christian Bittar, erklärte sich nach Angaben der britischen Strafverfolgungsbehörde SFO (Serious Fraud Office) für schuldig, den Euribor manipuliert zu haben. Bittar hatte vor Jahren für Schlagzeilen gesorgt, weil er für das Jahr 2008 stolze 80 Millionen Euro Bonusanspruch angehäuft hatte. Sein Arbeitsvertrag garantierte ihm einen festen Prozentsatz der von ihm erzielten Spekulationsgewinne. Die Hälfte des Rekordbonus behielt die Bank wegen der Ermittlungen in Sachen Zinsmanipulation ein. Bittar sitzt derzeit in U-Haft, ihm drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Mitarbeiter von Großbanken sind wiederholt in den Verdacht von Marktmanipulationen geraten. Dabei ging es nicht nur um angebliche Tricksereien bei Referenzzinssätzen für Geldgeschäfte oder bei Wechselkursen, unter anderem sollen auch Edelmetallpreise manipuliert worden sein. 

dpa/ah/LTO-Redaktion

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Euribor-Skandal: . In: Legal Tribune Online, 09.04.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27933 (abgerufen am: 12.10.2026 )

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