Druckversion
Samstag, 12.09.2026, 08:33 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/justiz/j/schleswig-holstein-hamburg-justiz-ueberbelastung-nachwuchs-geschaeftsstellen-richter
Fenster schließen
Artikel drucken
37967

Norddeutschlands Justiz beklagt Arbeitsbelastung: Geschäfts­s­tellen sind die "Achilles-Ferse"

02.10.2019

Aktenstapel

© StockPhotoPro - stock.adobe.com

Die Richtervertretungen in Schleswig-Holstein und Hamburg kritisieren die Arbeitsüberbelastung und Nachwuchsgewinnung in der Justiz. Es fehlten aber nicht nur Richter und Staatsanwälte, sondern vor allem Mitarbeiter in den Geschäftsstellen.

Anzeige

Die Richter und Staatsanwälte in Hamburg und in Schleswig-Holstein ächzen unter der Last der Arbeit. "Die Arbeitsbelastung in der Justiz ist seit langem zu hoch", sagte Christine Schmehl vom Schleswig-Holsteinischen Richterverband. Die Juristen im nördlichsten Bundesland würden die Themen Arbeitsbelastung und Nachwuchsgewinnung "seit Jahren mit Sorge" betrachten, sagte sie. "Eine angemessene Personalausstattung - gemessen an der steigenden Arbeitsbelastung durch immer komplexere Lebenssachverhalte - ist unabdingbare Voraussetzung, um die Zukunftsfähigkeit der Justiz zu gewährleisten."

Auch in der Metropole Hamburg ist die Situation nicht besser. "Die Arbeitsbelastung wird von den Kolleginnen und Kollegen durchgängig als hoch empfunden", sagte Nicole Geffers vom Hamburgischen Richterverein. Bei einer Umfrage aus dem Jahr 2017/2018 seien die Juristen der Hansestadt auf eine Wochenarbeitszeit von durchschnittlich 47,12 Stunden gekommen. Unter der hohen Arbeitsbelastung leiden letztendlich auch Verfahren, ergänzte Schmehl: Einige dauern länger.

Personelle Probleme in den Geschäftsstellen

"Wir brauchen mehr Richter, Staatsanwälte und Beschäftigte im mittleren Dienst, um die Justiz in Schleswig-Holstein noch besser und leistungsfähiger zu machen", forderte Schmehl. Eine Aussage, die das Kieler Justizministerium nicht nachvollziehen kann. Nach den Personalbedarfsberechnungen wurden 2018 in Schleswig-Holstein insgesamt rund 945 Richter und Staatsanwälte gebraucht. "Die Kopfzahl der in Schleswig-Holstein tätigen Richter und Staatsanwälte liegt wegen Teilzeitbewilligungen beziehungsweise -beschäftigungen deutlich darüber", sagte Ministeriumssprecher Oliver Breuer. Bei einer Zählung im Juni 2019 gab es 562 Frauen und 505 Männer in den Gerichten und Staatsanwaltschaften, "insgesamt also 1.067 Richterinnen, Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte."

Doch die großen personellen Probleme gibt es weniger im Bereich der Richter und Staatsanwälte. Sie liegen im Bereich der Beschäftigten im mittleren Dienst - also den Geschäftsstellen - und im Bereich der Rechtspfleger, wie Ulrich Fieber von der Neuen Richtervereinigung Schleswig-Holstein sagte. "Seit Jahren besteht eine Durchschnittsbelastung im Bereich der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstellen von über 105 Prozent." Das heißt, dass es "nicht genügend Beschäftigte im mittleren Dienst gibt, um die richterliche Arbeit und die Arbeit der Staatsanwältinnen und Staatsanwälte zu unterstützen."

Die Justizbehörde in Hamburg beziehungsweise das Justizministerium in Kiel wüssten um das Problem. "Sie verstärken ihre Bemühungen um Nachwuchs. Doch die Aussichten für die nächsten Jahre ließen trotz gestiegener Ausbildungskapazitäten nicht darauf schließen, dass ein Deckungsgrad von 100 Prozent an Personal erreicht wird", sagte Fieber: "Der Bereich der Geschäftsstellen ist somit am ehesten als die Achilles-Ferse der Justiz zu bezeichnen und seit Jahren überlastet."

dpa/mgö/LTO-Redaktion

Anzeige
  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Norddeutschlands Justiz beklagt Arbeitsbelastung: . In: Legal Tribune Online, 02.10.2019 , https://www.lto.de/persistent/a_id/37967 (abgerufen am: 12.09.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Justiz
    • Richter
    • Staatsanwaltschaft
Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (l) ist das Gesicht der AfD Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider (r) 12.09.2026
Podcast

AfD-Regierung verhindern? / Metall auf Metall / Hochstapler:

"Die AfD ein­fach mal regieren lassen, wäre unver­ant­wort­lich"

Die AfD will an die Macht, die anderen Parteien können sich nicht einigen. Wäre eine Expertenregierung ein Ausweg? Warum hat der Streit um “Metall auf Metall” so lange gedauert? Und: Ein Amtsrichter hat sich als Anwalt ausgegeben. Strafbar?

Artikel lesen
Das Gebäude des Landesverfassungsgerichtes von Mecklenburg-Vorpommern in Greifswald. 11.09.2026
Beamtenbesoldung

Mecklenburg-Vorpommern:

Rich­ter­ver­band zieht wegen Besol­dung vors Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Nach der wegweisenden BVerfG-Entscheidung zur Berliner Beamtenbesoldung geht der Richterverband Mecklenburg-Vorpommern gegen die Landesregierung vor. Sie müsse anständiger bezahlen, spiele aber auf Zeit – das Ministerium weist das zurück.

Artikel lesen
Symbolbild einer Abschiebung: Beamte der Bundespolizei und von Frontex eskortieren einen Mann in einem Flugzeug. 04.09.2026
Gerichte

Abschiebung trotz Hängebeschlusses:

Aus­län­der­be­hörde mis­sachtet Ver­wal­tungs­ge­richt – und ver­s­trickt sich in Wider­sprüche

Eine Ausländerbehörde in Schleswig-Holstein schob einen Mann ab, obwohl das dortige VG dies untersagt hatte. Der Landkreis teilt mit, man habe das Gericht nicht missachten wollen – doch zeigt die Antwort, dass man genau das bewusst tat.

Artikel lesen
Ein Gerichtssaal am Landgericht Bielefeld, man wirft einen Blick durch die fast geschlossene Tür auf verschwommene Personen 02.09.2026
Skurriles

Wende in Bielefelder Prozess:

Frei­spruch für Richter, der als "Anwalt" auf­trat

Mehrere Strafgerichte verurteilten einen Richter, der "Anwaltsschreiben" verschickt haben soll. Nun aber die überraschende Wende: Das LG Bielefeld sprach den Familienrichter frei. Ein Ende findet der rätselhafte Fall damit aber noch nicht.

Artikel lesen
Karin Angerer steht in einem Treppenhaus des Bamberger Oberlandesgerichts 01.09.2026
Personalien

Ernennung durch den Bundespräsidenten:

Karin Angerer tritt Amt als Prä­si­dentin des BGH an

Wechsel an der BGH-Spitze: Dr. Karin Angerer hat das Amt als Präsidentin des Bundesgerichtshofs angetreten. Sie folgt auf Bettina Limperg.

Artikel lesen
Ulrich Siegmund (AfD) 01.09.2026
AfD

Umfrage zur Arbeit im Staatsdienst in Sachsen-Anhalt:

AfD-Regie­rung absch­re­ckend für Nach­wuchs­ju­risten

Welchen Effekt hätte eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt auf die Nachwuchsgewinnung der Justiz? Damit hat sich eine Umfrage befasst – die Ergebnisse sind deutlich.

Artikel lesen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Bitkom e.V.
Ma­na­ger Di­gi­tal Con­tent & Recht (m/w/d)

Bitkom e.V., Ber­lin

Logo von Wolters Kluwer
Le­gal Coun­sel - di­gi­ta­le Pro­duk­te (m/w/d)

Wolters Kluwer, Hürth

Logo von HUK-COBURG
Ju­rist Pro­dukt­ent­wick­lung / Kfz-Ver­si­che­rung (w/m/d)

HUK-COBURG, Co­burg

Logo von TowaRA:Arbeitsrecht
Rechts­an­walt (m/w/d) im Ar­beits­recht mit und oh­ne Be­ruf­s­er­fah­rung

TowaRA:Arbeitsrecht, Köln

Logo von Rechtsanwalt Dr. Dr. Thomas Ruppel
Rechts­an­wäl­tin / Rechts­an­walt (m/w/d) mit In­ter­es­se am Me­di­zin­recht

Rechtsanwalt Dr. Dr. Thomas Ruppel, Lü­beck

Logo von AntweilerLiebschwagerNieberding PartG mbB
Rechts­an­walt Bau- und Im­mo­bi­li­en­recht (m/w/d)

AntweilerLiebschwagerNieberding PartG mbB, Düs­sel­dorf

Logo von Morrison & Foerster LLP
Rechts­an­wäl­tin/Rechts­an­walt (w/x/m) Ar­beits­recht

Morrison & Foerster LLP, Ber­lin

Logo von Middendorf - Dr. Breulmann
Rechts­an­walt/Rechts­an­wäl­tin

Middendorf - Dr. Breulmann, Rhei­ne

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von Hengeler Mueller
Roadshow USA - New York

15.10.2026, New York

Logo von Hengeler Mueller
Roadshow USA - Chicago

17.10.2026, Chicago

Logo von SIDLEY Austin (CE) LLP
Ladies First Event 2026

30.10.2026, München

Vorbehaltene Rechte des Übergebers und deren richtige Besicherung

14.09.2026

UpDate: Fristverlängerungsanträge – Berufungsbegründung – aktuelle Rechtsprechung des BGH

14.09.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH