NRW: Sprach- und Kul­tur­mit­telnde in der Justiz

19.07.2021

Als erstes Bundesland bekommt NRW Sprach- und Kulturmittelnde für die Justiz. Sie sollen den Justizbeschäftigten helfen, kulturelle Motive von Verfahrensbeteiligten besser zu verstehen. Die ersten Ausbildungen starten im August.

Sogenannte Sprach- und Kulturmittelnde (SKM) sollen künftig der Justiz im Ruhrgebiet helfen, den kulturellen Hintergrund von Verfahrensbeteiligten besser zu verstehen. Das vor einem Jahr vorgestellte Pilotprojekt nimmt jetzt konkrete Gestalt an. Die Schulungen für die ersten Mittlerinnen und Mittler sollen im August und September beginnen, wie das Justizministerium der Deutschen Presse-Agentur sagte. Wie viele Mittelnde ihre Ausbildung beginnen, wurde zunächst nicht bekannt.

Die Sprach- und Kulturmittelnden sollen den Justiz-Mitarbeitenden bei "interkulturellen und religiösen Fragen" zur Seite stehen. Konkret geht es unter anderem um Ermittlungsverfahren und Gerichtsprozesse, bei denen bislang nur Sachverständige und Dolmetschende eingesetzt werden. "Für das häufig verfahrenswesentliche Verständnis der kulturellen Hintergründe fehlt es jedoch an geeigneten Expertinnen und Experten, die hinzugezogen werden könnten", hatte das Ministerium im vergangenen Jahr erklärt.

"Oftmals handelt es sich bei Sprach- und Kulturmittlern um zwei- oder mehrsprachige Personen mit eigener Zuwanderungsgeschichte", erklärte ein Sprecher. Die Mittelnden sollen anlassbezogen von Justizbeschäftigten für ihre Arbeit herangezogen werden können, etwa um in interkulturellen und religionsspezifischen Fragen zu beraten. Als "Brückenbauer" sollen sie den Zugang zum Rechtsstaat für Verfahrensbeteiligte mit Zuwanderungsbiografien erleichtern. Die Dienste sollen zunächst der Gerichtsvollzieherdienst sowie die Bewährungshilfe in Anspruch nehmen können.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Stiftung Mercator mit einer halben Million Euro gefördert. Die Koordination liegt beim Zentrum für Interkulturelle Kompetenz der Justiz NRW (ZIK) in Essen. Die Ausbildung organisiert die gemeinnützige Genossenschaft "SprInt" (Sprach- und Integrationsmittlung) in Wuppertal, die nach eigenen Angaben "kultursensibles Dolmetschen" anbietet.

dpa/pdi/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

NRW: Sprach- und Kulturmittelnde in der Justiz . In: Legal Tribune Online, 19.07.2021 , https://www.lto.de/persistent/a_id/45513/ (abgerufen am: 05.08.2021 )

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