Druckversion
Dienstag, 18.08.2026, 20:21 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/justiz/j/bverfg-jahresbericht-2022-weniger-verfassungsbeschwerden-bundestagswahl
Fenster schließen
Artikel drucken
51258

BVerfG-Jahresbericht 2022: Immer weniger Men­schen ziehen nach Karls­ruhe

08.03.2023

Der Zweite Senat des BVerfG

Der zweite Senat des BVerfG bei einer Entscheidung im Februar 2023. Foto: picture alliance/dpa | Uli Deck

Das Bundesverfassungsgericht hat seinen Jahresbericht vorgelegt. Der zeigt, dass die Anzahl der Verfassungsbeschwerden und Eilanträge deutlich zurückgegangen ist. Außerdem beschäftigt die Berliner Pannenwahl Karlsruhe weiterhin.

Anzeige

Das Abklingen der Corona-Pandemie macht sich auch beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) bemerkbar: Vor allem die Zahl der eingereichten Eilanträge ist zuletzt wieder deutlich zurückgegangen. Im Jahr 2022 gingen 209 eigenständige Eilanträge in Karlsruhe ein, wie aus dem nun veröffentlichten Jahresbericht des höchsten deutschen Gerichts hervorgeht. 2021 waren es 237 und im ersten Corona-Jahr 2020 sogar 271 reine Eilanträge gewesen - ein historischer Höchststand. Ungefähr jeder vierte Eilantrag hatte damals mit den Grundrechtseinschränkungen während der Pandemie zu tun.

Auch die Zahl der Verfassungsbeschwerden reduzierte sich merklich: von 5.059 im Jahr 2021 auf jetzt 4.670. 1.055 davon waren 2022 mit einem Eilantrag verbunden - im Jahr davor waren es noch 1.330 gewesen. Insgesamt gingen 2022 4.934 neue Verfahren ein. Damit sank diese Zahl erstmals seit 2002 wieder unter die 5.000er-Marke. Der Spitzenwert war 2014 mit mehr als 6.800 Eingängen verzeichnet worden. Hier zählen zum Beispiel auch Wahlprüfungsbeschwerden oder Richtervorlagen mit.

Berliner Abgeordnetenwahl beschäftigt BverfG weiter

Thema beim Jahresempfang waren auch die Pannen bei Berliner Wahlen. Für die Berliner Abgeordnetenhauswahl am 12. Februar hatte das BVerfG am Ende grünes Licht gegeben - aber das zugehörige Verfahren bereitet den Karlsruher Richterinnen und Richtern weiterhin Kopfzerbrechen. Die zentrale Verfassungsbeschwerde werfe sehr wesentliche Fragen zum Verhältnis von Landes- und Bundesverfassungsgerichtsbarkeit auf, sagte der zuständige Berichterstatter im Zweiten Senat, Richter Peter Müller, am Dienstagabend beim Jahrespresseempfang des Gerichts. Vieles davon sei in der bisherigen Karlsruher Rechtsprechung noch ungeklärt.

Müller warb vor diesem Hintergrund auch um Verständnis dafür, dass der Senat den Eilantrag, der die Wahl stoppen sollte, Ende Januar ohne jede Begründung abgelehnt hatte. In belastbarer Weise sei das in der Kürze der Zeit nicht anders möglich gewesen. Die Veröffentlichung der Begründung stellte er ungefähr für Mai in Aussicht. Dafür müsse die Verfassungsbeschwerde in ihrer Gesamtheit gewürdigt werden. Das Hauptverfahren werde sich damit aber wohl nicht erledigt haben.

Der für die Prüfung der Einsprüche grundsätzlich zuständige Berliner Verfassungsgerichtshof hatte die pannenreiche Wahl vom 26. September 2021 insgesamt für ungültig erklärt. Das machte die komplette Wiederholung in der gesamten Hauptstadt notwendig.

dpa/cp/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

BVerfG-Jahresbericht 2022: . In: Legal Tribune Online, 08.03.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/51258 (abgerufen am: 18.08.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • BVerfG
    • Einstweiliger Rechtsschutz
    • Verfassungsbeschwerde
BVerfG 18.08.2026
Strafverteidiger, StV

Das neue "Zitiergebot":

BVerfG besteht nicht nur auf Lite­ra­tur­re­cherche

Das BVerfG hat die Verfassungsbeschwerde gegen eine Beschlagnahmeanordnung verworfen und die Begründungsanforderungen verschärft. Künftig reicht sorgfältige Recherche allein nicht mehr; es muss auch umfassend zitiert werden, weiß Jens Bülte.

Artikel lesen
Schild am Ständehaus, dem Sitz des Oberlandesgerichts Dresden 14.08.2026
Extremismus

Gerichtspräsident scheitert vorm BVerfG:

Ober­lan­des­ge­richt muss uner­wünschten Refe­rendar trotzdem aus­bilden

Das OVG Sachsen hatte den Freistaat verpflichtet, einen Referendar mit rechtsextremer Vergangenheit ins Referendariat aufzunehmen. Der für die Ausbildung verantwortliche OLG-Präsident erhob Verfassungsbeschwerde, blieb aber erfolglos.

Artikel lesen
Tempo 30-Schilder auf der Landshuter Allee; darunter das Schild "Luftreinhaltung" 07.08.2026
Straßenverkehr

Neuer OB bestätigt Kurswechsel auf Landshuter Allee:

Mün­chen hält sich jetzt doch an Tempo-30-Gerichts­be­schluss

Münchens Oberbürgermeister hält an Tempo 30 auf der Landshuter Allee fest. Nach einem Kurswechsel der Stadt erklärt die Deutsche Umwelthilfe ihr Klageverfahren für erledigt. Der jahrelange Streit könnte damit vorbei sein.

Artikel lesen
Außenansicht des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe 31.07.2026
Richter

Verfassungsbeschwerde erfolgreich:

Reni­tente Fami­li­en­rich­terin muss sich keiner ärzt­li­chen Unter­su­chung unter­ziehen

Wegen auffälligen Verhaltens einer Richterin ordnete der LG-Präsident eine ärztliche Untersuchung an. VG und OVG billigten das – das BVerfG widerspricht: Ein hartnäckiger Streit über Gerichtszuständigkeiten trägt keinen Paranoia-Verdacht.

Artikel lesen
Eine Collage, die ein Bild vom Zweiten BVerfG-Senat und LTO-Redakteur Hasso Suliak enthält 23.07.2026
Gesetzgebung

BVerfG verneint "Tempolimit" für Gesetzgebung:

Keine Sand­kas­ten­spiele mit der Par­la­ments­mehr­heit

Das BVerfG hat es abgelehnt, der Parlamentsmehrheit Vorgaben zu machen, in welchem Tempo sie Gesetze berät und beschließt. Die Entscheidung ist richtig und dürfte dem Senat in Zukunft viel Arbeit mit ähnlich gelagerten Verfahren ersparen.

Artikel lesen
Fünf Personen stehen auf einer Bühne und applaudieren, während ein Mann am Mikrofon spricht. 22.07.2026
AfD

Diskussion um Verbot von Landesverbänden der AfD:

Wehr­hafte Demo­k­ratie darf präzise sein

Die wehrhafte Demokratie muss nicht immer zur schärfsten Waffe greifen. Ein Verbotsantrag gegen einzelne AfD-Landesverbände ist nach geltender Rechtslage bereits heute zulässig, meinen Ulrich Karpenstein und Roya Sangi.

Artikel lesen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Schwe­rin

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Mün­chen

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Han­no­ver

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Nürn­berg

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Bie­le­feld

Logo von PwC Legal AG
Rechts­an­walt / Voll­ju­rist Steu­er­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Ber­lin

Logo von Stiftung Umweltenergierecht
Ju­ris­tin/Ju­rist (m/w/d) als Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter in Teil­zeit (60...

Stiftung Umweltenergierecht, Würz­burg

Logo von PwC Legal AG
Se­nior Rechts­an­walt Fach­pla­nungs­recht (w/m/d)

PwC Legal AG, Ber­lin

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von Deutsches Anwaltsinstitut e.V.
Schnittstellen Miet- und WEG-Recht: Erprobte Konzepte bei Problemen mit der vermieteten ETW

18.08.2026

Fehlerquellen im Erbschaftsteuerrecht

18.08.2026

Kommunikation über das eigene Arbeitsverhältnis

18.08.2026

Online-Seminar: Wichtige Aspekte beim Immobilienkauf im Notariat

18.08.2026

EU AI Act Compliance im Griff – Schritt für Schritt zur Umsetzung

18.08.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH