Druckversion
Dienstag, 14.04.2026, 13:59 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/justiz/j/personalmangel-justiz-richter-thueringen-neue-stellen-verjuengen
Fenster schließen
Artikel drucken
30841

Personalmangel in Thüringer Justiz: Maß­nahmen zeigen erste Wir­kung

10.09.2018

Mann im Anzg und Waage der Gerichtigkeit

© Piotr Adamowicz - stock.adobe.com

Die Bundesländer stemmen sich weiterhin gegen den drohenden Personalmangel in der Justiz. Thüringen hat in den vergangenen vier Jahren 100 neue Richter eingestellt, um der drohenden Überalterung entgegenzuwirken und die Justiz zu verjüngen.

Anzeige

Die Bundesländer sind vorgewarnt: Wenn die aktuelle Entwicklung so weiter läuft, werden den Bundesländern auf absehbare Zeit die Richter ausgehen. An den Gerichten stapeln sich jetzt schon die Eingaben und eine anstehende Pensionierungswelle droht, die Justiz endgültig über die Belastungsgrenze zu führen. Aus diesem Grund werden nun landauf, landab Strategien zur Aufstockung des Personals besprochen.

Thüringen hat deswegen in den vergangenen vier Jahren 100 neue Richter eingestellt. Damit will der Freistaat der drohenden Überalterung entgegenwirken und die Justiz verjüngen, wie das Justizministerium jüngst in Erfurt mitteilte. Ein Großteil der rund 700 Richter und Staatsanwälte sei über 50 Jahre alt. Ab etwa 2022 werde eine "große Welle an Ruhestandseintritten auf die Thüringer Justiz zukommen", hieß es. Innerhalb von acht Jahren werde sie etwa zwei Drittel der bisherigen Richter verlieren.

"Daher haben wir nach Jahren des Stillstands, in denen fast keine Neueinstellungen erfolgten, eine Trendwende eingeleitet", erklärte Justizminister Dieter Lauinger (Grüne) laut Mitteilung. Ziel sei, den Anteil der Neueinstellungen - auf die Gesamtzahl der Richterinnen und Richter gesehen - bei jährlich zwei bis drei Prozent zu halten. Damit würde langfristig eine Gleichverteilung der Jahrgänge erreicht werden, so Lauinger. Neueinstellungen sind Teil der Koalitionsvereinbarung zwischen Rot-Rot-Grün. Unter den Neueingestellten sind 85 Richter auf Probe. Zehn kamen aus anderen Bundesländern. Außerdem wurden fünf Beamte kraft Auftrags zu Richtern ernannt.

Deutschlandweit Justiznachwuchs händeringend gesucht

Damit steht Thüringen nicht alleine dar. In Sachen-Anhalt soll im gesamten Justizbereich inklusive Mittlerem Dienst und Justizvollzug die Zahl der Vollzeitstellen um 270 auf rund 4.500 steigen. Um gleichzeitig Altersabgänge auszugleichen, seien rund 350 Neueinstellungen nötig, sagte Justizministerin Anne-Marie Keding im Juli. Etwa 70 bis 80 neue Richter und Staatsanwälte will das Land deshalb gewinnen.

Unterdessen hat Niedersachsen schon in diesem Jahr 62 neue Stellen für Richter und Staatsanwälte geschaffen. Mit 59 sind die meisten der Stellen Einstiegspositionen, drei Stellen sind sogenannte Beförderungsämter und damit für Vorsitzende an Amts- oder Landgerichten oder für Richter am Oberlandesgericht vorgesehen, wie das niedersächsische Justizministerium in Hannover mitteilte.

Ob die Länder von Seiten des Bundes Unterstützung erwarten können, ist indes weiterhin unklar. Zwar einigte sich die Bundespolitik im Rahmen des "Pakts für den Rechtsstaat" auf neue 2.000 neue Stellen für die Justiz. Wie die allerdings finanziert werden sollen, ist aber noch nicht abschließend geklärt, weshalb die Länder eine Grundgesetzänderung auf den Weg bringen wollen.

dpa/mgö/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Personalmangel in Thüringer Justiz: . In: Legal Tribune Online, 10.09.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/30841 (abgerufen am: 14.04.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Öffentliches Recht
    • Gerichte
    • Justiz
    • Rechtsstaat
    • Richter
Ein Politiker schwenkt die ungarische Flagge, während er mit Unterstützern den Oppositionssieg feiert. Hoffnung für die EU. 13.04.2026
Ungarn

Regierungswechsel in Ungarn:

Oppo­si­ti­ons­sieg in Ungarn lässt EU hoffen

Nach 16 Jahren Orban-Macht kann der Oppositionsführer Peter Magyar mit einer Zweidrittelmehrheit regieren. Die Erwartungen sind riesig auch in Sachen Rechtsstaatlichkeit. Wird es in der EU jetzt wieder einfacher?

Artikel lesen
Kristallkugel und andere Dinge, die ein:e Wahrsager:in so braucht 12.04.2026
Esoterik

Wahrsagerei in der Rechtsgeschichte:

Als der Blick in die Kri­s­tall­kugel strafbar war

Zwar macht sich sogar die amtliche Statistik womöglich über Hellseherei lustig. Doch ist sie noch freundlich im Vergleich zum juristischen Urteil über esoterische Künste. Das zeigt eine Auswahl zum Verhältnis von Justiz und Wahrsagerei.

Artikel lesen
Marla-Svenja Liebich sitzt mit Schminkutensilien in einem Saal des Landgerichts Halle, Juli 2025 10.04.2026
Strafvollzug

Staatsanwaltschaft Halle äußert sich:

Wie geht es nach der Fest­nahme mit Marla-Svenja Lie­bich weiter?

Nachdem Marla-Svenja Liebich am Donnerstag festgenommen wurde, stellt sich wie vor seiner Flucht die Frage: Wird er seine Haftstrafe im Frauen- oder Männergefängnis verbüßen? Die Staatsanwaltschaft Halle teilt LTO das weitere Prozedere mit.

Artikel lesen
Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einer Pressekonferenz des Pentagon. 10.04.2026
Pressefreiheit

Bundesrichter rügt Presseregeln der US-Regierung:

Pen­tagon darf kri­ti­sche Presse nicht aus­sperren

Das Pentagon wollte die Presse im eigenen Haus einschränken. Die zog dagegen vor Gericht und gewann. Eine erneute Schlappe für die US-Regierung – der Bundesrichter kritisiert in deutlichen Worten Angriffe auf die Pressefreiheit.

Artikel lesen
Dörthe Dehe 03.04.2026
Burn-out

Workshops zur Resilienz auf dem Deutschen Richter- und Staatsanwaltstag:

"Wenn es mir nicht gut geht, kann ich nicht gut richten"

Richter sind auf sich allein gestellt, Staatsanwälte müssen sich immer behaupten und unverwundbar zeigen – und die Arbeitsbelastung ist hoch. Wie Juristen resilienter werden können, erklärt Psychologin Dörthe Dehe im Interview.

Artikel lesen
Person hält Spiegel mit Fernandes-Story 29.03.2026
Podcast

Der Fall Ulmen / BND-Befugnisse / Kokain-Staatsanwalt:

Ulmen, Fer­n­andes, Deep­fakes - alles strafbar oder nichts?

Debatte über sexualisierte Bilder im Netz - was wissen wir über den Fall und was muss sich wirklich im Strafrecht ändern. Außerdem im Podcast: Der BND will sich für Cyberkrieg wappnen und ein Staatsanwalt vertickt Infos über Haftbefehle.

Artikel lesen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Oppenhoff
Re­fe­ren­da­re (m/w/d) al­le Fach­be­rei­che

Oppenhoff, Frank­furt/M. und 1 wei­te­re

Logo von ADVANT Beiten
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter (w/m/d) – Dis­pu­te Re­so­lu­ti­on /...

ADVANT Beiten, Mün­chen

Logo von Noerr
(Se­nior) As­so­cia­te Cor­po­ra­te (w/m/d)

Noerr, Mün­chen

Logo von ADVANT Beiten
Re­fe­ren­da­re (w/m/d) – Dis­pu­te Re­so­lu­ti­on / Li­ti­ga­ti­on

ADVANT Beiten, Mün­chen

Logo von Noerr
(Se­nior) As­so­cia­te Dis­pu­te Re­so­lu­ti­on (w/m/d)

Noerr, Ber­lin

Logo von Freshfields
Emp­fangs­mit­ar­bei­ter – Re­cep­ti­on / Con­fe­ren­ce (m/w/x)

Freshfields, Düs­sel­dorf

Logo von Becker Büttner Held
Rechts­an­walt (m/w/d) All­ge­mei­nes En­er­gie- und...

Becker Büttner Held, Stutt­gart

Logo von Freshfields
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter (m/w/x) -...

Freshfields, Ham­burg

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Gesellschafterstreit in eGbR, OHG & GmbH: Neueste Rechtsprechung, MoPeG & Eilrechtsschutz

14.04.2026

Logo von Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
M&A Update: Ausblick nach dem ersten Quartal 2026 – Zahlen und Kautelartrends

15.04.2026

Update Vergaberecht - Tariftreue im Ver­ga­be­ver­fah­ren

15.04.2026

Bauträgerrecht von A–Z (dreitägig, 14.04., 26.05., 18.06.2026)

14.04.2026

RVG 2026: Das neueste zu den Verfahrenswerten in Familiensachen

14.04.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH