Generationenwechsel in der Justiz: Meck-Pomm sucht Nach­wuchs

28.12.2017

Zehn Jahre noch - dann ist die Hälfte der jetzigen Richter und Staatsanwälte in Mecklenburg-Vorpommern in Pension. Das Justizministerium bemüht sich um Nachwuchs, auch aus anderen Bundesländern.

Der Justiz in Mecklenburg-Vorpommern steht ein Generationenwechsel bevor. In etwa zehn Jahren wird fast die Hälfte der heute rund 600 Richter und Staatsanwälte in Pension sein. Ab 2021 gehen verstärkt auch Justizfachangestellte in den Ruhestand, wie das Justizministerium mitteilte.

Erste Erfolge sieht Ministerin Katy Hoffmeister (CDU) bei der Einstellung von Referendaren. Im Sommer waren es 26 junge Frauen und Männer, im Dezember 31. "So viele neue Referendare waren es zuletzt vor vier Jahren", sagte sie. Als Grund für den höheren Zuspruch nannte die Ministerin die Imagekampagne, die sie 2016 bundesweit startete. Jeder dritte Referendar kommt aus anderen Bundesländern.  

Das Ministerium habe zudem mit dem Oberlandesgericht (OLG) Rostock begonnen, das Referendariat als Vorbereitung auf die Zweite Juristische Staatsprüfung zu optimieren. Es gebe ein praxisorientiertes, modernes Lernprogramm für Referendare mit Modulen für Zivil- und Strafrecht.

Ministerium wirbt mit bundesweiter Imagekampagne

Die Unterhaltsbeihilfe für Referendare war bereits 2016 angehoben worden. Die Leistung der Referendare habe sich bereits verbessert, beim Zweiten Staatsexamen seien bessere Noten als in den beiden vorangegangenen Jahren erreicht worden, sagte Hoffmeister.

Für 2018 kündigte sie an der Greifswalder Universität den zweiten Jura-Info-Tag an. Studierende und Referendare könnten sich über die Ausbildung zum Volljuristen und über Berufsmöglichkeiten informieren.

Bei den Justizfachangestellten sind laut Hoffmeister in diesem Jahr 25 Auszubildende eingestellt worden, 2018 sollen es 38 sein. Zuvor hatten nur 15 junge Leute im Jahr eine Ausbildung begonnen. "Wir müssen die jungen Menschen unbedingt im Land behalten", sagte Hoffmeister. Zwischen 2021 bis 2038 sei damit zu rechnen, dass jährlich 40 bis 50 Justizfachangestellten in den Ruhestand gehen. Das Justizministerium habe einen Werbefilm produzieren lassen, der im nächsten Jahr bundesweit verbreitet werden soll.

dpa/mgö/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Generationenwechsel in der Justiz: Meck-Pomm sucht Nachwuchs . In: Legal Tribune Online, 28.12.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/26201/ (abgerufen am: 22.10.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 28.12.2017 12:35, @topic

    Wer freiwillig DA hin geht, hat einen an der Waffel.

    #FalafelstattBroiler

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 28.12.2017 13:01, Michael

      Dann bleiben Sie bitte in NRW unter Ihresgleichen.

    • 28.12.2017 15:44, AS

      Liebe Kollegen,

      warum diese unnötige Schärfe? Als jemand mit persönlichen Verbindungen sowohl zu MV als auch zu NRW möchte ich sagen: Beides sind natürlich großartige Länder!

      Der Justiz in MV wünsche ich, dass sie ihren Personalbedarf decken können wird. Die Aufgabe erscheint ja auch nicht unlösbar, in den nächsten 10 Jahren knapp 300 Richter und Staatsanwälte einzustellen. Vielleicht braucht man durch den Bevölkerungsrückgang sogar ein paar weniger.

    • 29.12.2017 10:31, Wolfgang Mitsch

      Wer einen solchen Kommentar abgibt , kann selbst noch nicht in diesem schönen Bundesland gewesen sein.

    • 04.01.2018 19:46, JayRo

      Quatschkopp !!!

  • 28.12.2017 17:13, Schlechte Besoldung

    Warum soll man sich das antun - die Besoldung ist um einiges schlechter als anderswo!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 28.12.2017 17:23, @schlechte Besoldung

      Die R-Besoldung in Bund und Ländern ist flächendeckend verfassungswidrig niedrig. Das ist kein Argument.

      Entscheidend ist doch, dass man in diesem Land (wie auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg) gar nicht arbeiten oder gar leben will. Tiefste Zone. AfD wohin man sieht. Und dann auch noch diese Sprache. Das hat mit Deutsch so viel zu tun, wie ein syrischer Flüchtling nach drei Wochen Deutschkurs. Nein, danke. Nicht mal für das doppelte meines aktuellen Soldes würde ich einen Fuß auf diesen Fleck Erde setzen. Könnte Polen nicht einspringen und uns diesen Landstrich abnehmen? Die bauen doch gerade eifrig ihre Justiz um...

    • 29.12.2017 08:36, RA Mecklenburg

      @28.12.2017 17:23:

      Welche Sprache meinen Sie denn? Den Norddeutschen Dialekt? Waren Sie überhaupt je in Mecklenburg? Es gibt viele gute Gründe, nich in MV in die Justiz zu wollen (schlechte Bezahlung, marode Infrastruktur, die unleidliche Strukturreform mit weit entfernten Zweigstellen usw.), die Sprache gehört jedenfalls nicht dazu.

    • 29.12.2017 09:44, @RA Mecklenburg

      Die Schelte der Sprache bezog sich natürlich auch auf die anderen in meinem Kommentar genannten Bundesländer. Ich finde es allerdings unnötig, zwischen den 5 "neuen Ländern" zu differenzieren. Zone ist Zone ist Zone. Ich bin dafür, alles wieder einzutauschen. Zum Beispiel gegen das Elsass. Die können wenigstens kochen.

      #NoBroiler

    • 29.12.2017 12:09, Mike M.

      Amtsgericht Bergen auf Rügen fände ich schon attraktiv...

      Wenn bald noch die Bürgerversicherung kommt, werden die Bedingungen noch unattraktiver. Zudem ist die Justiz und der ganze ÖD nach Abkehr vom Leistungsprinzip für gute junge Männer doch zu einer Karrieresackgasse geworden, wenn die nächsten 30 Jahre erstmal nur Frauen befördert werden, bis die Quote stimmt bzw. wir ein umgekehrtes Problem haben. Die alten Herren auf ihren Posten kümmert das wenig.

  • 29.12.2017 10:23, Volljurist

    Wie ich sehe, ist hier dieses frustrierte Migrantenkind immer noch unterwegs, und spritzt munter seinen ekelhaften Schwachsinn in die Kommentare ... naja man weiß ja, was niemals vergeht ;).

    Und wer mal in NRW oder Berlin gewesen ist, also in den besonders "bunten" Gegenden ( Marxloh, Kreuzberg, Neukölln usw. usf.), der ist froh, wenn er wieder in ein wirklich deutsches Gebiet kommt. Egal ob im Osten, oder sonst wo.

    Wenn man durch diese Gebiete geht, da weiß man doch nicht mehr wo man ist. Diese Stadtteile sehen aus wie Vororte von Bagdad oder Kairo. Schaut und hört man sich die Menschen dort an, da fühlt sich jeder Deutsche doch nur noch fremd.

    Kurzum, dieses ganze Debakel dort ist eine einzige große Beleidigung für das ästhetische Feingefühl eines jeden Europäers.

    #RemigrationNow

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 29.12.2017 11:04, @Volljurist

      Und wie man sieht, sind auch die rechtsbraunen Zeitgenossen leider noch nicht ausgestorben. Also arbeiten wir uns auch 2018 weiter fleißig aneinander ab, nehmen den jeweils anderen ohnehin nicht ernst (und verachten ihn auf unsere jeweils eigene Art) und es ändert sich wieder nix. Der (große) Osten bleibt uns genau so erhalten wie die (paar wenigen) Flüchtlinge, die wir zwingen, nach Europa zu kommen, weil wir ihr zuhause - natürlich mit feinster deutscher Markenware - bombardieren und beschießen lassen.

      Pass auf, folgender Deal: Wir schmeißen die knapp 20 Millionen Ossis raus - und dann kannst Du im Gegenzug (hinterher) die deutschen Außengrenzen (aber beachte: Nach Osten hin entlang Niedersachen, Hessen und Bayern) dichtmachen. Dann kommt halt gar keiner mehr rein. Vielleicht können die ja irgendwo im Maghreb eine Siedlung "Neu-Dresden" aufmachen. Und die 60 Millionen, die dann noch hier sind, sterben in Ruhe und Frieden über die nächsten paar Generationen aus, weil es nicht mehr für Rente und Krankenversicherung reicht.

      So hätten alle was davon.

  • 29.12.2017 11:04, Acquis

    Die "zu niedrige Besoldung" in der Justiz ergibt sich übrigens nur dann, wenn man die zu dünne Personaldecke und die sich daraus ergebenden Überstunden mit einbezieht. Das nominale Gehalt selbst ist nicht verfassungswidrig zu niedrig.
    Die Länder hätten es nun in der Hand, Geld zwischen Pensionären und aktiven Beamten umzuverteilen und endlich die Rentenkürzungsfaktoren auch in Pensionen einzubeziehen. Auch Hochschulausbildungszeiten sollten ersatzlos gestrichen werden. Die Kinder von pflegebedürftigen Pensionären könnte man zum Elternunterhalt heranziehen. Von den ersparten Aufwendungen kann man dann mehr Richter und Staatsanwälte einstellen.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 29.12.2017 11:09, @Acquis

      Nein, die Besoldung ist sogar zu niedrig, wenn man nur 30 Stunden im Monat arbeitet. Sie wird der Verantwortung und der Wichtigkeit der in der Justiz gehandhabten Fälle nicht ansatzweise gerecht. Menschen, die anderer Leute Leben in Händen halten sollte man so anständig bezahlen, dass sie nicht darüber grübeln müssen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen können, während sie darüber zu befinden haben, ob jemand in das Gefängnis muss oder wer das Sorgerecht für die Kinder erhält.

      Der Richter muss völlig frei von diesen finanziellen Problemen seine gesamte Kraft dem Fall widmen können. Nur dann kann es gerecht werden.

      Deswegen bezahlen wir übrigens auch Piloten sehr gut und (die meisten) Ärzte. Weil wir uns das Risiko nicht erlauben können, dass der Operateur über dem offenen Brustkorb seine Gedanken bei der Heizkostennachzahlung hat oder der Pilot im Landeanflug mal noch schnell nebenher im Kopf durchrechnet, ob es für die Weihnachtsgeschenke der Kinder dieses Jahr reicht.

      Man darf sich nicht darüber wundern, dass Fehler passieren, wenn man den Leuten nicht die Sicherheit bietet, ihren Job anständig zu machen und sie mit mehr Fällen überlastet, als sie an einem Tag leisten können.

      Mehr Richter, mehr Staatsanwälte, und dann ALLEN nochmal deutlich mehr Sold bezahlen als jetzt. Dann bekommt man eine hochqualitative Justiz.

      Aktuell stellen wir in der Justiz neue Leute mit 7 Punkten aus dem Examen ein, bei denen hätte es früher nicht mal zum Sachbearbeiter bei der Capitol Versicherung gelangt. Eine Schande.

    • 29.12.2017 13:56, Jurist

      Volle Zustimmung!

    • 30.12.2017 11:21, @@Acquis

      Wer glaubt dass Punkte wirklich Können widerspiegeln, ist auch Teil des Problems. Ich kenne genug Juristen mit hohen Examensnoten, die getrost als Fachidioten bezeichnet werden dürfen, die man niemals als Richter beschäftigen sollte, weil sie keinerlei soziale Fähigkeiten haben

    • 30.12.2017 11:31, @Acquis

      Ich stimme Ihnen voll zu. In DIESE Richtung kann das passieren. Viele Punkte aber menschlich ungeeignet. Die sollten nicht Richter werden - und werden es auch nicht, weil sie im persönlichen Gespräch rausgesiebt werden.

      Aber leider ist der gedachte Automatismus in der Gegenrichtung falsch. Aus einem menschlich guten 6-Punkte-Juristen wird kein guter Richter. Denn er hat es fachlich nicht genug drauf.

      Was wir brauchen sind 9+ Punkten UND Soft Skills. Aber Leute mit dieser Qualifikation lachen über das erbärmliche Gehalt von R1 und gehen dann dorthin wo sie besser bezahlt werden. Sie fehlen in der Justiz. Leider.

      Die Lösung? R1 verdoppeln, dann kommen auch die Guten endlich wieder gerne ins Richteramt.

    • 30.12.2017 11:40, AS

      Man fragt sich allerdings, wieviel wir bspw. einem jungen Proberichter bezahlen sollten, damit er Ihrer Meinung nach angemessen besoldet ist. Derzeit geht es doch irgendwo bei brutto € 4.200 los, was zu einem Nettoeinkommen führt, für das ein Angestellter schon ca. brutto € 5.600 verdienen muss. Ist doch für einen Anfänger nicht schlecht, oder? Jedenfalls sollte man damit keine Sorgen um seine Nebenkostennachzahlung haben.
      Vielleicht liegt der Ansatz eher darin, die Richter von administrativen Aufgaben zu entlasten. Wir haben doch im internationalen Vergleich eine hohe Richterdichte. Offenbar werde diese mit zu vielen Aufgaben belastet, die auch Rechtspfleger erledigen könnten.

    • 30.12.2017 11:49, AS

      Ich sehe gerade, meine Frage ist schon beantwortet: R1 verdoppeln. Dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin! Das hieße dann also, R2 ff. auch verdoppeln?
      Dann bin ich aber dafür, A13 ff. auch zu verdoppeln! Was Sie für sich in Anspruch nehmen, werden Sie ja sicher auch den Kollegen in der Justizverwaltung gönnen.

    • 30.12.2017 12:54, @AS

      Auch die A-Besoldung ist zu niedrig, keine Frage. Allerdings stellen die Verwaltung oder die Finanzer in der Regel (bei den Juristen) die weniger qualifizierten Leute ein, da geht es auch schon mit 7,5 Punkten (wobei das aktuell ja in der Justiz nicht anders ist... Leider). Aber auch auf die A-Tabellen könnte man sorglos 60 Prozent draufschlagen, ohne zu viel zu bezahlen.

      Wenn wir Aufgaben von den Richtern zu den Rechtspflegern verschieben (die ich ebenfalls für sehr kompetent halte, jedenfalls bei uns im Gericht sind die top), müssen wir aber A) deren Besoldung ebenfalls nach oben anpassen und B) auch mehr RPfl einstellen. Und ihnen ein Spruchprivileg in der Haftung zugestehen, wie es auch die Richter haben. Wie schnell ist z. B. in Nachlasssachen mal ein Fehler passiert und das Millionenerbe gefährdet.

      4.200 brutto sind übrigens nicht mal mehr 3.000 netto, wenn man die notwendigen privaten Krankenversicherungen für sich selbst, Ehepartner und Kind(er) noch abzieht.

      Sie wollen mir jetzt nicht ernsthaft erklären, dass das dem Stand, der Verantwortung und der allgemeinen Lohnentwicklung entspricht. Und machen wir uns nichts vor - der Bürger denkt (Warum auch immer!?) dass Richter absolute Spitzenverdiener
      wären. Wenn man einem Nicht-Juristen erzählt, was man verdient, ist er schockiert. Die Erwartung an unsere Arbeit und deren Qualität ist allerdings so, als würden wir 20.000 im Monat mitnehmen. Und Wehe, man bleibt hinter diesem Anspeuch zurück.

      Bedenken wir ferner, dass anders als in den freien Berufen und der Wirtschaft das Richtergehalt auf das gesamte Berufsleben gerechnet nur lächerlich und nur linear ansteigt. R2 wird ja schon kaum jemand mehr - noch dazu sind das ohnehin nur 500 Euro brutto mehr im Monat. Lachen wir darüber mal herzlich.

      Nehmen wir also mal nur die R1 Tabelle. Nach 35 Berufsjahren sind es aktuell nicht mal 7.000 brutto. Wir bekommen alle zwei Jahre eine Tarifrunde die gerade mal den Inflationsausgleich darstellt. Mehr gibt es nicht und kann man auch mit gutem Verhandeln nicht rumausholen. Überstunden werden auch nicht bezahlt. (Deswegen mache ich auch keine, komme was wolle).

      Vergleichen Sie das mit der Lebensgehaltserwartung eines InHouse oder eines Grossbudenanwalts, der nach 10 Jahren Partner wird. Da heisst die Devise: Up or Out und man verdoppelt sein Gehalt idealerweise in 10 Jahren. In der Wirtschaft gilt ähnliches.

      Und ja, Richter haben andere Benefits. Keine Frage. Pension ist schön und gut. Ich würde mit Handkuss sofort stattdessen in die Rentenversicherung wechseln, wenn ich könnte (und das Gehalt endlich stimmte). Ich finde das solidarische Konzept der gesetzlichen Rente fantastisch. Wenn man Mindest- und Höchstgrenzen einführt, und alle Einkommensarten heranziehen, gerechter ginge es nicht... Aber das gehört hier nicht her.

      Fazit: Es gäbe gute Ansätze, die Richrerbesoldung amtsangemessen zu gestalten. Die Pillepalleaufgaben aus der Zuständigkeit nehmen (OWis fallen einem ein, oder die Erteilung von Nachlasszeugnissen oder Adoptionen, oder oder oder.. Kann alles der RPfl) wäre ein guter Schritt. Die Besoldung anheben auch. (Im übrigen auch für den kompletten Unterbau bis hin zum Wachtmeister. Von jemandem, der 1.500 brutto verdient, erwarte ich mir nicht dass er für meine Sicherheit garantiert.)

      Aber dafür wollen wir ja kein Geld ausgeben. Die Justiz ist der Politik nicht wichtig. Vielleicht wird sie auch absichtlich kaputtgespart, damit nicht gute und fähige Richter über wichtige Fragen entscheiden, die Berlin auf die Füße fallen könnten...

      Ich für meinen Teil regulieren meinen Stundenlohn daher weiterhin über die rigoros Reduktion der Arbeitszeit. Hin, Akten (gut und richtig) erledigen, weg. Wenn das statt 8 mal nur 3 Stunden am Tag dauert weil wenig los ist. Bin ich eben um 12 wieder daheim bei meiner Familie.

    • 30.12.2017 14:15, AS

      Danke, dass Sie sich die Mühe machen, Ihre Gedanken hier so ausführlich darzulegen. Ich gönne Ihnen alles Geld der Welt, befürchte aber, Sie werden weiterhin Ihre Arbeitszeit reduzieren müssen.
      Was mir zu denken gibt, ist die von Ihnen angedeutete fehlende Karriereperspektive im Richterberuf. Wenn ich sehe, dass man etwa in der Bundesverwaltung durchaus regelmäßige Beförderungen erreichen kann, stelle ich mir die Aussicht, wahrscheinlich ein ganzes Berufsleben R1 zu bleiben, reichlich demotivierend vor. Vielleicht wäre dies ein Ansatz, um den Richterberuf attraktiver zu gestalten. Gibt es bei Richtern eigentlich Leistungsprämien? Die machen bei Beamten zwar den Kohl auch nicht fett, bringen aber immerhin ein bisschen Anerkennung.

    • 30.12.2017 15:49, @AS

      Gerne. Ich werbe ja nur für einen Hauch mehr Verständnis. Leistungsprämien? Wo denken Sie hin? Das gibt es bei uns nicht. Es gibt im Gegenteil die Nichtleistungsdrohung. Will sagen: Die Justiz ist ausnahmslos Statistik-Besessen. Und Wehe, die Zahlen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Dann kommt der Präsident des Landgerichts (ggf. mit dem Direktor des AG im Schlepptau) und fragt mal an, was da denn schief läuft. "Man wolle natürlich keinesfalls in der Unabhängigkeit eingreifen, aber..." - die Kollegen schaffen ja auch ihr Pensum, ob man denn Probleme habe und Hilfe brauche? Oder gar Entlastung?

      Natürlich sagen es dann 9 von 10 Kollegen nicht, falls sie wirklich überlastet sind. Es wäre das sofortige Karriereende. Die Justiz toleriert keine Ausreisser. Nur wer liefert, kommt voran. Und "voran" ist wie gesagt ein Witz. Etwa 10-15% der Stellen sind überhaupt R2 und aufwärts. Und selbst R2 wie gesagt, liegt linear etwa 500 Eur brutto über R1 (sagen wir mal im Schnitt 10 Prozent mehr Sold)... Geht aber in der Regel mit deutlich mehr Arbeit einher. Und zwar nicht 10% mehr, sondern 50. Gut, es gibt einige wenige Sonneninseln auf R2, wo nix los ist, aber die sind selten. Und dann muss man noch wissen, dass die höheren Stellen ab R3 natürlich auch nicht überall vorhanden sind. Die gibt es nur in größeren Behörde, also nur in größeren Städten. Was nutzen mir 500 Euro mehr wenn ich dafür nach München oder an ein anderes teuereres Pflaster ziehen muss? Also der Ansporn, in der Justiz befördert zu werden, ist niemals ein monetärer.

      Dazu kommt, dass das Postulat der Leistingsabhängigen Beförderungen nicht durchgehalten wird. Da gibt es - wie überall - Seilschaften, Parteibücher, Protéges, Connections. Wer es sich mit irgendjemand wichtigem vergrätzt, kann einpacken. Oder sein Heil in der Konkurrentenklage suchen.

      Sonstige Anreize? Nun, Richter sein ging mit einem gewissen Prestige einher. Früher. Man war im Ort bekannt, wurde hier und da hofiert. Vergessen sie es heute. Nicht, dass ich da bräuchte, aber so manchem würde es den Posten schmackhaft machen. Gibt es ja nicht mehr. Richter sind dafür heute immer mehr Zielscheibe für Kritik, aus der Presse, vom Stammtisch, auf der Straße. Wenn alles gut läuft, ist es nicht der Rede wert. Aber - vermeintliche - Fehler werden ausgebreitet, zu Tode analysiert, breitgetreten. In der Regel von juristischen Volllaien, die es selbst nicht besser wissen.

      Und selbst wenn man auf die Idee käme, die Besoldung sei nach alledem angemessen...muss.man noch bedenken, dass aufgrund von Vertretung, Krankheiten, Elternzeiten, Fehlzeiten und Nachbesetzungssperren und -Lücken das gesamte Kollegium in der Regel nicht 100 sondern zwischen 115 und 135 Prozent des Pensum pro Person arbeiten muss. Hatte ich schon erwähnt, dass Überstunden nicht vergütet werden?

      Und um die Frage vorwegzunehmen, die jetzt immer kommt. Wieso mache ich den Job denn dann überhaupt? Weil ich damals angetreten bin, ihn zu machen, weil ich glaube, eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, weil es eine starke Justiz heute mehr denn je braucht, um unsere zahlreichen Gesellschaftsprobleme anzugehen. Vielleicht bin ich Altruist und selbst schuld, ja. Vielleicht bin ich Idealist und meine Zusatzbesoldung kommt in Form on Stolz und Seelenheil. Vielleicht sollte sich aber auch einfach mal rum sprechen, wie es in der Praxis wirklich läuft.

      Ich wäre ja schon happy, wenn sich die Mär vom überbezahlten Eierschaukeln mal erledigt. Ich will kein Danke. Ich will mich nur nicht doof anmachen lassen müssen wenn mal etwas nicht perfekt gelaufen ist.

      In einem maroden System wie diesem sind Fehler vorprogrammiert. Wer weniger Fehler will, muss das System grundlegend reformieren.

  • 31.12.2017 12:56, AS

    Verständnis von meiner Seite: Ja, das haben Sie.
    Aus anwaltlicher Sicht kann ich nur sagen: Wir brauchen dringend eine funktionierende Justiz. Private Schiedsgerichte sind keine Alternative, da sie meist nur zwangsschlichten und nichts zur Rechtsfortbildung beitragen.
    Was wir vielleicht lernen müssen, ist die Justiz mehr zu schätzen, auch wenn es manchmal nicht leicht fällt. Ich will mir dies jedenfalls fürs neue Jahr vornehmen. In diesem Sinne: Einen guten Rutsch und alles Gute für 2018!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 31.12.2017 13:02, @AS

      Gleichfalls.

  • 01.01.2018 17:49, Schmidt

    Geht Ihr ruhig in die Justiz... derweil verdiene ich in der Wirtschaft 18.000 EUR im Monat .... im Osten wohlgemerkt!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 04.01.2018 09:11, Enes Scholkaldetten

      Wenn es Sie glücklich macht.... Ich könnte mit so viel Geld nicht wirklich etwas anfangen. Mit den 1000 Euro im Ref bin ich (gerade so) ausgekommen. Die R1 Besoldung ist ein vielfaches dessen.

  • 04.01.2018 21:08, Wossi

    Als Wossi - aufgewachsen im Westen und seit 25 Jahren in M-V - kann ich der hiesigen Justizministerin nur sagen: Selbst schuld. Die Justiz in M-V hat es ihren Mitarbeitern in den letzten Jahren wirklich verdammt schwer gemacht und das spricht sich halt rum. Wenn man die derzeit extrem hohen Berge von Altverfahren sieht und die daraus resultierenden extrem langen Verfahrensdauern ansieht, kann man jedem Juristen nur raten, auf keinen Fall in den Landesdienst zu treten. Hinzu kommen die bekanntermaßen sehr schlechten Noten in M-V und der miese Vorbereitungsdienst. Wenn M-V wirklich Nachwuchs will, sollte es erst einmal die Voraussetzungen schaffen, damit man dort auch wirklich gerne arbeiten will.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 01.03.2018 07:37, Hennig

    Wer seine eigene Bediensteten, mal im Klartext formuliert, "bescheisst" dürfte wohl als Arbeitgeber in MV nicht zu empfehlen sein (vgl. zu diesem thema : https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Richterbund-kritisiert-Besoldungs-Kompromiss,richter928.html). Da hilft auch eine teure Imagekampagne nicht.

    Die Ministerpräsidentin und die Justizministerin sollten sich einfach nur schämen.

    Pfui.

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