Druckversion
Montag, 8.12.2025, 23:52 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/justiz/j/neue-fes-studie-justiz-haushalte-bundeslaender
Fenster schließen
Artikel drucken
58502

Ausgaben für die Justiz: Deut­sch­land liegt im euro­päi­schen Mit­tel­feld

31.10.2025

Logo und Schriftzug Friedrich-Ebert-Stiftung e. V

Die Friedrich-Ebert-Stiftung gilt als älteste parteinahe Stiftung Deutschlands und steht der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) nahe. Foto: picture alliance/dpa | Horst Galuschka

Wie viel Geld geben die Bundesländer für ihre Justiz aus? Eine neue Studie des ifo-Instituts zeigt: Deutschland liegt im europäischen Mittelfeld, ist aber undynamisch: Wirklich planvoll und mit Konzept wird die Justiz nicht finanziert.

Anzeige

Personalmangel in der Justiz ist kein neues Phänomen. Akten stapeln sich, Verfahren dauern länger, Nachwuchs fehlt. Auch der Deutsche Richterbund warnte bereits Mitte des Jahres vor einem Justizkollaps. In Nordrhein-Westfalen etwa fehlten im Jahr 2023 rund 200 Staatsanwälte – und das trotz wiederholter Warnungen. Der Bedarf wächst schneller als die Zahl der Neueinstellungen, vor allem in der Strafjustiz.

Doch die Personalnot ist kein rein nordrhein-westfälisches Problem. Jedes Land ist für seine Justiz selbst verantwortlich und finanziert sie aus dem eigenen Haushalt. Entsprechend unterschiedlich fällt ihre Besetzung und Ausstattung aus.

Um den Ländern unter die Arme zu greifen, will der Bund gegensteuern. Rund eine halbe Milliarde Euro sollen in den kommenden vier Jahren im Rahmen des neuen "Pakts für den Rechtsstaat" in die Justiz fließen – doppelt so viel wie beim Vorgängerprogramm. Der neue "Pakt für den Rechtsstaat", den Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) angekündigt hat, soll mehr Personal bringen und die Digitalisierung beschleunigen. Angesichts leerer Landeskassen ist das Geld aus Berlin durchaus willkommen.

Studie zeigt: Justizhaushalte auf Autopilot

Wie groß die Unterschiede zwischen den Bundesländern tatsächlich sind und wie sich ihre Justizhaushalte über die Jahre entwickelt haben, zeigt nun erstmals eine Studie des ifo-Instituts im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Sie wertet die Haushaltsdaten aller Länder aus und kommt zu einem klaren Befund: Deutschland liegt im europäischen Mittelfeld, sowohl beim Anteil der Justizausgaben am Bruttoinlandsprodukt als auch bei deren Anteil an den gesamten Staatsausgaben.

Von einer besonderen Priorisierung der Justiz, um den gefährdeten Rechtsstaat zu stärken, kann also zumindest im europäischen Vergleich keine Rede sein. Vielmehr zeigen sich laut Studie im Zeitverlauf kaum strukturelle Veränderungen: Die Entwicklung der Justizhaushalte verläuft autopilotmäßig parallel zu denen im EU-Durchschnitt, also ohne nennenswerte Dynamik oder Neupriorisierung.

Marius Müller-Henning, der bei der FES für den Bereich "Recht, Freiheit und Sicherheit" zuständig ist, sagt dazu: "Die Studie zeigt: Deutschland liegt bei der Priorisierung der Justizhaushalte verlässlich im europäischen Mittelfeld. Die nominellen Zuwächse der vergangenen Jahre wurden aber zuletzt durch die Inflation aufgezehrt: Inflationsbereinigt waren die Justizhaushalte der Bundesländer pro Kopf in 2023 im Schnitt auf das Niveau von 2015 zurückgefallen. Angesichts dieser Entwicklung sowie neuer Herausforderungen für die Justiz, kommt ein neuer Pakt für den Rechtsstaat daher gerade zur rechten Zeit"

Ost und West gleichen sich an

Innerhalb Deutschlands zeichnet die Studie ein differenzierteres Bild. So haben sich Ost- und Westdeutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich angenähert: Bis 2012 haben sich die Durchschnittswerte der Justizhaushalte beider Landesteile weitgehend angeglichen und verlaufen seither nah am Bundesdurchschnitt, so die Studie.

Ganz einheitlich ist die Lage aber nicht, wenn man einzelne Bundesländer vergleicht: Die Ausgaben für die Justiz variieren dort erheblich. Während Nordrhein-Westfalen etwa im Jahr 2023 rund 5,5 Prozent seines Gesamthaushalts für die Justiz aufwendete, waren es in Bremen und Schleswig-Holstein lediglich 2,4 Prozent.

Immerhin: Die Länder stellen seit 2015 mehr Richter und Staatsanwälte ein. Der Zuwachs begann damit bereits vor dem ersten Pakt für den Rechtsstaat im Jahr 2019 und setzte sich über dessen Laufzeit hinaus fort. Insgesamt, so die Studie, verlief die Entwicklung der Justizhaushalte aber ohne gezielte politische Steuerung. Probleme, die die Justiz hat, scheinen mit dem zur Verfügung stehenden Geld nicht präzise angesteuert zu werden.

Die Empfehlung der FES lautet daher, dass die neue Bundesregierung aktiv das Steuer übernehmen und "einen weitsichtigen, evidenzbasierten Kurs bei der Priorisierung der Justizhaushalte" anstoßen soll. Die Studie verstehe sich dabei als erste Orientierung, wo bundesweit angefasst werden müsse.

Die ganze Studie des ifo-Instituts im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier zum Download.

xp/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Ausgaben für die Justiz: . In: Legal Tribune Online, 31.10.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58502 (abgerufen am: 09.12.2025 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Bundesjustizministerium
    • Finanzierung
    • Haushalt
    • Justiz
    • Richter
    • Staatsanwaltschaft
Jura-Hörsaal 09.12.2025
Richter

"Pakt für den Rechtsstaat":

Woher 2.000 Prä­d­i­kats­ju­risten für neue Rich­t­er­s­tellen nehmen?

Bund und Länder wollen neue 2.000 Stellen für Richter und Staatanwälte schaffen – genug Prädikatsjuristen wird sie dafür jedenfalls nicht finden, das zeige eine Datenauswertung, meint Quint Aly. Droht ein Qualitätsverlust in der Justiz?

Artikel lesen
Die Justizministerin geht entschlossen, während Sachsen gegen Extremisten-Tourismus vorgeht und gegen Gerichtsurteile klagt. 05.12.2025
Extremismus

Justizministerin will gegen Linie des Landesverfassungerichts klagen:

Sachsen wehrt sich gegen Jura-Ext­re­misten-Tou­rismus

Sachsen will extremistische Bewerber von der juristischen Ausbildung abhalten. Dazu greift das Land die Rechtsprechung des eigenen Verfassungsgerichtes an – und setzt auf das Bundesverfassungsgericht.

Artikel lesen
Politiker diskutieren intensiv über den gescheiterten "Pakt für den Rechtsstaat" und die neuen Justizstellen. 03.12.2025
Justiz

Bund und Länder uneins über neue Justiz-Stellen:

Eini­gung über 450-Mil­lionen-"Pakt für den Rechts­staat" geplatzt

Eigentlich sollte auf der Ministerpräsidentenkonferenz der "Pakt für den Rechtsstaat" besiegelt werden. Doch Bund und Länder sind sich plötzlich über Details des 450-Millionen-Euro-Deals für Personal und Digitalisierung in der Justiz uneinig.

Artikel lesen
Richterrobe 02.12.2025
Kopftuch

VG Darmstadt bestätigt Verbot:

Mus­limin wegen Kopf­tuch vom Rich­teramt aus­ge­sch­lossen

Bewerberinnen auf Richterstellen dürfen abgelehnt werden, wenn sie ihr Kopftuch für Gerichtsverhandlungen nicht ablegen wollen, das bestätigt das VG Darmstadt. Der Fall könnte noch weitergehen. Die Rechtsfrage ist höchstrichterlich umstritten.

Artikel lesen
Justiz 02.12.2025
Justiz

Verfassungsblog "Justiz-Projekt":

Wo liegen die Schwach­s­tellen der deut­schen Justiz?

Der Verfassungsblog hat erforscht, wie und wo die Justiz von autoritären Kräften angegriffen werden kann. Zum Schutz komme es vor allem auf das Personal an, so das Ergebnis des "Justiz-Projekts". Sie sind Risiko und zugleich Chance für die Resilienz.

Artikel lesen
Stefanie Hubig (SPD) 02.12.2025
Straßenverkehr

Gesetzentwurf von Justizministerin Hubig:

Kfz-Hal­ter­haf­tung soll auch für E-Scooter gelten

Es war schon lange gefordert worden, nun geht die Bundesjustizministerin es an: E-Scooter sollen haftungsrechtlich wie andere Kfz behandelt werden, damit Geschädigte leichter Schadenersatz erhalten. Das betrifft Halter- und Fahrerhaftung.

Artikel lesen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Hogan Lovells International LLP
Rechts­an­wäl­tin/Rechts­an­walt (w/m/d) Bank- und Ka­pi­tal­markt­recht/Debt...

Hogan Lovells International LLP , Frank­furt am Main

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Ver­den (Al­ler)

Logo von FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG
Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter (m/w/d) Pri­va­tes Bau- und Ar­chi­tek­ten­recht,...

FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG , Frank­furt am Main

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Han­no­ver

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle

Logo von Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)
Re­fe­ren­tin­nen / Re­fe­ren­ten (Voll­ju­ris­tin­nen / Voll­ju­ris­ten) (m/w/d)

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) , Ro­s­tock

Logo von Budimex Bau GmbH
Voll­ju­rist (m/w/d) als In­hou­se La­wy­er Bau­recht

Budimex Bau GmbH , Ber­lin

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von Fachseminare von Fürstenberg GmbH & Co. KG
Libra für Einsteiger & Fortgeschrittene

09.12.2025

Praxisrelevantes Wissen für die Strafverteidigung (5 Zeitstunden)

09.12.2025

Logo von Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Get Ready for 2026

10.12.2025

Logo von Osborne Clarke GmbH & Co. KG
Sundowner @ Osborne Clarke - Hamburg - Die Winteredition

10.12.2025, Hamburg

Lizenzierung und Nutzung von KI

10.12.2025

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH